Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, October 7, 2022

Die Burg der Brüder

Vor einer Woche begann unsere Wanderung durch die Strehlener Höhen. Wir besuchten dabei die interessantesten Plätze in Strehlen (Strzelin) und spazierten entlang des Tals der Ohle. Nun geht es weiter – wir begeben uns zwischen die eigentlichen Hügel.

Sobald wir die Wälder betreten, hört das Flachland auf. Der gelbe Wanderweg führt uns ganz sanft nach oben. Es geht insgesamt etwa 230 Meter hinauf – der Anstieg ist aber auf zwei Stunden verteilt und dadurch nicht besonders schwer. Fast die ganze Zeit geht es dabei mit selten genutzten Waldwegen und Waldstraßen voran. Nur ein kurzes, 300 Meter langes Teilstück, führt entlang der Straße von Geppersdorf (Gębczyce) nach Pogart (Romanów). Auf diese Weise kommen wir auf einen kleinen Waldparkplatz mit Holztischen und Holzbänken. Es ist ein guter Platz zum Ausruhen, denn gleich danach wartet eine etwa 200 Meter lange Treppe. Diese führt auf 393 Meter, und somit auf den höchsten Punkt des Tages.

Auf dem Gipfel des Rummelsberges sind die mittelalterliche Burgruine (teilweise rekonstruiert) und der 2012 erbaute Aussichtsturm zu sehen.
Foto: łukasz Malkusz

Auf den Berg der Raubritter
Es handelt sich um den Gipfel des Rummelsberges, die höchste Spitze der Strehlener Höhen. Schon im frühen Mittelalter sollte hier eine Burg stehen. Diese wurde 1431 zum Eigentum der Brüder Hans und Opitz von Tschirn, die sich als besonders hartnäckiges Geschwisterpaar erwiesen. 1439 bauten sie eine neue Burg und wurden zwei Jahre später beschuldigt, Raubritter zu sein. 1443 wurde ihre Burg durch Fürst Wilhelm aus Münsterberg (Ziębice) und Bischof Karl aus Breslau (Wrocław) vernichtet. Drei Jahre später bauten sie die Brüder wieder auf. 1482 wurden sie durch Fürst Friedrich aus Brieg (Brzeg) noch einmal verbannt. Elf Jahre später bekam die Familie von Tschirm den Rummelsberg wieder zurück.
1825 wurde auf dem Gipfel ein Aussichtsturm gebaut, 1845 ein Gasthaus. Beide Gebäude wurden 1945 vernichtet. Heute befindet sich hier eine Ausgrabungsstätte – große Teile der Burgruine wurden freigelegt und sind sichtbar. Seit 2012 steht hier auch ein neuer Aussichtsturm. Dieser ist aber zu niedrig, um über die Bäume zu blicken und bietet nur ein Panorama der unmittelbaren Umgebung.

 

Ausblick über Strehlens Dächer

Bis zum Ende unseres Ausflugs werden wir nun den roten Zeichen folgen. Hauptsächlich geht es dabei nach unten. Ein kurzen Anstieg ist eigentlich nur bemerkbar, wenn wir nach etwa einer Stunde den Hang des Mölken-Berges entlang spazieren. Auch hier wurde an potenzielle Wanderer gedacht. Kurz vor dem Hang befindet sich eine Kreuzung mit drei alten Eichen, wo man sich auf Holzbänken ausruhen kann. Insgesamt sind es eineinhalb bis zwei Stunden Ruhe und Frieden – diese Ecke des Sudetenvorlandes wird nur selten besucht. Es sei denn, man hat Pech und begegnet Forstarbeiten – die Strehlener Höhen sind kein Schutzgebiet, es kann also vorkommen.

Nachdem man die Wälder verlässt, geht es durch Meltheuer (Gościęcice). Eine Viertelstunde hinter dem Dorf erwartet uns der letzte Hügel des Tages – die Schwedenschanze. Mit 208 Metern ist es nicht der imposanteste Gipfel, hier steht jedoch ein Wasserturm aus dem Jahre 1910. Heute wird er teilweise als Aussichtsturm genutzt und bietet Ausblicke auf Teile von Strehlen. Dieser ist aber nicht jederzeit zugänglich. Wer also unbedingt hinaufklettern will, sollte sich von der Anreise nach den aktuellen Öffnungszeiten erkundigen.
Das Stadtzentrum ist nur eine halbe Stunde vom Turm entfernt. Dort beenden wir unseren Ausflug. Mit 7,5 Stunden und etwa 26,5 Kilometern war die Wanderung zwar lang, aber ohne bedeutende Anstiege sollte sie nur eine mittelschwere Herausforderung bieten.

 

Łukasz Malkusz

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