Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Engel bei der Arbeit

Die Nacht der Museen 2024 am 18. Mai eröffnete im Zentrum für Kunst „Galeria EL“ in Elbing eine ungewöhnliche Ausstellung. Junge Talente vom Lyzeum für Bildende Künste in Grunau Höhe/Gronowo Górne bei Elbing hatten während einer dreitägigen Werkstatt unter dem Titel „Engel bei der Arbeit“ Werke geschaffen, die zu diesem Anlass im Presbyterium der Galerie präsentiert wurden. Leiterin der Werkstatt war die in Elbing geborene deutsche Künstlerin Marie Luise Salden, die bis heute mit ihrer Heimatstadt und der „Galeria EL“ verbunden ist.

Großer Andrang zur Nacht der Museen in der Galeria EL; unter dem Dach sind mehrere Stockwerke Ausstellungsfläche

Das Presbyterium der „Galeria EL“ war sowohl Arbeits- als auch Ausstellungsraum für die Werkstatt „Engel bei der Arbeit“. Das Zentrum für Kunst hat seinen Sitz nämlich in der früheren Marienkirche, für die bereits im 13. Jahrhundert der Landmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Balk, den Dominikanern das Gründungsdokument ausstellte. Später war die Kirche bis 1945 die evangelische Hauptkirche von Elbing, in der auch Marie Luise Salden getauft wurde. Beim Kampf um Elbing am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche fast vollständig zerstört, die Ruine übernahmen in den 1960er Jahren die plastischen Künstler der Stadt und entwickelten daraus die „Galeria EL“.

Ein würdiger Raum für Kunst…

Bereits das Betreten des Kirchengebäudes der „Galeria EL“ nimmt einem den Atem. Ein hochstrebender zweischiffiger Kirchenraum mit schlanken Säulen, in dessen nördlichem Erdgeschoss sich die Kunstwerke beinahe verlieren. Im südlichen Schiff sind als Kontrast zum Ziegelbau der Kirche auf zwei Ebenen unter dem Dach Ausstellungsflächen in modernem Stil eingerichtet, die auch über Fahrstühle erreicht werden können. Dazu kommen noch Sakristei, Presbyterium und der an das Nordschiff angelehnte Kreuzgang, die als einzige Teile des ursprünglichen Baus 1945 die Kämpfe überstanden haben.

Galeria EL, früher die Marienkirche der Dominikaner, heute Zentrum für Kunst

Eine aktuelle Ausstellung unter dem Dach widmet sich den diesjährigen Abschlussarbeiten des Lyzeums für Bildende Kunst in Grunau Höhe. „Der Stellenwert der Künste an polnischen Schulen ist immer noch hoch“ freut sich Marie Luise Salden, „und auch die Wertschätzung von außen, die sich in der Kooperation der ‚Galeria EL‘ mit diesem Lyzeum widerspiegelt.“ Von dort kamen auch die elf Teilnehmerinnen der Werkstatt „Engel bei der Arbeit“ vom 13. bis 15. Mai. „Dadurch hatten wir relativ wenig Zeit. Wir haben jeden Tag intensiv von 10 bis 13 Uhr gearbeitet, danach mussten die Schülerinnen wieder zum Bus nach Hause“, beschreibt Marie Luise Salden die Wirkung auf die Organisation der Werkstatt.

 

Sämtliche in der Ausstellung gezeigten Werke sind während der Werkstatt entstanden.

…und würdige Kunst für den Raum

Kunst mit Blumen, zwei Lehrerinnen und drei Schülerinnen aus der Werkstatt

Sämtliche in der Ausstellung gezeigten Werke sind während dieser drei Tage entstanden. „Es war intensiv und spannend für alle. Immerhin hatten die Künstlerinnen ein neues Thema vor sich: ein Wesen, das sie für besonders schützenswert halten, mit einem Schutzengel, einem Beschützer oder Licht zu begleiten“, fasst Marie Luise Salden das Rahmenthema zusammen. Nach einer kurzen schüchternen Phase näherten sich die jungen Damen dem Thema konsequent und selbstständig: drei von ihnen präsentierten ihre Werke sogar selbstbewusst persönlich bei der Vernissage.

Lebhaftes Interesse an den Werken der Schülerinnen

Katarzyna Grudzień aus der ersten Klasse des Lyzeums und damit die jüngste Teilnehmerin nahm sich die Zeit für einen Rundgang zu ihren Werken. Tag 1: Aquarell, Thema Schutz. Ein farbenfrohes Wiesenbild zeigt einen Käfer unter einer Glasglocke, allerdings mit ernstem Unterton, so die Malerin: „Schutz ist nicht immer etwas Gutes, manchmal kann er einengen und an der Entfaltung, am Leben hindern.“ Tag 2: Kohlestift, Thema Bild der Natur. Hier hat Katarzyna Grudzień ein mehrdeutiges Bild entworfen, wie sie erklärte: „Es kann ein Baumstumpf sein, in den der Blitz einschlägt, oder einer, dem die noch nicht verstorbene Seele, seine Aura entsteigt.“ Tag 3: Tusche, Thema Verblüffendes durch Vergrößerung. Im Kontrast zu den ersten Bildern hat die junge Künstlerin hier in akkurater Großaufnahme einer Ameise etwas Bedrohliches verliehen; die auf den Betrachter weisenden Beißzangen flößen Respekt ein.

Ameise von Katarzyna Grudzień Bilder: Uwe Hahnkamp

Katarzyna Grudzień ist ein gutes Beispiel für die Intention hinter der Werkstatt von Marie Luise Salden: den jungen Menschen Raum geben für ihre Entfaltung, sie aus der Reserviertheit zum Blühen bringen. Für Marie Luise Salden und ihre Schützlinge war es eine gelungene Woche, wie die Vielfalt der Werke, der Darstellung von Schutzengeln, Licht und Elementen der sichtbaren und erahnbaren Natur zeigt. Eine Idee, die in naher Zukunft wieder aufgegriffen werden sollte.

 

Uwe Hahnkamp

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