Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, August 8, 2022

Euro gleichauf mit dem Dollar

Der Euro-Wechselkurs ist so stark gesunken wie seit Jahren nicht mehr. Er hat gerade den Kurs des Dollars erreicht. Und er könnte sogar noch tiefer fallen. Das letzte Mal, dass die europäische Währung einen Dollar wert war, war Anfang Dezember 2002. Anfang Juli dieses Jahres zog sie nach wochenlangen Rückgängen wieder mit der US-Währung gleich.


Noch vor einem Jahr wurde der Euro zu einem guten Preis von 1,18 Dollar gehandelt. Experten gingen davon aus, dass der Euro die Parität zum Dollar erreichen könnte und dass der Weg zu weiteren Rückgängen keineswegs abgeschlossen ist. Die europäische Währung war bereits um einiges billiger als die amerikanische. Am 5. Juli 2001 notierte der Euro bei 0,8380 US-Dollar.

Günstige Parität?
Es ist die Angst vor einer drohenden Rezession, die den Wert der europäischen Gemeinschaftswährung sinken lässt. Vor allem das Risiko eines Gaslieferstopps und einer wirtschaftlichen Lähmung in Deutschland und Europa beunruhigt die Finanzmärkte: „Die Lage ist noch gut, aber sie ist fragil“, sagte Ulrich Leuchtmann, Währungsexperte der Commerzbank, im Deutschlandfunk. Eine schwache Währung kann Vorteile haben! Es hilft zum Beispiel Exportunternehmen. Ihre Waren werden im Ausland billiger, wodurch der Absatz steigt: „Exporteure profitieren aber nur, solange sie ihre Waren in der Bundesrepublik oder im Euroraum produzieren und dann ins Ausland verschicken“, sagt Sonja Marten, Expertin bei der DZ-Bank, und ergänzt: „Sobald sie Zwischenprodukte von außerhalb der Europäischen Union kaufen oder solche, deren Herstellung viel Energie erfordert, lohnt es sich nicht mehr. Und insbesondere Energieprodukte werden in Dollar fakturiert. Steigende Energiepreise waren einer der Hauptgründe dafür, dass die Außenhandelsbilanz Deutschlands im Juni zum ersten Mal seit vielen Jahren negativ war. Das heißt, es wurde mehr Öl und Gas importiert als exportiert.“

Der Euro-Wechselkurs ist auf Talfahrt. Er ist bereits mit dem Kurs des Dollars gleichgezogen.
Foto: GreenZeb

Inflationsdruck auf den Euro
Auch die hohen Importpreise, insbesondere für Energie, heizen die Inflation an. Die Europäische Zentralbank will diesem Trend mit geplanten Zinserhöhungen entgegenwirken. Die EZB will dies jedoch nicht zu schnell tun, um die Wirtschaft nicht zu ersticken: „Sie kann zunächst versuchen, verbal zu intervenieren“, meint Sonja Marten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dies nur Spekulanten anlockt, die den Euro-Kurs innerhalb weniger Tage wieder nach unten drücken könnten. Der Wertverlust der letzten Tage ist aber schon bemerkenswert: „Das zeigt die Nervosität der Märkte“, sagt Sonja Marten. Sie schließt daher eine Parität oder eine kurzfristige Bewertung auch unterhalb dieses Niveaus nicht aus. Dass der Euro gegenüber dem Dollar so schwach ist, hat auch immer mit der Bewertung der US-Währung zu tun: „Die US-Notenbank Fed gibt wieder einmal das Tempo vor“, erklärt der ehemalige Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Die Fed geht gegen die Inflation vor und hat bereits damit begonnen, die Zinssätze anzuheben: „Dies hat zeitweise große Ängste auf dem Aktienmarkt geschürt, da man eine Rezession in den USA befürchtete“, so Sonja Marten. Sollte die US-Wirtschaft zusammenbrechen, würde eine Rezession auch Europa treffen.

Euro unterbewertet
Unterdessen erwarten die Finanzmärkte, dass die US-Notenbank etwas vorsichtiger agiert, so Michael Heise, der jetzt Chefökonom bei HQ Trust ist. Sollte die Europäische Zentralbank im Juli tatsächlich den ersten Zinsschritt machen und dann weitere Schritte folgen lassen, die vielleicht sogar mutiger sind als bisher angenommen, könnte dies seiner Meinung nach dem Wechselkurs der europäischen Währung wieder helfen. Der Euro könnte dann wieder bei 1,10 USD oder noch höher gehandelt werden. Er ist der Meinung, dass die Kaufkraft des Dollars überbewertet ist! Die Märkte sind auch wegen der Unsicherheit bei der Gasversorgung nervös. Wenn das Gas aus Russland weiter fließt, dürfte dies den Euro stützen, hofft Analyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank und kommt zu dem Schluss: „Auf jeden Fall ist ein so niedriger Euro-Kurs nicht gerechtfertigt.“

Johann Engel

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