Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, June 30, 2022

Fronleichnam riecht nach Holunder

Heute können Sie in den Gemeinden Ujest und Leschnitz kunstvolle Blumenteppiche bewundern, die wie jedes Jahr anlässlich des Fronleichnamsfestes hergestellt werden. Vor einigen Monaten wurden die Blumenteppiche offiziell in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Dieser Brauch wird in Schlesien seit über 150 Jahren gepflegt.

 

Einige Familien arrangieren seit mehreren Generationen Blumenteppiche vor Fronleichnam in Schlesien. Wo traditionell kunstvolle Blumenmosaiken arrangiert werden, beginnen die Bewohner schon vor Sonnenaufgang mit der Arbeit. Die Blumenteppiche verbinden die vier Altäre miteinander, die üblicherweise für die Fronleichnamsprozession aufgestellt werden. Oft bestehen religiöse Symbole aus Blumen, wie zum Beispiel: Hostie, Taube, Kelch oder Kreuz.

 

Die Blumenteppiche werden meistens seit den frühen Morgenstunden erstellt.
Foto: Błażej Duk

 

Tradition im Objektiv

Błażej Duk aus Salesche dokumentiert mit seiner Kamera seit vielen Jahren den Brauch, Blumenteppiche zu arrangieren. Schon früher aber war er selbst an ihrer Entstehung beteiligt.

 

„Meine Großeltern, Elżbieta und Antoni Mróz, lebten in Salesche neben dem Pfarrhaus und der Kirche und als Kind half ich ihnen, zusammen mit dem Rest der Familie, Teppiche zu legen. Ich erinnere mich, früh aufgestanden zu sein. Am Fronleichnamstag mussten wir zwischen 4 und 5 Uhr morgens aufstehen, um Blumenteppiche vorzubereiten. Ich erinnere mich auch an Reisen mit meinen Eltern, um Blumen auf Feldern und Wiesen zu suchen. Bis heute verbinde ich das Fronleichnamsfest mit dem Duft von Holunderbeere, weil es die am häufigsten verwendete Wildblume zum Dekorieren von Teppichen ist“,

 

sagt Błażej Duk. Mit 16 Jahren erstellte er eine Website seines Heimatortes, kaufte sich seine erste Kamera und begann, den bäuerlichen Alltag und die Bräuche zu dokumentieren. Einschließlich des Arrangierens von Blumenteppichen. „Im Jahr 2019 kontaktierte mich Frau Joanna Banik vom Nationalen Denkmalinstitut in Oppeln, damit wir zusammen mit den Nachbarorten Klutschau, Olschowa und Kaltwasser einen Antrag auf Eintragung dieser Tradition in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes vorbereiten. Nach der Eintragung in die nationale Liste im März 2020 bestand die Chance auf die Eintragung in die UNESCO-Liste“, erinnert sich Błażej Duk. Er gehört zur Gruppe von Menschen, die Informationen über die Tradition des Blumenteppichlegens sammelten, um einen Antrag bei der UNESCO einzureichen. Eine positive Entscheidung wurde am 16. Dezember 2021 getroffen. Derzeit arbeitet Błażej Duk an einer Website, die sich ausschließlich den Blumenteppichen widmet. Die wunderbaren Fotos der Teppiche kann man bereits auf der Website www.goraswanny.pl und auf dem Facebook-Profil „Góra św. Anny – wspaniały zakątek Górnego Śląska” sehen.

 

Die Blumenteppiche verbinden die einzelnen Altäre während der Prozession.
Foto: Błażej Duk

 

Workshops, Ausstellung, Wettbewerb

Seit Mai werden in den Regionen, in denen vor Fronleichnam Blumenteppiche ausgelegt werden, ethnografische Untersuchungen durchgeführt. Sechs Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Katarzyna Smyk vom Institut für Kulturwissenschaften der Marie-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin interviewte die Einwohner von Salesche, Kaltwasser, Klutschau und Olschowa, die diese Tradition seit Jahren pflegen. Im Rahmen des Projekts „Tradition der Blumenteppiche in der Region Oppeln – Identifizierung, Schutzplan und Traditionsstärkung“ werden auch Workshops, eine Fotoausstellung, ein Wettbewerb für Konditoren, eine Tour entlang der Route der Blumenteppiche und ein Gesellschaftsarchiv erstellt. Es ist auch geplant, öffentliche Konsultationen zu dem Plan zum Schutz dieser Tradition durchzuführen. Die dafür benötigten Projektgelder von 165.000 PLN, wurden von den Gemeinden Leschnitz und Ujest aus Mitteln des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe erworben.

Anna Durecka

 

 

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