Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, December 5, 2022

Eine besondere Zeit

Ostern ist für viele in der deutschen Minderheit ein ganz besonderes Kirchenfest. Für einige ist es sogar wichtiger als Weihnachten. Leon Schwarzenberg hat sich mit drei Jugendlichen aus der Deutschen Minderheit unterhalten und versucht herauszufinden, was das Osterfest so besonders macht.

 

Kinga Kacuba aus Chróścina, 17 Jahre

Kinga, was passiert bei Euch im Dorf am Karsamstag?
Am Abend gibt es eine großes Abendmahl. Da werden die zuvor in der Kirche gesegneten Sträuße mit Fleisch, Salz, Eiern und Süßem gegessen.Es ist zugleich das Ende der Fastenzeit. Wenn die letzte Messe gesungen wurde, dann gehen wir nach Hause und essen zusammen.

 

Wie sieht Euer Ostersonntag aus?
Das ist der wichtigste Tag. Wir gehen zuerst in die Kirche. Nach der Kirche suchen wir dann Ostereier. Wir gehen alle in den Garten und suchen die Eier, die der Osterhase versteckt hat. Bei uns ist das so, dass wir das mal bei der einen Oma machen, mal bei der anderen Oma. Nach zwei Tagen kann dann keiner mehr Schokolade sehen! Sonntag ist für mich der coolste Tag: Als ich noch klein war, war der Ostersonntag immer das Highlight! Ich habe mich immer sehr gefreut, wenn einer vom anderen Ende des Gartens gerufen hat: Kinga, ich hab Dein Geschenk gefunden!

 

Und was passiert am Ostermontag?
Wenn man etwas älter ist, dann ist der Ostermontag wahrscheinlich das Highlight. Es gibt viele Bräuche. Bei uns im Dorf gibt es einen Brauch, dass die Männer zu den Frauen gehen, das Gartentor aus den Angeln heben und die Frauen so dazu bringen, aus dem Haus zu kommen. Und wenn sie dann aus dem Haus kommen – werden sie nassgespritzt. Was das Spritzen angeht, das ist immer noch aktuell. Das mit dem Gartentor aus den Angeln heben – das gab’s früher mehr.

 

Der noch junge Robert Kokott (Bildmitte) zieht mit anderen Messdienern holzklappernd durch das Dorf.
Foto: privat

 

Was bedeutet Ostern für Dich aus religiöser Sicht?
Ostern ist die Geschichte der Auferstehung Jesu. Zentrale Figur ist also Jesus. Ostern ist die Geschichte von Jesus und all dem, was er für uns getan hat. Es ist das Fest, das uns zeigt, dass er unser Messias ist.

 

Was ist die Osterzeit für Dich für ein Gefühl, wie könntest Du das beschreiben?
Man fühlt sich einfach frei, irgendwie. Man fühlt sich, als ob alles wieder gut ist. Zugleich ist Ostern eng mit der Familie verbunden. Es wird alles wärmer, es ist Frühling, es fühlt sich besser und freier an als Weihnachten. Während Weihnachten gemütlich ist, strahlt Ostern eine Freiheit aus… Ostern ist für mich mit einem befreienden Gefühl verbunden.

 

Was esst Ihr an Ostern?
Weißwurst wird ganz groß geschrieben bei uns. Weißwurst,Żurek, Eier mit Mayonnaise und Kresse und Meerrettich – solche Dinge.

 

Robert Kokott aus Königshuld, 19 Jahre

„Bedeutender als die Weihnachtszeit“

Robert, was bedeutet für Dich Ostern? Was macht es so besonders?
Für mich wesentlich ist die Familie. Sich mit der Familie zu treffen. Zu Ostern kommen alle meine Onkel und Tanten zu uns nach Polen. Wir feiern das ganz festlich. Es bedeutet viel Freude, wir suchen zusammen Eier, wir kriegen sogar normale Geschenke wie an Weihnachten… Für uns in der Familie ist das eine bedeutendere Zeit als Weihnachten.

 

Die Osterzeit ist für dich wichtiger als Weihnachten?
Ja. Weil die Osterzeit ist immer mit mehr Freude umgeben. Vor der Osterzeit gibt es ja immer die 40 Tage Fastenzeit. Durch diese 40 Tage bereiten wir uns innerlich auf die Osterfeier vor. Als Kinder haben wir immer schon drauf gewartet: Auf das Eiersuchen, auf das Wasserspritzen, auf das gemeinsame Durchs-Dorf-Ziehen mit den Holzklappern – als Kind oder auch als Jugendliche war das immer eine wichtige Zeit für uns.

 

Was passiert am Ostermontag?
Zuerst gehen wir zusammen in die Kirche. Dann bespritzen wir unsere Tanten und Cousinen mit Wasser! (lacht) Das ist eine polnische Tradition, sie heißt Śmigus-dyngus.

 

 

Oskar Zgonina aus Tarnowitz, 22 Jahre

Oskar, was verbindest Du mit Ostern?
Wenn Ostern vor der Tür steht, machen wir in meiner Familie immer bunte Eier. Wir färben die Eier mit Zwiebeln. Dann kratzen wir die Eier und verzieren sie kunstvoll. Mein Opa ist richtig begabt. Er kratzt zum Beispiel verschiedene Blumenmotive mit seinem Messer auf die Eierschalen.

 

Wie sieht der Ostermontag in Deinem Ort aus?
Am Ostermontag kann man also überall Jungs mit Wasserpistolen antreffen, die nur darauf warten, dass die Frauen und Mädels aus der Kirche kommen. Und dann werden sie sofort bespritzt. Alle jauchzen und freuen sich. Vor allem die Frauen und Mädels. Denn, wenn viele Jungs zu ihnen kommen und sie mit Wasser bespritzen, bedeutet es, dass sie bei den Männern besonders beliebt sind.

 

Was bedeutet Ostern für Dich persönlich?
Für mich ist es eine festliche, religiöse Zeit. Alle freuen sich auf das Zusammensein. Für mich ist es wichtig, dass man Ostern nicht nur mit der Familie feiert, sondern auch mit seinem Glauben und der Kirche.
Schlesien war immer tief mit dem Glauben verbunden. Und ich glaube, es ist so geblieben, dass Ostern nicht nur ein Frühlingsfest ist, sondern vor allem eben ein kirchliches Fest.
Das wichtigste Fest in der katholischen Kirche ist Ostern und deswegen wird das auch so festlich gefeiert.

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