Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, May 28, 2022

Ein symbolisches Grab des Vaters

In den Monaten, nachdem die Front des Zweiten Weltkriegs über Schlesien gefegt war, wurde die einheimische Bevölkerung Opfer vieler Verbrechen der Roten Armee. Dazu zählt auch die Deportation tausender Menschen zur Zwangsarbeit in die Weiten der Sowjetunion. Seit letztem Sonntag erinnert ein Denkmal im Wald von Kossorowitz an die Verschleppung von 22 Einwohnern der Gemeinde Tarnau.

 

Das Denkmal, auf dem die Namen der Deportierten zu lesen sind, steht an einer Kreuzung im Wald zwischen Kossorowitz und Oppeln-Malino. Es ist ein Teil der Oppelner Strecke des Jakobswegs und bei Fahrradfahrern und Joggern sehr beliebt, sodass man es relativ leicht findet. Der Standort wurde nicht zufällig gewählt, denn unweit von da nahm das Unglück der 22 Bewohner der heutigen Gemeinde Tarnau im Februar 1945 seinen Lauf.

 

Josef Waletzko am symbolischen Grab seines Vaters und weitere Opfer der Nachkriegsdeportation in die Sowjetunion
Foto: Rudolf Urban

 

Einfach verschwunden

Der letzte Zeitzeuge, der die Geschichte der Männer erzählen kann, ist Josef Waletzko aus Kossorowitz. Sein Vater Alexius Waletzko war einer derjenigen, die nie mehr aus Russland zurückkehren sollten. „Ihre Aufgabe hier im Wald war es, die Gleise von Oppeln nach Groß Strehlitz zu verbreitern, damit die russischen Züge durchfahren konnten. Eines Tages wurde die Gruppe von einer NKWD-Patrouille für Partisanen gehalten, verhaftet und schließlich nach Kreuzburg gebracht. Von dort aus ging es in einem Viehwaggon nach Krzywy Róg in der Ukraine“, erzählt Josef Waletzko. Bis heute erinnert er sich an diesen schwarzen Tag, an dem er seinen Vater ein Stück weit zur Arbeit bei den Gleisen begleitet hatte, wie sonst auch, nicht ahnend aber, dass es seine letzten Momente mit dem Vater sein sollten.

In der Ukraine angekommen, mussten die oberschlesischen Zwangsarbeiter beim Wiederaufbau der Region oder bei Waldarbeiten schuften. Gleichzeitig mussten die Familien zuhause ohne ihre Männer auskommen.

 

„Als Zwölfjähriger war ich auf einmal verantwortlich für eine Landwirtschaft von 15 ha, die aber wegen des Sandbodens hier nur mäßigen Ertrag brachte. Nicht selten haben wir mit unserer Mutter geweint, doch es musste irgendwie weitergehen“,

 

sagt Josef Waletzko.

Monate später kam die Gewissheit: Alexius Waletzko kommt nie wieder nach Hause. Er starb in Krzywy Róg im Juni 1945. „Das wissen wir, weil ein gewisser Fikus, der mit meinem Vater in der Sowjetunion gewesen ist, uns eines Tages besuchte. Mein Vater hatte ihm nämlich aufgetragen, sollte er das Glück haben, nach Hause zu kommen, möge er die Familie grüßen. Der Herr Fikus hat es getan und so wissen wir, was mit unserem Vater geschehen ist“, sagt Josef Waletzko.

 

Nach der Enthüllung gab es Zeit für Gespräche. V.l.: Josef Waletzko, Gemeindevorsteher von Tarnau Krzysztof Mutz und der sächsische Beauftragte für Vertriebene und Aussiedler Jens Baumann.
Foto: Rudolf Urban

 

Gedenken

Neben Alexius Waletzko kamen weitere acht Männer von den 22 auf dem Denkmal aufgelisteten nicht wieder zurück. Die anderen, die ihre Heimat und die Familie wiedersehen konnten, waren aber fürs Leben gezeichnet. Ihnen allen ist das Denkmal gewidmet. „Herr Waletzko war es seit Jahren ein großes Anliegen, der Opfer der Deportation zu gedenken. Nach einem Gespräch mit ihm habe ich mich entschieden, alles zu tun, damit sein Wunsch Realität wird“, sagt Krzysztof Mutz, Gemeindevorsteher von Tarnau. Dafür sollten aber keine Steuermittel ausgegeben werden, das Denkmal sollte aus Spenden entstehen. „Ich freue mich deshalb sehr, dass Firmen, die bei uns ansässig sind, sowie Privatpersonen zur Entstehung des Denkmals beigetragen haben. Heute kann ich alle einladen, bei Gelegenheit den Ort aufzusuchen, um den Kindern und Enkeln von diesen tragischen Ereignissen zu erzählen, denn damit kann man am besten zeigen, was Krieg bedeutet“, betont Krzysztof Mutz.

Unter den Sponsoren war auch der Freistaat Sachsen, den der dortige Beauftragte für Vertriebene und Aussiedler, Dr. Jens Baumann, bei der Einweihung vertreten hat.

 

„Am Ende ist jedes Opfer immer eines zu viel. Deshalb haben wir uns entschieden, dieses Denkmal mitzufördern. Ein ähnliches Gedenken an NKWD-Opfer unterstützten wir auch schon in Tost und ich meine, Namen, wie sie hier auf dem Denkmal zu sehen sind, bewahren die Erinnerung am besten“,

 

sagt Dr. Jens Baumann.

Auch für Josef Waletzko sind die Namen wichtig: „Ich freue mich sehr, dass dieses Denkmal endlich steht. Damit habe ich jetzt zumindest ein symbolisches Grab für meinen Vater – und das Schicksal all dieser Männer ist nun für die Zukunft bewahrt.“

 

Rudolf Urban

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