Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, December 7, 2022

Die zwei Spitzen des Burgbergs (Teil II)

Vor einer Woche starteten wir unsere Wanderung aus Jägerndorf (Krnov) durch die Hügel des Niederen Gesenkes. Nun setzen wir den Spaziergang durch diese interessante Region fort.

 

Die im Jahre 1913 eröffnete Hans-Kudlich-Warte ist seit 19 Jahren wieder zu besichtigen.

Von der Liechtensteinwarte aus besteigen wir den eigentlichen Gipfel des Burgbergs. In wenigen Minuten sind wir am auf 441 Metern gelegenen imposanten Gotteshaus, auf das wir schon beim Treppensteigen einen Blick geworfen haben.

 

Von Spitze zu Spitze
Die barocke Wallfahrtskirche der Heiligen Mutter Gottes im Schmerz wurde in den Jahren 1722-1728 gebaut, woran deutsche Künstler aus Schlesien und Mähren maßgeblich beteiligt waren. Die Innenausstattung und die Altäre entwarf Franz Eckstein aus Brünn (Brno), angefertigt wurden sie unter anderem durch Johannes Lehner und Hans Michael Hübner. Die Pilgertradition auf dem Burgberg geht jedoch noch weitere Jahrhunderte zurück. Bereits im 13. Jahrhundert befand sich hier eine Marienfigur auf einer Holzsäule, ab 1635 ein Holzkreuz und ab 1684 eine Holzkapelle. Bei der Kirche ist ein Parkplatz, wer also nur Lust hat, das Gotteshaus und den Aussichtsturm zu besuchen, kann mit dem Auto bis ganz nach oben kommen.
Wir setzen unsere Wanderung fort. Der grüne Wanderweg führt uns zuerst in den Wald und dann etwas herunter auf einen flachen Pass, wohin fast die Gebäude der Stadt Jägerndorf hinaufreichen. Danach geht es wieder kurz hoch. Auf diese Weise erreichen wir in etwa 30 Minuten den 423 Meter hohen Südgipfel des Burgbergs.

 

Spaziergang nach Lobenstein
Auf dieser Spitze wurde bereits im 13. Jahrhundert die Schellenburg errichtet. Über 300 Jahre lang war sie das Machtzentrum der Gegend um Jägerndorf, bis dann zwei Ereignisse ihre Führungsrolle beendeten. Zuerst wurde sie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch die Armee des ungarischen Königs Matthias Corvinus schwer beschädigt. Als in den Jahren 1531-1535 Georg Hohenzollern ein Schloss an der Stadt baute, wurde die Schellenburg endgültig verlassen. Heute sind nur noch Ruinen übrig, die trotzdem einen großen Eindruck machen. Reste der Mauern und des Turms lassen es uns ziemlich genau vorstellen, wie die Burg vor 700 Jahren aussah.
Von hier aus geht es zunächst fast 100 Meter nach unten, dann spazieren wir über eine Stunde lang gemütlich durch die Wälder des Niederen Gesenkes. Danach führt uns der grüne Wanderweg auf einen 400 Meter hohen Hügel über dem Dorf Lobenstein (Uvalno). Es ist der letzte und gleichzeitig der schwerste Anstieg des Tages – innerhalb von 15 Minuten klettern wir fast 100 Meter nach oben. Hier erwartet uns der nächste Aussichtsturm – die Hans-Kudlich-Warte.
Der Turm erinnert an den österreichischen Arzt und Politiker, der als „Bauernbefreier“ in die Geschichte einging. 1913 eröffnet, war der Turm nach dem Zweiten Weltkrieg verfallen und vom Abriss bedroht. Nach einer Sanierung im Jahr 2000 dient er wieder den Touristen. Von der Aussichtsplattform erstreckt sich ein Panorama des Niederen Gesenkes mit den zwei Spitzen des Burgbergs, sowie des Altvatergebirges und des Oppagebirges.
Von hier gibt es zwei Wege zurück. Wer möchte, kann den blauen Wanderweg nehmen. In etwa 10 Minuten ist man dann am Bahnhof in Lobenstein und kann mit dem Zug nach Jägerndorf zurückkehren. Wer noch nicht genug vom Wandern hat, kann den grünen Zeichen zurückfolgen. Wir empfehlen jedoch, den Burgberg nicht ein zweites Mal zu besteigen, sondern kurz vor dem Anstieg links abzubiegen und auf dem Fahrradweg 6166 zu wandern. Dieser wird uns über Felder nach Jägerndorf führen. Dabei können wir uns an Panoramen der Umgebung erfreuen und uns den Burgberg aus einer anderen Perspektive ansehen.

 

 

Łukasz Malkusz

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