Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, December 7, 2022

Deutschland näher an der Wahrheit

Die Vergiftung der Oder und ihr katastrophaler Zustand sind ein Thema, mit dem wir seit fast vier Wochen leben. In dieser Zeit wurden Tausende von Tonnen toter Fische, Krebse und anderer Lebewesen aus der Oder geborgen. Die Situation ist dramatisch, denn es handelt sich nicht nur um einen kleinen Abschnitt des Flusses, sondern praktisch von den Grenzen der Woiwodschaft Oppeln bis nach Stettin. So ist die Oder in weniger als einem Monat weitgehend zu einem toten Fluss geworden, weil die dort lebende Fauna und Flora ausstirbt!

Die ersten Berichte über tote Fische in der Oder kamen Ende Juli. Tote Exemplare wurden in der Nähe von Ohlau (Oława) in Niederschlesien verzeichnet. Die Behörden wurden jedoch erst zwei Wochen später auf die Angelegenheit aufmerksam, als die toten Fische auch in den Woiwodschaften Lebus und Westpommern in großer Zahl auftraten. Seitdem wurden mehr als 150 Tonnen toter Fische aus dem Wasser geborgen. Der Vergiftungsfall wird derzeit untersucht. Nach Ansicht des Abgeordneten der deutschen Minderheit, Ryszard Galla, haben die für die Flüsse in Polen zuständigen Behörden, d. h. die Einzugsgebietsverwaltungen, die Polnischen Gewässer und das Umweltministerium, in dieser Situation arg versagt. Nach den ersten alarmierenden Informationen vor zwei oder drei Wochen haben sie keine Informations- oder Warnmaßnahmen organisiert. Noch schlimmer ist, dass gleich zu Beginn der Katastrophe keine Nachforschungen über die Ursache der Katastrophe angestellt wurden und dass der Öffentlichkeit kein entsprechendes Signal gegeben wurde.

Sind Goldalgen der Grund?
„Für mich ist das ein Skandal! Der Skandal ist umso größer als die Situation, die zum Fischsterben geführt hat, auch für Landwirte und Waldtiere, die von der Oder profitieren gefährlich ist, aber nicht nur für sie. Menschen, Jugendliche und sogar Kinder baden oft in der Oder“, warnt der Abgeordnete Ryszard Galla. Dies wiederum verursacht großen Ärger und Angst, zumal noch immer nicht ganz klar ist, was zur Vergiftung der Oder geführt hat. Aber vielleicht werden wir in den nächsten Tagen um dieses Wissen reicher und ruhiger, denn das Thema wurde nun von deutschen Experten aufgegriffen, die sich seit längerer Zeit mit dem Problem des vergifteten Flusses beschäftigen. Die von ihnen analysierten Daten deuten auf eine Blüte der so genannten Goldalgen in der Oder hin, die zum Auftreten von für Fische und Muscheln tödlichen Toxinen führt. Goldalgen sind jedoch meist in salzhaltigen Gewässern mit hohem pH-Wert zu finden. Daher ist es auch Aufgabe der zuständigen Dienste herauszufinden, was zu dem hohen Salzgehalt der Oder beigetragen hat. Die gewonnenen Daten bestätigen auch, dass die von diesen Pflanzen produzierten giftigen Stoffe zu der Umweltkatastrophe beigetragen haben könnten. Deutsche Fachleute berechneten die Chlorophyllkonzentration im Fluss, die als Indikator für Algenblüte dient. Die Studie umfasste drei Zeiträume: 24./25. Juli, 4. bis 6. August und 16. bis 18. August. Es stellte sich heraus, dass die Konzentration Ende Juli auf einem durchschnittlichen Niveau lag. Nur im südlichen Teil des Flusses wurden etwas höhere Werte festgestellt. Etwa zwei Wochen später jedoch bedeckte die Algenblüte auf dem Fluss bereits ein viel größeres Gebiet. Die deutschen Forscher betonen, dass die gewonnenen Satellitendaten für weitere Analysen hilfreich sein werden und eine Grundlage für die Erklärung der genauen Ursachen der Vergiftung der Oder bieten. Diese Informationen scheinen recht zuverlässig zu sein. Es ist jedoch wichtig zu überlegen, welche Art von Überwachungssystem wir haben.

