Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, November 28, 2022

Für Mitbürger, Freunde und Verwandte

Heute gehören sie vielerorts einfach dazu – die Denkmäler für die Opfer des Ersten und/oder Zweiten Weltkrieges. Doch vor 30 Jahren waren deren Restaurierung oder der Bau neuer Mahnmale der Grund für einen langandauernden Streit in der Oppelner Region.

 

Es gibt wohl keine oberschlesische Familie, die keine Kriegsopfer zu beklagen hätte. Ob es nun die Väter, Opas oder Onkel waren, die als Wehrmachtssoldaten an den Fronten des Zweiten Weltkrieges gefallen sind oder die Daheimgebliebenen, die Opfer der einmarschierenden Roten Armee oder der späteren polnischen kommunistischen Verwaltung wurden.

Über viele Jahre hinweg konnten die Familien deren Tod nicht öffentlich beklagen. Erst mit dem Ende der Volksrepublik Polen und der Gründung der Organisation der deutschen Minderheit wurde dies nachgeholt, was allerdings eine lange Zeit zu Konflikten in der Gesellschaft führte.

 

Noch vor der Wende

 

Das denkmal in HImmelwitz wurde am 21. August 1992 enthüllt.
Foto: Rudolf Urban

 

Im Jahr 1992 wurden die ersten Denkmäler gebaut oder restauriert, obwohl die Idee dazu oft schon lange vor dem Fall des Kommunismus im Geheimen diskutiert wurde. So war es z. B. im Fall von Himmelwitz. „Das war noch lange vor der Gründung des DFKs, und zwar schon 1980. Wir haben uns mit mehreren Personen zusammengesetzt und wollten das alte Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wiederaufbauen. Damals haben wir uns getraut, weil zur gleichen Zeit in Polen die Solidarność legalisiert wurde und als ich dann beim Gemeindevorsteher (naczelnik gminy) war, hat er einem Wiederaufbau zugestimmt. Doch dann kam der Kriegszustand und derselbe Beamte wollte auf einmal von einem Gedenken an deutsche Soldaten nichts wissen. Für die nächsten Jahre mussten wir also die Initiative an den Nagel hängen. Erst 1989 sind wir wieder darauf zurückgekommen und haben mit den ersten Planungen begonnen“, erinnert sich Richard Urban.

Dabei sollte sowohl das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges restauriert als auch ein neues daneben gebaut werden, das 400 Einwohnern der Pfarrgemeinde Himmelwitz gedenkt. Die Bauarbeiten gingen zügig voran, auch weil Sponsoren aus dem In- und Ausland nicht fehlten. Gleichzeitig mussten sich die Initiatoren, also der Himmelwitzer Deutsche Freundschaftskreis, auf einen Spießrutenlauf bei den Behörden einstellen. Am 21. August vor 30 Jahren wurde es dann schließlich offiziell eingeweiht.

Dieser Tag bedeutete aber nicht, dass Kontrollen und Änderungsforderungen ein Ende hatten. „Was uns aber bei den Kontrollen geholfen hat, war meine Idee, auf dem Denkmal ein schlichtes Birkenkreuz anzubringen, wie es die gefallenen Soldaten im Osten bekommen haben. Ein Eisernes Kreuz wäre für unsere Gegner ein Argument zu sagen, wir glorifizierten die Nazis, was ja nicht unser Anliegen war. Wir wollten unserer Mitbürger, Freunde und Verwandten gedenken, die im Krieg als Soldaten gefallen sind oder 1945 als Zivilisten beim Einmarsch der Rotarmisten ermordet wurden“, sagt Richard Urban.

 

Denkmalkommission

 

Das Denkmal in Groß Döbern gedenkt sowohl der Opfer des Ersten als auch Zweiten Weltkrieges.
Foto: Anna Durecka

 

Auch die Initiatoren von Denkmalbauten in anderen Ortschaften mussten mit Kontrollen rechnen, vor allem in den Jahren nach 1992, denn nach den ersten Einweihungen entbrannte ein jahrelanger Konflikt um die Mahnmale. Grund dafür waren die verwendeten Symbole (u. a. Helme, Eiserne Kreuze) und die Wortwahl (Helden, Gefallene), die die polnische Seite als Verherrlichung des Naziregimes kritisierte. Bereits im November 1992 wurde daher beim Oppelner Woiwoden eine Arbeitsgruppe eingerichtet, deren Aufgabe es war, eben solche strittigen Mahnmale zu begutachten und ggf. Empfehlungen auszusprechen, wie die Symbole oder Texte verändert werden sollten.

In den ersten Jahren wurden über 40 solcher sanierten oder neuerbauten Denkmäler kontrolliert wobei in den meisten Fällen, in denen Änderungen empfohlen wurden, diese auch von den Initiatoren vorgenommen wurden. Die Mahnmale blieben aber trotzdem einem Teil der Gesellschaft ein Dorn im Auge. So wurde bereits im Oktober 1992 das Denkmal in Kupp mit Farbe beschmiert, in den Folgejahren wurden dann Feuer gelegt, u. a. an Mahnmalen in Proskau, Wiegschütz, Kujau und Groß Stein.

Erst Ende der 1990er Jahre beruhigte sich die Lage, die Bewohner – auch wenn sie den Denkmälern kritisch gegenüberstanden – hatten sich weitgehend mit ihnen arrangiert und die aus der Arbeitsgruppe beim Woiwoden entstandene Denkmal-Kommission arbeitete weiter unter einem geringeren medialen und öffentlichen Druck. Der Konflikt um die Denkmäler wurde schließlich mit dem Ende der Tätigkeit dieser Kommission im Jahr 2004 für beendet erklärt.

 

Totalitarismus

 

Kontrovers wurde anfangs die Militärsymbolik des Denkmals in Oppeln-Goslawitz diskutiert. Foto: Katarzyna Urban

 

In den Folgejahren wurde die Militärsymbolik auf Denkmälern, auch auf denen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, nur noch selten öffentlich diskutiert. Ein Dauerstreitthema dabei aber blieb das Denkmal für die gefallenen Soldaten aus Goslawitz, heute ein Stadtteil von Oppeln. Das auf Bestreben des dortigen DFKs und mit Genehmigung des Stadtrates wiederaufgestellte Denkmal war sogar Gegenstand von Ermittlungen der Oppelner Staatsanwaltschaft, die den Stadtrat dazu aufgefordert hatte, das Denkmal abzubauen. Bislang steht es weiterhin an seiner Stelle.

Ähnlich sieht es auch mit anderen Mahnmalen aus, obwohl im Jahr 2017 noch einmal die Angst in den Reihen der deutschen Minderheit aufkam, dass sie alle womöglich entfernt werden müssten. Damals hatte nämlich der Senat eine Novelle des Gesetzes über das Verbot der Verbreitung von Kommunismus und anderer totalitärer Systeme auf den Weg gebracht. Die Senatoren fügten dem Gesetzestext zusätzliche Definitionen bei, die im Grunde jede Art von Denkmälern, Mahnmalen und Gedenktafeln als illegal erscheinen lässt, wenn diese nur im Entferntesten von jemanden als antipolnisch, militaristisch und ein totalitäres System verherrlichendes Symbol betrachtet werden. Wissenschaftler kritisierten diese Definitionen damals heftig und auch Vertreter der Regierungspartei äußerten sich zurückhaltend. Schließlich wurde diese Änderung vom Sejm abgewiesen.

Die Denkmäler, die noch zu Beginn der 90er Jahre ein hohes Konfliktpotenzial bargen, sind heute für die Mehrheit der Gesellschaft kein Grund für einen erneuten Streit.

Rudolf Urban

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