Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, August 18, 2022

Details und Gefühle

Am Theaterstück beteiligen sich sowohl polnische als auch deutsche Schauspieler. Foto: Das letzte Kleinod.
Am Theaterstück beteiligen sich sowohl polnische als auch deutsche Schauspieler. Foto: Das letzte Kleinod.

Es ist ein Projekt, das es so in Polen noch nicht gegeben hat: Eine deutsch-polnische Gruppe von Schauspielern begab sich auf eine Reise durch Russland, Polen und Deutschland. Dort sammelte man Geschichten von vertriebenen Zeitzeugen, die nun in einem besonderen Theaterstuck präsentiert werden sollen.

 

„Viele von den Geschichten werden überhaupt zum ersten Mal ans Tageslicht gebracht. Nicht nur, dass sie zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden, sondern sie wurden auch zum ersten Mal erzählt“, informiert Urszula Agata Sobczak, die sich bei dem Theaterprojekt „Das letzte Kleinod“ engagiert. Die seit 1991 existierende Theatergruppe befasst sich mit recht spezifischen Aufführungen, denn sie werden nicht nur auf der Bühne gezeigt, sondern auch an Original-Schauplätzen, die zu den Inhalten der erzählten Geschichte gehören.

 

Dank der finanziellen Unterstützung u. a. des Landes Niedersachsen, verschiedener polnischer Städte und der Stiftung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit hat man es nun geschafft, ein Szenario auf die Beine zu stellen, dessen Thema besonders den Deutschen in Polen nahe sein sollte. „Ucieczka-Flucht“ heißt die Aufführung, die ihre Premiere am 15. Juli 2016 in Gdingen hat.

 

Einzigartig macht laut Urszula Agata Sobczak das Projekt vor allem die Szenerie. Anstatt im noblem Theater von Gdingen, wird das Stück auf einer alten Bahnstation eines weniger repräsentativen Viertels der Stadt gezeigt. In vier vorbereiteten Viehwaggons soll das Schicksal der Vertriebenen dargeboten werden. Damit sollen ihre Erlebnisse besonders authentisch wiedergegeben werden, denn genau in solchen Viehwaggons wurden so Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten deportiert, wie auch Deutsche zu Zwangsarbeiten nach Russland. Da in Polen keine solcher Waggons mehr vorhanden sind, musste man sie speziell aus der Slowakei holen.

 

Besonders rührend seien die Gespräche mit den Zeitzeugen für das Theaterstück, sagen Vertreter der Gruppe. Der Regisseur des Projektes, Jens Erwin Siemssen, lauschte oft stundenlang den Geschichten, bis er Details wie Gefühle oder Gerüche von den Menschen „herauskitzeln“ konnte. So soll auch später der Endeffekt werden – voller Details und Emotionen. Insgesamt werden Schicksale von Vertriebenen präsentiert, die heute in drei Ländern leben. Diesbezüglich besuchte Siemssen Kaliningrad (Königsberg), Gdingen, Frankfurt an der Oder sowie Niedersachsen.

 

Wer es zu der Premiere des Stückes in Gdingen nicht schafft,  wird es noch an drei darauflegenden Tagen immer am gleichen Ort (ul. Architektów 1a, 81-528 Gdynia Orłowo) um 19:00 Uhr sehen können. Danach folgen weitere Aufführungen in Schneidemühl, Posen und Berlin. Die Tickets kosten je 40 und 30 Zloty. Für Menschen über 75 ist der Eintritt kostenfrei.

 

Łukasz Biły

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