Das traurige Ergebnis der Vergiftung an der Oder: eine Unmenge toter Fische.
Foto: Hanno Böck/wikipedia.org

Besorgniserregende Informationen
Wir sprechen nicht nur über die Oder, sondern über Süßwasser im Allgemeinen, wenn es eine so starke Versalzung gibt, die dazu führt, dass Pflanzen darin vorkommen, die dort nicht sein sollten. Und genau das ist die Situation, die wir an der Oder feststellen. „Meiner Meinung nach tragen mehrere Elemente dazu bei. Zunächst einmal der niedrige Wasserstand des Flusses und die sehr hohen Temperaturen von bis zu 35 Grad. Hinzu kommt, dass wir unter einer unzureichenden Kontrolle der Flüsse und unkontrollierten Einleitungen verschiedener anderer Gewässer leiden. Darin verzeichnen wir sehr hohe Einleitungen von Brauchwasser. Infolgedessen kann es in der Oder zu einer Blüte gekommen sein, die zu dem massiven, noch nie dagewesenen Fischsterben geführt hat, das wir beim Bergen der toten Tiere beobachten“, sagt Ryszard Galla. Wir sollten jedoch nicht vergessen, was auf dem Grund des Flusses zurückbleibt, was nach Ansicht von Experten zu einer erneuten Vergiftung des Flusses führen kann. Daher sind diejenigen, die sagen, dass sich die Situation an der Oder bereits heute verbessert und in Ordnung sein wird, zu optimistisch. Die Wahrheit ist, dass wir erst jetzt vor konkreten Aufgaben stehen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich die Flora und Fauna an der Oder wieder normalisieren können. Besorgniserregend sind auch die Informationen auf der Website der Polnischen Gewässer, aus denen hervorgeht, dass es in Polen mehr als 300 illegale oder nicht identifizierte Einleitungen in die Oder gibt. Das bedeutet, dass im Schnitt alle 2,5 km eine derartige Einleitung existiert. „Da die ersten toten Fische an der Grenze zwischen den Woiwodschaften Oppeln und Niederschlesien auftauchten, bedeutet dies, dass die Quelle dieses Unglücks im oberen Teil der Oder und vielleicht sogar auf der tschechischen Seite liegen muss. Das Problem ist also sehr komplex und die Untersuchung der Ursachen dieser ökologischen Katastrophe muss an der Quelle der Oder bis zu ihrer Mündung beginnen. Es gibt also noch viel zu tun“, sagt der Abgeordnete Galla.

Abwälzen der Verantwortung
In den letzten Wochen haben einige polnische Politiker jedoch Öl ins Feuer gegossen, indem sie unüberlegte Anschuldigungen erhoben, Deutschland sei für die Vergiftung der Oder verantwortlich. Solche Worte wurden sogar von einem Sprecher des Chefinspektors für Umweltschutz geäußert. Hinzu kommt, dass diese Anschuldigungen zu einem Zeitpunkt erhoben wurden, als Deutschland ernsthaft an der Aufklärung der Katastrophe beteiligt war. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Aufgabe der polnischen Seite darin, die Zusammenarbeit zu verstärken und nicht anzugreifen. „Die Vorwürfe gegen Deutschland sind unseriös. Ein solches Verhalten ist entsetzlich. Deutschland ist ein Vorbild, wenn es um Professionalität und die Einhaltung aller Umweltvorschriften geht“, wettert Ryszard Galla. „Wer die Geografie des Oderlaufs kennt, weiß, dass die ersten toten Fische nicht in der Grenzzone der Oder auftauchten, sondern im oberen Teil des Flusses. Außerdem waren es die Deutschen, die bei ihren Forschungen als erste den Nachweis von Goldalgen in der Oder erbrachten, was später auch von polnischer Seite erwähnt wurde, die betonte, dass deutsche Landesstellen in Brandenburg die Daten zu diesem Thema dokumentierten und dies sehr zuverlässig taten. Leider ist auf polnischer Seite, im Gegensatz zu Deutschland, das Monitoring der Oder strafwürdig. Aber es ist immer noch in Mode, einen anderen zu überschreien und ihm Fehler unter die Nase zu reiben, auch wenn er keine gemacht hat; ihn zu beschuldigen, auch wenn er unschuldig ist, und das alles, um die eigene Nachlässigkeit zu vertuschen“, schließt Ryszard Galla. Es sollte hinzugefügt werden, dass Experten die Komplexität der Bedingungen bestätigen, die die Vergiftung der Oder beeinflusst haben – d. h. der niedrige Wasserstand, die hohe Temperatur oder die industriellen Wassereinleitungen, die hauptsächlich im regulierten Teil der Oder stattfanden, wo es Schleusen und Wehre gibt.

Krzysztof Świerc

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