Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, December 9, 2022

Der Bischof der Vertriebenen

75 Jahre nach seinem Tod wird dem Bischof Maximilian Kaller gedacht. Auch heute haben seine Ansichten und Lebensgeschichte noch Relevanz und spenden Vertriebenen Kraft und Zuversicht.

Maximilian Kaller wird am 10. Oktober 1880 in Beuthen geboren. Mit Anfang 20 bekommt er seine Priesterweihe in Breslau und wird Kaplan in Groß-Strehlitz. Anschließend ist er dann Pfarrer auf Rügen. Weiter geht es für ihn nach Berlin und Schneidemühl, bis Papst Pius XI ihn 1930 zum Bischof von Ermland ernennt. Sein Wahlspruch lautet: Caritas Christi urget me – Die Liebe Christi drängt mich. Ein Leitwort, das ihn sein gesamtes Leben prägte und vorantrieb.

Maximilian Kaller als junger Bischof
Quelle: Ermlandfamile e.V.

Während des Krieges versucht Kaller als Häftlingsseelsorger in ein KZ zu gehen. Dies lässt der Berliner Nuntius jedoch nicht zu. Bischof Kaller sprach sich gegen die nationalsozialistische Weltanschauung aus. Er machte sich zudem durch polnisches Predigen, was verboten werden sollte, und die Unterstützung der polnischsprachigen Minderheit beim Regime unbeliebt.

Der Bischof der Vertriebenen
1945 deportiert der Sicherheitsdienst der Gestapo Maximilian Kaller zwangsweise aus dem Ermland. Eine versuchte Rückkehr in sein Bistum bleibt erfolglos. Selbst vertrieben und heimatlos wird Bischof Maximilian Kaller 1946 zum „Päpstlichen Sonderbeauftragten für die heimatvertriebenen Deutschen“ durch Papst Pius XII ernannt. Er hält Geflüchtete dazu an, das schwere Los des Heimatverlustes als Kreuz ihres Lebens anzunehmen. Dank ihm schöpfen viele Menschen Hoffnung und sie finden neuen Mut und Zuversicht. „Viele, die ihm noch persönlich im Ermland oder bei den Treffen in seinen beiden letzten Lebensjahren begegnet sind, sprechen von seiner Ausstrahlung, die nachhaltig ist“, sagt Msgr. Achim Brennecke (Bergheim), Präses der Ermländer.

Kaller spricht sich für die Versöhnung der Deutschen mit den Nachbarstaaten und Frieden unter den Völkern aus. In seinem Fastenhirtenbrief aus dem Jahr 1947 schreibt der Bischof: „Wer um den Frieden betet, muss auch dem Frieden leben“. Rache und Vergeltung seien für ihn keine Lösung.

Ein Jahr nach seiner Ernennung stirbt Bischof Maximilian überraschend an einem Herzversagen. Seine Beisetzung findet im Juli 1947 in Königstein im Taunus statt.

Gestern wie heute relevant
Dieses Jahr wurde wieder an den Vertriebenenbischof mit einer Gedenkveranstaltung erinnert. Sie fand exakt 75 Jahre nach seiner Beisetzung am 10. Juli statt. Präses Achim Brennecke sagt, etwa 100 Teilnehmer seien gekommen, um dem Vertriebenenbischof zu gedenken. Bis heute verbindet der Bischof Vertriebene, Deutsche und Polen und bringt sie zusammen.

Maximilian Kaller bei einer Wallfahrt in Dietrichswalde im September 1938.
Quelle: Ermlandfamilie e. V.

Kallers Anliegen hat auch heutzutage Relevanz. „Der Krieg in der Ukraine erinnert an das große Leiden von Millionen von Menschen im Zweiten Weltkrieg und in dessen Folge. Maximilian Kaller hat sich dieser Menschen angenommen. Sein Vermächtnis ist Auftrag für nachkommende Generationen“, sagt Norbert Block (Bad Berka), Vorsitzender des kirchlich anerkannten Vereins Ermlandfamilie. In Krisenzeiten sei ein solcher unerschütterlicher Glaubenszeuge notwendig für diejenigen mit einem schweren Schicksal, schrieb auch der Erzbischof von Ermland, Józef Górzyński (Allenstein/Olsztyn) im „Ermlandbuch 2022“, noch vor dem Ukraine-Krieg.

Seit 2003 läuft das Verfahren zur Seligsprechung des Bischofs. Sollte dies gelingen, kann Kaller als Seliger bezeichnet und in bestimmten Regionen öffentlich verehrt werden. Anders als die Heiligsprechung hat die Seligsprechung jedoch einen lokalen Bezug und gilt nicht überall. Damit jemand seliggesprochen wird, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Die Verantwortlichen müssten viel Material auswerten und der Vatikan lasse sich da Zeit, erzählt Präses Brennecke. Somit dauert dieser Prozess oft mehrere Jahrzehnte. Unabhängig von dem Ergebnis des Verfahrens ist allerdings klar, dass Vertriebenenbischof Maximilian Kaller Menschen heute noch Kraft spendet und sie zusammen bringt.

Louisa Hoffmann

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