Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Die Gedanken sind frei

Ein Ratschlag für den Sommer

Die heutige Kolumne entsteht zu Beginn der Sommerferien und der verstärkten Urlaubszeit. Die Fußball-Europameisterschaft ist noch im Gange und die Fußball-EM 2024 für nationale und ethnische Minderheiten ist gerade zu Ende gegangen. Die deutsche Minderheit aus Polen wurde durch den FC DFK Oberschlesien vertreten, der als Damen- und Herrenmannschaft antrat. Das Männerteam belegte den sechsten Platz unter 24 Mannschaften, und das Frauenteam, das zum ersten Mal teilnahm, wurde ebenfalls Sechster unter sechs teilnehmenden Teams. Hervorzuheben ist, dass die Organisationsfunktion im VdG-Team seit vielen Jahren fast im Alleingang von Martin Lippa wahrgenommen wird, und dafür gebührt ihm Lob.

Dieses Projekt hat seine Kritiker, aber es sind wohl nur diejenigen, die es noch nie erlebt haben. Denn es ist ein enormer organisatorischer, aber auch finanzieller Aufwand, sowohl für die Veranstalter als auch für die Organisationen, die ihre Mannschaften zum Turnier schicken. In einem meiner Kommentare nach einem verlorenen Spiel unserer Mannschaft habe ich geschrieben, dass oft nicht das Ziel, sondern der Weg das Wichtigste ist. Denn schließlich standen mehrere Dutzend junge Menschen aus Schlesien, aus Polen, unter dem oberschlesischen und deutschen Banner, um das identitätsmäßig vielfältige Oberschlesien zu repräsentieren. Vermutlich fanden sie in ihrer Heimat nicht immer ein Projekt, das ihnen zusagte, oder eine Möglichkeit, sich für die deutsche Gemeinschaft in Polen einzusetzen. Vielleicht haben sie es sogar um des lieben Friedens willen vermieden. Vielleicht haben sie nicht über ihre Herkunft nachgedacht, vielleicht haben sie die Rolle der deutschen Sprache für sich und ihre Familien unterschätzt.

Ich bin überzeugt, dass die Begegnung mit Deutschen aus Ungarn, Italien, Tschechien, Dänemark und den slawischen, Roma- oder friesischen Minderheiten ihnen bewusst gemacht hat, was so schwer zu erklären, aber so intensiv erlebbar ist. Der Reichtum, den die Verbundenheit mit ihren Vorfahren mit sich bringt, die Perspektive, die die Mehrsprachigkeit bietet, und der Respekt vor der Vielfalt, der auf dem Spielfeld kämpft und außerhalb davon eine Gemeinschaft bildet. Sommerreisen für alle Minderheiten bieten die Möglichkeit, auch solche Gefühle zu erleben. Für Familien, die bemüht sind, ihre Kinder zweisprachig zu erziehen, sind sie eine Gelegenheit, sie an Orte zu bringen, wo Deutsch die Alltagssprache ist, sodass sie außerhalb der Schule die Immersion erleben können, die das ganze Jahr über so schwer zu erreichen ist. Ich persönlich erinnere mich aus meiner Teenagerzeit am intensivsten an die Ferien, die ich bei Verwandten in der DDR verbrachte und die mich zwangen, Deutsch zu sprechen, das zu meiner Zeit weder in der Schule noch in der Öffentlichkeit präsent war. Ich erinnere mich an das Gemeinschaftsgefühl, das es mir dort mit Fremden vermittelte, die ich auf der Straße traf, und … an das Gefühl der Zugehörigkeit. Mein Rat wäre, dies, neben Italien oder Spanien, für Ihren Urlaub zu berücksichtigen.

 

Bernard Gaida

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