Vergessenes Erbe in Rokittnitz
Wer Hindenburg O.S. hört, denkt wahrscheinlich an Bergbau und Fußball. Dabei ist es auch eine Universitätsstadt mit einem charmanten Campus der Schlesischen Medizinischen Universität im Stadtteil Rokittnitz.
Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej
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Wer Hindenburg O.S. hört, denkt wahrscheinlich an Bergbau und Fußball. Dabei ist es auch eine Universitätsstadt mit einem charmanten Campus der Schlesischen Medizinischen Universität im Stadtteil Rokittnitz.
Wie verändert sich die Welt angesichts neuer politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen? Welche Rolle spielen Polen, Deutschland und Tschechien – sowie die Europäische Union als Ganzes – in diesem Prozess? Antworten auf diese Fragen suchen die Teilnehmenden der internationalen Konferenz „Colloquium Opole 2025“, die vom Schlesischen Institut in Oppeln am 18. und 19. November 2025 veranstaltet wird.
Wer heute am Gleiwitzer Stadtamt vorbeikommt, sieht vor allem einen Verwaltungssitz, dessen Entstehung die meisten wohl in den 1950er Jahren verorten würden. Dabei war das Gebäude bei der Eröffnung im Jahr 1928 als „Haus Oberschlesien“ eines der modernsten und elegantesten Hotels der Region.
Der aus Oberschlesien stammende DDR-Grenzoffizier Manfred Smolka wurde 1960 in Leipzig auf Befehl der Staatssicherheit hingerichtet. Sein Versuch, seine Familie in den Westen zu holen, endete mit einem inszenierten Prozess und dem Fallbeil. Sein Schicksal steht exemplarisch für die brutale Logik der Diktatur – und für das späte Ringen um Gerechtigkeit.
Vor einigen Monaten entdeckte ich auf der Website des Schlesischen Museums in Görlitz eine Fotografie von Karl Franz Klose, die mich dazu inspirierte, einem alten schlesischen Brauch genauer nachzugehen – dem Backen von Kuchen oder Brot nicht zu Hause, sondern in der örtlichen Bäckerei.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte in Oberschlesien nicht nur Deutsch von Grabsteinen und Häuserwänden verschwinden – auch Menschen verloren ihre Namen. Aus Johann wurde Jan, aus Wolfgang Jerzy: ein Kapitel symbolischer Gewalt und Identitätsraub, das bis in die 1970er-Jahre nachwirkte.
„Repatriierte“ – so nannte die kommunistische Propaganda zur Verschleierung der Tatsachen diejenigen Polen, die aus den östlichen Gebieten Polens, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion besetzt wurden, zwangsweise ausgesiedelt wurden. Ihre Tragödie führte zur Tragödie der deutschen Bevölkerung in Ost- und Westpreußen sowie in Pommern.
Die industrielle Revolution schuf in Oberschlesien eine kaufkräftige Kundschaft. Darauf reagierte auch der Handel. Ein hervorragendes Beispiel ist das Kaufhaus in Friedenshütte, einem Stadtteil von Schlesisch Ruda. Zwischen Stahlwerk und Arbeitersiedlung gelegen, war es bei der Eröffnung das modernste Kaufhaus östlich von Breslau.
Am 2. November 2025 findet in Oberglogau eine Gedenkveranstaltung statt: 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Mit Wiktoria Ernst, Marketing-Spezialistin am Schloss Moschen, sprach Andrea Polanski über ihre Faszination für das Schloss sowie über ihr Buch „Das Leben auf dem Schloss / Życie na zamku“ über Eva-Dorothea von Kleist-Retzow.