Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, December 1, 2022

Des Krieges menschliches Gesicht

Die Arbeiten von Max Rauer-Pollak sind eine bemerkenswerte Sammlung. Foto: Łukasz Biły.
Die Arbeiten von Max Rauer-Pollak sind eine bemerkenswerte Sammlung. Foto: Łukasz Biły.

Dass sich ein Besuch des Friedersdorfer Heimatmuseums „Farska Stodoła“ lohnt, weiß jeder, der es schon einmal gesehen hat. Gerade jetzt ist es aber günstig, weil im ersten Stock eine neue, faszinierende Ausstellung präsentiert wird.

 

Unter den Mitgliedern der Gruppe aus Gogolin, die am 26. August das Heimatmuseum in Friedersdorf ((Biedrzychowice) zu einem der Punkte ihrer Studienreise machte, sind alle Ausstellungsstücke des Ortes auf besonderes Interesse gestoßen. Diskussionsstoff gab es aber vor allem an einem breiten Tisch, auf dem Porträts und Landschaffen, die als Aquarelle gemalt wurden, aufgestellt waren. Zwischen den ständigen Ausstellungen, die schon seit Jahren in der „Farska Stodoła“ (Pfarrscheune) präsentiert werden, ist „Der Krieg und die Kunst“ ganz neu. Erst am 20. Augst hatte sie Chefin der deutschen Minderheit in Friedersdorf und Kuratorin des Museums, Róża Zgorzelska, die Ausstellung eröffnet.

 

Etwas ganz Besonderes ist die Exposition aus mehreren Gründen. Der erste und wichtigste ist die Gestalt des Autors, denn Max Rauer-Pollak war nicht nur einer der am meisten talentierten Künstler der Neuzeit, sondern – wie Mitglieder der Minderheit sagen – „einer von uns“, ein deutscher Oberschlesier. Geboren wurde er 1908 in Friedersdorf und obwohl er nicht sein ganzes Leben lang in der Ortschaft gelebt hat, so war er doch mit ihr immer emotional verbunden. Auf der rechten Seite der Ausstellung im Heimatmuseum kann der Besucher ein künstlerisch verschwommenes Bild aus Grün und Braun sehen: „Das ist das große Tor in Friedersdorf, das war eines seiner Lieblingsbilder“, erklärt Róża Zgorzelska, die Bindung des Autors an seine Heimat.

 

Das was wohl an Rauer-Pollak am meisten prägnant war, ist das – wie Róża Zgorzelska erklärt – „er kein erlesener Künstler, der sein Fach gelernt hat, war, sondern er war ein Ditakt, hat nie Kunst und Malerei studiert“. Vom Beruf her war der Friedersdorfer Theologe, stark von der christlichen Lehre beeinflusst. Trotzdem, dass er als Deutscher in die Wehrmacht eingezogen wurde, war er kein Mitläufer des Nationalsozialismus. Als Róża Zgorzelska die Ausstellung seiner Arbeiten erklärt, tut sie das indirekt und geheimnisvoll: „Schaut mal genau hin, was fällt Euch auf?“, fragt sie. Schnell wird dabei einem klar, dass nur zwei der zahlreichen Bilder, die er an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg angefertigt hat, deutschen Soldaten gewidmet waren. Alle anderen waren Bilder von einheimischen Russen, Mongolen –  gemalt nicht mit Verachtung, sondern mit Respekt, ja sogar Faszination. Sein Widerwille der Politik Hitlers gegenüber wurde auch nach dem Krieg sichtbar. Nachdem er 1945 in die spätere Bundesrepublik Deutschland floh, arbeitete er für die Armee der Vereinigten Staaten, ohne verdächtigt zu werden. Bis an sein Lebensende wohnte er in Wiesbaden.

 

Da der Künstler erst im späten Alter geheiratet hat und keine Kinder hatte, erbte eine Cousine von Róża Zgorzelska die kostbaren Bilder von Rauer-Pollak. Diese übergab die Arbeiten dem Friedersdorfer Heimatmuseum und so kehrte die Kunst des Autors symbolisch an seinen Geburtsort zurück.

 

„Dieser Autor hatte eine große Sensibilität, vor allem wenn es darum geht, Menschen auf einem Bild wiederzugeben. Diese Ausstellung ist wirklich fabelhaft“, sagte noch während der Eröffnung der Ausstellung einer der Bewohner von Friedersdorf, Jan Kaczmarczyk. Nach Róża Zgorzelska wird sie „noch mindestens bis Ende September zu sehen sein“. Ein Besuch in Friedersdorf im September lohnt sich also bestimmt.

 

Łukasz Biły

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