Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Sunday, December 4, 2022

Das weiße Gold

Gogolin ist polenweit dank des Liedes zur Geschichte von Karolinka und Karliczek bekannt und in der Deutschen Minderheit darüber hinaus als Geburtsstätte der SKGD. Aber die Kleinstadt hat noch mehr zu bieten, denn in Gogolin suchte man vormals nach dem „weißen Gold“.

 

Mit den Jahren kamen immer mehr Kalkwerke dazu und der Industriestandort Gogolin zog beständig Fachleute aus anderen Gebieten Deutschlands an.
Foto: Nasz Gogolin

 

 

Noch bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Gogolin ein typisches Dorf, in dem die Bewohner vor allem von der Landwirtschaft lebten. Mit der Erweiterung der Bahnstrecke zwischen Breslau und Oberschlesien am Anfang der 40er Jahre kam auch der Aufschwung für Gogolin. Um die Gleisstrecke zu bauen, mussten große Flächen von Wäldern abgeholzt werden. So wurden viele der Gogoliner Bauern für diese Arbeit eingestellt. Die Strecke zwischen Oppeln und Königshütte wurde erstmals am 2. November 1845 betätigt und zwei Monate später war auch der Bahnhof fertiggestellt. Damit die neue Infrastruktur Gogolins auch betätigt werden konnte, wurden junge Männer aus Gogolin ausgebildet, die dort Arbeit fanden.

 

Gogolin wird zur Industriestadt

Gogolin war ein kleines Dorf, sogar das ärmste im damaligen Kreis Groß Strehlitz. Die Bahn war erst der Anfang, denn Gogolin wurde schnell zu einem Zentrum der industriellen Entwicklung Schlesiens. Die Natur hatte dem Dorf ein riesiges Geschenk gemacht und in Gogolin sowie der ganzen Gegend riesige Kalkmengen angelagert. Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in der Region einige kleine private Kalköfen für den eigenen Gebrauch. Das Jahr 1847 brachte den Umbruch. Gogolin zog erste Investoren an, die große Grundstücke kauften und die ersten Kalköfen bauten. Die Bewohner Gogolins wurden jetzt massenhaft in den neuen Kalkwerken eingestellt und verdienten so ihren Lebensunterhalt. Sogar Jugendliche und Frauen arbeiteten in den Steinbrüchen. Jüdische und evangelische Investoren entdeckten ihre Chance in Gogolin und so entwickelte sich Gogolin zu einer großindustriellen Stadt. In Gogolin gab es 1855 schon mehr als 20 Kalköfen. Neben den zahlreichen jüdischen Investoren ließ sogar Graf Ballestrem aus Ruda in Oberschlesien drei Kalköfen erbauen. Im selben Jahr gründeten einige Kleininvestoren das „Gogoliner und Gorasdzer Kalk- und Produkten Comptoir“. Mit den Jahren kamen immer mehr Kalkwerke dazu und der Industriestandort Gogolin zog beständig Fachleute aus anderen Gebieten Deutschlands an.

 

Kalköfen von Gogolin

1874 kaufte Wilhelm Dombrowsky aus Oppeln ein Stück Land direkt an der Bahnlinie, wo er vier Kalköfen erbauen ließ. Gleich daneben gab es noch vier Kalköfen von Carl Bunke. 1888 wurden die zwei Werke zusammengefügt und die Firma „Kaufsvereinigung GmbH“ kaufte das riesige Werk. Auf dem Werk wurde eine Telefonlinie zwischen Gogolin und Groß Stein angelegt. Auch das erste Elektrizitätswerk der heutigen Oppelner Woiwodschaft gehörte, neben 13 Kalköfen, Werkstätten, Bürogebäuden und einem Gleisanschluss, zu dem Kalkwerk. Der letzte Kalk wurde 1987 ausgebrannt. 1992 wurden die Werke komplett geschlossen. Die Dombrowsky-Kalköfen sind die einzigen in gutem Zustand erhaltenen Kalköfen, die an die120-jährige Industriegeschichte Gogolins erinnern.

 

Andrea Polański

 

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