Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Die Geheimnisse der Kerpener Hotzenplotz

An einem sonnigen Tag bin ich auf dem Weg nach Kerpen – einem Dorf in der Nähe von Oberglogau. Die Straße führt an grünen Feldern und Feldblumen vorbei. Als ich ankomme, werde ich von einer Tafel begrüßt, auf der Silhouetten von Gänsen zu sehen sind. Aus irgendeinem Grund ist die Gans charakteristisch für diese Ortschaft.

Kerpen wird auch als „Pilantów“ bezeichnet. Es bezieht sich auf das Wort „Pilki“, das in der Mundart „kleine Gänse“ bedeutet. Alles ist mir bekannt, die Straßen, der Laden, der schon seit ein paar Jahren geschlossen steht, die Häuser und die Mariä-Geburt-Kirche. Und das nicht ohne Grund, denn hier liegen meine Familienwurzeln liegen und hierher komme ich immer wieder zurück. Aber eines will ich noch genauer wissen. Deshalb stehe ich am Ufer des Flussarms der Hotzenplotz, die durch die Mitte der Ortschaft fließt. Meinen Blick lenke ich tief in den Fluss, wo seine Geheimnisse verborgen sind. Dabei stelle ich mir die Frage: Wer ist der Wassermann aus Kerpen?

Dem Wassermann aus Kerpen ist es gelungen, in die Sagenwelt des Oberglogauer Landes aufgenommen zu werden.

Aus den Legenden geht hervor, dass er in vielen verschiedenen Gestalten erschienen ist. Mal als Jäger, der eine junge Frau ins Wasser zog, dann als spazierender Graf und sogar auch als ein schwarzer Pudel. Zwei junge Männer sollen ihn als eine schwarze, riesige, menschenähnliche Gestalt gesehen haben. Er zeigte sich den Bewohnern am Tag, wie auch in den Nachtstunden. Jahr für Jahr forderte er Opfer, unabhängig vom Alter. In seine Hände fielen Erwachsene, die auf dem Rückweg vom Wirtshaus oder vom Tanz waren. Aber am liebsten lockte er Kinder, indem er ihnen sein Reich zeigte. Die malerische blaue Wiese, mit schönen Perlen und anderen Edelsteinen, wie auch die Krone des Wasserkönigs und der Königin. Das Ziel war es, den Kindern ihre Seele zu nehmen. Wie man auch aus den Sagen erfahren kann, zeichnete Rücksichtslosigkeit den Wassermann aus. Auf einer tiefgelegenen Wiese war ein schöner Platz zum Sitzen. Auf einmal war das Gras niedergetreten. Dem Bauer, dem es gehörte, wurde klar, dass hinter der Tat der Wassermann steckte.  Deswegen beschloss er, den Lieblingsplatz der Kreatur zu zerstören. Der Wassergeist nahm Rahe und erschwerte die Arbeit auf der Weide. Einem gewissen Fleischer gegenüber erwies er sich jedoch noch grausamer. Jede Woche erschien der Wassermann als feiner Herr beim Metzger, um Fleisch zu kaufen. Eines Tages erkannte der Fleischhauer, wer in Wahrheit vor ihm steht und schlug dem Fremden mit einer Axt die Hand ab. Später fanden die Nachbarn den Metzger tot mit dem Kopf in einer Wasserpfütze liegend. Nicht alle Bewohner wurden Opfer oder durch den Wassermann betrogen. Einen Fischer wollte er am frühen Morgen vom Gottesdienst abhalten. Doch der Kerpener erkannte seine Absicht und verdrängte die Gestalt mit dem Kreuzzeichen. Ein Bauer namens Felka traf an einem Sommerabend auf seinem Heimweg den Wassermann und es entstand ein Ringkampf zwischen ihnen. Der Mann erwies sich stärker und sein Gegner lag unter der Brücke. Wütend schrie der Wassermann noch, dass das Skapulier den Landwirt gerettet hat.

Kerpen ist für seinen Wassermann bekannt.
Foto: Natalia Adamczyk

Den Wassermann aus Kerpen ist es gelungen, in die Sagenwelt des Oberglogauer Landes zu kommen. Er hat das Leben der Kerpener schwer gemacht und immer wieder etwas gegen sie vorgenommen. Aber jetzt ist er im Ruhestand – und es ist auch besser so. Vielleicht wäre es von Zeit zu Zeit gut, den Kindern und Jugendlichen von diesen Geschichten zu erzählen, sonst gerät der Wassermann völlig in Vergessenheit. Und wenn es so weit kommt, dann ist es wahrscheinlich, dass er wieder an sich gemahnt.

 

Natalia Adamczyk


Im Rahmen der Reihe “Studierende schreiben über Schlesien” publizieren wir Texte der Studentinnen und Studenten der Oppelner Germanistik, die im Rahmen des Faches “schlesienbezogene Forschung” mit Dr. Monika Czok geschrieben werden.

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