Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Erfahrung und Klasse

Henryk Lakwa (MN) ist seit 25 Jahren Landrat von Oppeln und hat dieses Amt nach den letzten Kommunalwahlen für weitere fünf Jahre behalten. Er ist damit einer von nur 7 in über 400 Kreisen in Polen, der seit Beginn der Verwaltungsreform Landrat ist – und in der Woiwodschaft Oppeln ist er der einzige! Dies beweist das große Vertrauen, das in ihn gesetzt wird – denn er hat es nie enttäuscht und so soll es auch weiter so bleiben, wie er im Interview mit Krzysztof Świerc sagt.

  • In Polen gibt es in über 400 Landkreisen nur sieben Landräte wie Henryk Lakwa.
    Foto: L.N.

    Sie sind bei den vergangenen Kommunalwahlen unter dem Banner des Wahlkomitees Schlesische Regionalpolitiker und nicht mehr der Deutschen Minderheit angetreten. Sehen Sie die Entscheidung der Minderheit heute, im Rückblick und nach Abklingen der Emotionen, als richtig? Sollten wir auch bei den nächsten Wahlen als Schlesische Regionalpolitiker antreten?

    • Als die Entscheidung fiel, dass wir als Schlesische Regionalpolitiker zu den Kommunalwahlen gehen, war ich entsetzt! Und zwar, weil es kurz vor den Wahlen geschah und obwohl die neue Formation das Potenzial der Deutschen Minderheit hatte, war ich überzeugt, dass unsere Wähler uns nicht wiederfinden würden. Heute denke ich aber nicht mehr so. Wir haben wirklich gut abgeschnitten.
  • Das heißt?
    • Einige Gebiete haben wir nicht erfasst, aber andere haben wir dazugewonnen. Ich meine damit den Wahlkreis Falkenberg und Tillowitz, wo die Deutsche Minderheit zuvor nie ein Mandat errungen hatte – aber das ist nun Vergangenheit. Wenn ich also in fünf Jahren wieder bei den Kommunalwahlen antreten sollte, hätte ich dann die eingangs erwähnten Sorgen nicht mehr. Denn in fünf Jahren werden die Schlesischen Regionalpolitiker bereits gut bekannt sein, woran wir ja auch schon arbeiten, und ich bin überzeugt, dass sich der heutige Einsatz dann entsprechend auszahlen wird. Hinzugefügt sei, dass wir dort, wo wir bei den jüngsten Wahlen etwas schlechter abgeschnitten haben als in den vergangenen Jahren, mittlerweile wissen, wie wir es richtig machen können, denn wir wissen, wo Fehler gemacht wurden.
  • Ist es Ihrer Meinung nach ein Erfolg, 5 Mandate im Sejmik der Woiwodschaft Oppeln verteidigt zu haben?
    • Ja, und zwar ein großer Erfolg für die Schlesischen Regionalpolitiker! So sei daran erinnert, dass wir mit Bezug auf den Sejmik nicht zuletzt in allen Umfragen vor den Wahlen zum Scheitern verurteilt wurden. Unterdessen konnten fünf Mandate beibehalten werden! Das ist eine wirklich große Sache.
  • Was ist der Grund für Ihren Erfolg in all den Jahren? Es ist doch kein Zufall, dass Sie bereits zum 7. Mal zum Landrat gewählt wurden. Erfahrung, Kompetenz und Klasse?
    • Zu einem großen Teil liegt es auch an den Ergebnissen, die ich jedes Mal erhalte, wenn ich mich als Ratskandidat zur Wahl stelle. In der Regel sind es viele Stimmen und ich habe in dieser Hinsicht immer einen beträchtlichen Vorteil gegenüber dem nächsten Ratsmitglied. Aber das ist nicht der einzige Faktor, wenn es um meine Ernennung zum 7. Mal zum Landrat von Oppeln geht. Die solide Arbeit, die ich in früheren Jahren mit unserem Koalitionspartner geleistet habe, hat sich ebenfalls ausgezahlt. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass ich auch in der 7. Amtszeit weiterhin Landrat bin, obwohl ich nicht die Gruppierung vertrete, die die Wahlen im Kreis Oppeln gewonnen hat.
  • Genau, wie ist es dazu gekommen?
    • In den letzten Jahren war unser Koalitionspartner immer an unserer Seite und hat mit uns mitregiert, und seit 13 Jahren bilden die Vizelandrätin Leonarda Płoszaj (Bürgerkoalition) und ich ein sich sehr gut verstehendes Tandem. Daher wurde jetzt, da die Bürgerkoalition die Kommunalwahlen in unserem Kreis gewonnen hat, beschlossen, dass das Modell unserer Zusammenarbeit mit der Bürgerkoalition und Frau Leonarda Płoszaj, das in den vergangenen Jahren gut funktioniert hat, auch in der 7. Amtszeit fortgesetzt werden soll – mit mir als Landrat.
  • Welche der vergangenen sechs Amtszeiten als Landrat von Oppeln war Ihrer Meinung nach die schwierigste?
    • Theoretisch hätte es die erste sein müssen, als wir den Kreis von Grund auf aufbauten, aber in Wirklichkeit bereiteten uns damals die Probleme mit den Räumlichkeiten die größten Kopfschmerzen. Dafür waren die Vorschriften damals klarer als heute und wir haben sie fleißig gelernt und uns schnell Wissen angeeignet, während wir unseren Platz auf der Landkarte der Kommunalverwaltung suchten.
  • Die zweite Amtszeit hatte bereits Probleme mit sich gebracht.

