Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Heiliger Florian spaltet

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Die Bewohner von Sabine (Sowin), Pfarrgemeinde Psychod (Przechód), kümmern sich um ihre Filialkirche – die ursprünglich ein Tanzsaal und später ein Möbelhaus war – so gut es geht.

Die Außenfassade wurde erneuert, das Dach bekam eine rote Farbe und vor rund zehn Jahren wurden die Fenster ausgewechselt. Für eines der Fenster wurde kurz darauf von einer kleinen Gruppe von Gläubigen eine Glasmalerei gestiftet. Diese stellt den Heiligen Florian, den Schutzheiligen der Filialkirche dar. In seiner rechten Hand hält der Heilige einen Wasserbehälter, den er über ein Feuer neben seinen Füßen ausgießt. In seiner linken Hand befindet sich eine Flagge in den Farben Weiß und Rot. Den alteingesessenen Bewohnern des in den Falkenberger Wäldern gelegenen Dorfes ist dies ein Dorn im Auge. Aus Furcht im Dorf gebrandmarkt zu werden, trauen sie sich nicht ihre Namen zu nennen.

Alteingesessene Einwohner von Sabine stören sich am „polnischen Florian“ in ihrer Kirche, doch sie trauen sich nicht dagegen anzugehen. Foto: Laura Michalsky
Alteingesessene Einwohner von Sabine stören sich am „polnischen Florian“ in ihrer Kirche, doch sie trauen sich nicht dagegen anzugehen.
Foto: Laura Michalski

„Persönlich befürworte ich universelle Symbole, solche die gemeinsamen für alle Bewohner, Bürger und Gläubige stehen. Ich selber verehre lieber Heilige in ihrem natürlichen Umfeld“ sagt Zuzanna Donath-Kasiura, Mitglied des Minderheitenrates der Diözese Oppeln.

Der aus Österreich stammende Heilige Florian war Offizier der römischen Armee und Oberbefehlshaber einer Einheit für Feuerbekämpfung. Am 4. Mai 304 wurde er für sein Bekenntnis zum Christentum mit einem Stein um den Hals von einer Brücke in die Enns (Fluss in Oberösterreich) gestürzt. Er ist Schutzheiliger der Feuerwehrmänner, Hüttenarbeiter, Schornsteinfeger, Töpfer und Bäcker und des Polnischen Königreichs. Die Farben und Symbole Österreichs haben ebenfalls die Farben Weiß und Rot. Diese Farben kommen auch bei Malereien vor, die den Heiligen Florian darstellen.

„Ich glaube, dass es eine Eigenschaft des polnischen Volkes ist, Heilige mit nationalen Symbolen auszustatten. Wir haben auch die Mutter Gottes Maria, die zur Königin Polens bestimmt wurde. Ich würde es doch bevorzugen, dass Heilige nicht mit nationalen Attributen ausgestattet werden, die charakteristisch für ein Volk oder eine Nation sind. Vielleicht ist das aus dem Blickpunkt der polnischen Nationalität etwas natürliches,  jedoch glaube ich, dass, wenn man auf einem Gebiet wohnt, wo mindestens zwei ethnische Gruppen leben, man auch über die jeweils anderen nachdenken sollte.“ So das Minderheitenratsmitglied Donath-Kasiura. Sie fügt hinzu: „Würden wir als deutsche Minderheit hier in Schlesien einen Heiligen mit der deutschen Fahne darstellen, dann, glaube ich, würde das auf sehr große Empörung stoßen.“

In Deutschland hat Zuzanna Donath-Kasiura keine nationalen Symbole in Kirchen gesehen: „Nach dem Zweitem Weltkrieg wurden in Deutschland solche Symbole sehr lange Zeit eher verborgen als exponiert. Auch wenn sich die Einstellung gegenüber Staatssymbolen in Deutschland in den letzten Jahren geändert hat, glaube ich nicht, dass diese bei Heiligen akzeptiert werden würden. Es stellen sich hierbei Fragen, ist es in Ordnung Heilige mit nationalen Symbolen auszustatten?  Ist es nicht eine Aneignung des Heiligen für das jeweilige Volk? Werden Gläubige nicht in die Irre geführt, dass der Heilige nur mit einer Nationalität verbunden ist? Heilige sind doch das gemeinsames Gut aller Völker“ – so Donath-Kasiura.

 

Laura Michalski/kann

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