Ruhe, Leere und fantastische Aussichten – das alles sind Merkmale des östlichen Oppagebirges. Wir laden auf eine ungestörte Wanderung durch das Massiv des Lackberges ein.
Das Tal der Goldenen Oppa bildet eine der schönsten Ecken in den Sudeten. Zwischen dem Ostteil des Oppagebirges und den Nordhängen des Altvatergebirges verborgen, ist es eine Gegend so ruhig, wie man sie heutzutage in Mitteleuropa kaum noch finden kann. Dabei ist diese magische Welt nur eine kurze Autofahrt entfernt.

Foto: Łukasz Malkusz
Einen Katzensprung entfernt
Die Anreise aus Neustadt (Prudnik) sollte etwa 35, und aus Neiße (Nysa) zirka 50 Minuten in Anspruch nehmen. Möglich ist es eigentlich nur, mit dem Auto herzukommen, dabei hilft die Straße 453, die entlang des Flusses verläuft. Theoretisch gibt es noch eine Busverbindung, diese benötigt aber eine lange Reisezeit und mehrfaches Umsteigen. Hierher kommen eigentlich nur die wenigen Einwohner, Durchreisende halten hier kaum. Trotzdem ist es im Ort Kammer (Komora) nicht einfach, einen Parkplatz zu finden. Öffentliche Gebäude gibt es keine und am Straßenrand ist wenig Platz. Wer aber ein wenig sucht, findet schon einige Stellen zwischen der Oppa und der Straße.
Offiziell ist Kammer ein Teil vom benachbarten Hillersdorf (Holčovice), das wir schon im letzten Jahr besucht hatten. Jahrelang war es ein unabhängiges Dorf. Im Jahre 1869 zählte es sogar 631 Einwohner, heute nur noch um die 60. Wie so oft fing das Aussterben des abgelegenen Tals schon vor 150 Jahren an. Der Zweite Weltkrieg und die Vertreibung der deutschen Bevölkerung haben den Prozess nur beschleunigt.
Endlose Ausblicke
Bei der Brücke über den Kammerbach sollten wir auf den blauen Wanderweg stoßen. Seine Zeichen führen uns zunächst das Bachtal hinauf. Zwischen vereinzelten Häusern sehen wir immer wieder schmale Weiden. All das sind Plätze, an denen früher auch Häuser standen. Nur einzelne Gebäude sind bewohnt. Langsam wird der Charme des Ortes auch wiedererkannt – wir passieren nämlich zwei Pensionen. Nach etwa 30 Minuten biegt der Bach links ab, wir folgen jedoch der Route geradeaus. Ein Waldstraße führt uns steil nach oben. 1,5 Stunden lang geht es durch einen teilweise abgeholzten Wald. Je höher wir klettern, desto seltener werden die Bäume. Schließlich sind wir nach zwei Stunden auf einem 833 Meter hohen Bergpass angekommen.
Die nächsten 40 Minuten sind die Belohnung für unsere Anstrengung. Es geht die 1,7 Kilometer lange Gipfelpartie des Lackberges entlang. Drei Viertel davon wurden vor einigen Jahren abgeholzt und bieten wunderschöne Aussichten in allen Richtungen. Links dominiert am Horizont das Altvatergebirge mit dem Altvater, rechts das Massiv der Bischoffskoppe, vorne der Querberg und dazwischen tiefe, malerische Täler.
Letztendlich gelangen wir an den grünen Wanderweg. Wir biegen links ab und kommen innerhalb von etwa 1,5 Stunden zurück nach Kammer. Hinter uns liegt eine 5 Stunden lange Wanderung, während der wir 17 Kilometer bewältigt haben und 506 Meter nach oben geklettert sind. Die Eindrücke sind aber diesen Aufwand auf jeden Fall wert.