 

„Die 7. Amtszeit dürfte erfolgreich sein. Wir kehren zur normalen Funktionsweise zurück.”

 

    • Oh ja. Es kam zur Schließung von Krankenhäusern und im Jahr 2004 zur Umwandlung des Krankenhauses in Malapane. Das waren schwierige Momente, denn wir mussten unpopuläre Entscheidungen treffen. Die Menschen waren überzeugt, dass wir ihnen den Zugang zu einem Arzt verwehren würden. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass das Krankenhaus in Malapane fantastisch funktionierte und der sprichwörtliche Volltreffer war! Damals wurde es jedoch anders wahrgenommen, was mir den Spitznamen „Henryk der Liquidator“ einbrachte. Das war ärgerlich, unverständlich und verletzend für mich, aber ich nahm es mit Fassung. Wie sich später herausstellte, war der Liquidator ein anständiger Mann, der etwas auflöste, damit auf den Ruinen eine neue, effiziente und sehr nützliche Einrichtung gebaut werden konnte. So sehr, dass ich später durch Polen reiste und anderen Kreisen erklärte, wie man etwas Ähnliches machen kann, was in Malapane so gut funktioniert.
  • Die dritte, vierte und fünfte Amtszeit verliefen normaler, aber die sechste erwies sich als unruhig und vermutlich als die schwierigste.
    • In der sechsten Amtszeit erlebten wir die Corona-Pandemie und Isolation, wir fürchteten um unsere Gesundheit, und während wir uns langsam davon erholten, begann die russische Aggression gegen die Ukraine und es musste sofort Hilfe organisiert werden, es gab Haushaltsumschichtungen und so weiter. Es war auch eine längere Amtszeit, die mit den beiden genannten Ereignissen am schwierigsten war.
  • Nun sind wir bei Ihrer siebten Amtszeit angelangt, die gerade erst begonnen hat. Können Sie einigermaßen vorhersagen, wie sie verlaufen wird?
    • Sie dürfte erfolgreich sein. Wir kehren zur normalen Funktionsweise zurück. Es wird Geld aus dem KPO, also von der EU, geben. Ich glaube auch, dass die Aufforderungen zur Einreichung von Anträgen klar und verständlich sein werden. Und was wird unsere Priorität sein? Wie in früheren Amtszeiten: Straßen! Und davon haben wir eine Menge, über 500 km. Gleichzeitig werden wir nach neuen Herausforderungen für die Schulen im Kreis Oppeln suchen. Die Schulen, die im Moment in gutem Zustand sind, müssen an den aktuellen Arbeitsmarkt angepasst werden. Möglicherweise müssen wir auch einige neue attraktive Bildungsgänge in den weiterführenden Schulen schaffen, was ich ebenfalls als Herausforderung für das neue Schuljahr sehe. Darüber hinaus werden wir, wenn Geld und externe Mittel zur Verfügung stehen, versuchen, unter anderem im Bereich der Sozialfürsorge wirksam zu werden.
  • Haben Sie sich vorgestellt, wie Sie den Kreis Oppeln nach der 7. Wahlperiode, im Jahr 2029, sehen möchten?
    • Als einen wunderschönen Ort auf der Landkarte der Woiwodschaft. Als einen Kreis, der die grüne Lunge der Oppelner Region besitzt, d. h. die Falkenberger Wälder und die Turawa-Seen, und der durch Radwege „zusammengebunden“ ist. Ich würde mir auch wünschen, dass wir ein wenig vom Autofahren wegkommen und uns mehr auf die Gesundheit, auf die frische Luft konzentrieren. Und einer meiner Träume ist es, mit dem Fahrrad von Turawa zum Arboretum in Lippen bei Falkenberg zu fahren, dem ältesten Arboretum in Polen.
  • Wie viele Landräte wie Sie gibt es in Polen, die seit Beginn der polnischen Verwaltungsreform an der Spitze ihres Kreises geblieben sind?
    • In der Woiwodschaft Oppeln  bin ich der einzige. Und in Polen bin ich unter mehr als 400 Kreisen einer von sieben…
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