Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, June 30, 2022

Für den Frieden

Die diesjährige Minderheitenwallfahrt auf dem St. Annaberg am Pfingstsonntag stand im Zeichen des Friedens – natürlich mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. Die Friedensbotschaft brachte Kardinal Kurt Koch direkt aus dem Vatikan mit ins Schlesierland.

 

Es ist ein Sommertag, wie er schöner kaum sein kann an diesem ersten Junisonntag, dem Pfingstsonntag. Als sich in den späten Morgenstunden die Wärme wohlig über den St. Annaberg legt, strömen die ersten Besucher von nah und fern zur Grotte der Heiligen Anna. Viele haben einen kleinen Hocker und Proviant dabei und sichern sich einen guten Platz im kühlen Schatten der Bäume. Eine Idylle, eine spirituelle Idylle, wie man sie selten erlebt – und doch umgibt sie eine bedrückende Ernsthaftigkeit. Nicht ohne Grund heißt die Botschaft in diesem Jahr: Der Friede sei mit euch! Russlands Angriff auf Polens Nachbarland macht die Menschen in aller Welt fassungslos – umso wichtiger wohl für viele, dass in diesen unruhigen Zeiten gerade ein Geistlicher aus dem Vatikan die Messe zelebriert und ihnen damit besonderen Halt und Kraft gibt.

Der gebürtige Schweizer Kardinal Kurt Koch mahnt in seiner Predigt, dass der Friede das wichtigste Gut im Leben des Menschen sei.

 

„In jeder heiligen Messe, die ich jetzt feiere, ist der Frieden für die Ukraine präsent. Denn dieses schreckliche Gemetzel können wir nur immer wieder vor Gott tragen. Und wir hoffen, dass der Frieden auch bald wieder in die Ukraine einkehrt“,

 

sagt Kardinal Koch.

 

Schlesier aus Deutschland

Zur Wallfahrt auf den Schicksalsberg der Schlesier sind zahlreiche Pilger auch aus der Bundesrepublik angereist, unter ihnen viele Aussiedler, so wie die Landsmannschaft der Oberschlesier aus München. Josef Fürguth lebt seit mittlerweile 40 Jahren in der bayrischen Hauptstadt und doch zieht es ihn immer wieder in die alte Heimat. „Für Schlesien schlägt mein Herz“, sagt der gebürtige Deschowitzer. Auch die Eheleute Maria und Waldemar Pilot haben die lange Anfahrt aus Bayern auf sich genommen, um als gebürtige Beuthener die Oberschlesier aus Nürnberg zu vertreten. Herausgeputzt für diesen besonderen Anlass, trägt Waldemar Pilot Bergmannsuniform. „Unsere Väter waren Bergmänner. Ich bin sehr stolz, heute diese Uniform zu tragen“, sagt er. Ehefrau Maria ist in alter Rosenberger Tracht gekleidet, die sie schon als Mädchen anhatte und sie ist überglücklich.

 

Die Eheleute Maria und Waldemar Pilot sind aus Nürnberg angereist. Beide stammen aus Beuthen.
Foto: Marie Baumgarten

 

Die Wallfahrt der nationalen und ethnischen Minderheiten vereint die Menschen aus Schlesien, die Deutschen wie die schlesisch fühlenden. So wendet sich auch Oppelns Bischof Andrzej Czaja, der die Messe leitet, in deutscher und polnischer Sprache, aber auch im schlesischen Dialekt an die Versammelten. Immer mit dabei, wenngleich als Minderheit unter den Minderheiten, die Roma – und das von Anfang an, seit nunmehr 27 Jahren. Als ein Volk, das in der Geschichte besonders unter politischer Verfolgung gelitten hat, wisse man nur allzu gut, was es bedeute, nicht in Frieden und Sicherheit zu leben, erinnert der Roma-Vorsitzende Jan Korzeniowski.

 

Ehrungen

Der Friede sei mit euch – unter diesem Motto feierte zugleich die Opplener Diözese ihr 50-jähriges Bestehen. Außerdem sind diplomatische und politische Vertreter der deutschen Minderheit sowie der Roma mit Dankesurkunden für ihren Einsatz um die Kulturvielfalt in Schlesien geehrt worden, darunter der kürzlich aus dem Amt geschiedene Chef des Dachverbandes der Deutschen in Polen, Bernard Gaida.

 

Viele Pilger kamen in Bergamnnsuniform oder Tracht. Organisationen kamen mit Fahnenabordnungen.
Foto: Marie Baumgarten

 

Krönender Abschluss ist in jedem Jahr das Marsch-Potpourri mit Motiven aus schlesischen Liedern, bearbeitet von Siegfried Schatton, dem langjährigen Kapellmeister des Oberschlesischen Blasorchesters Ratingen. Und es sei angemerkt, dass „krönender Abschluss“ hier keine Phrase ist, mit der das Ende der Geschichte ein wenig unbeholfen eingeleitet werden soll. Das Werk ist Schattons persönlicher Gruß an seine geliebte Heimat Oberschlesien und den St. Annaberg – dirigiert unter der Leitung Hubert Prochotas von der Chopin-Musikschule in Oppeln, einem großen Freund der deutsch-polnischen Begegnungen – und inbrünstig stimmen die noch verbliebenen Besucher ein und singen zur Musik der Blaskappelle die Texte des Oberschlesienliedes, des Schlesierliedes und des Steigerliedes. So Gott will, wird es im nächsten Jahr wieder so sein. Und so Gott will, kehrt der Friede ein.

Marie Baumgarten

 

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