Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, December 8, 2022

Heimat, halte Du mich!

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Ein Gespräch in der Paradieshalle

Wer schon mal im Haus Wiesenstein in Agnetendorf (Jagniątkowo) war, dem letzten Wohnsitz Gerhart Hauptmanns, dem fiel bestimmt die Paradieshalle ins Auge. Diese imposante Wandmalerei schuf Johannes Maximilian Avenarius. Ein neues Buch beleuchtet das Leben dieses begabten Schlesiers und brennenden Bewunderer von Gerhart Hauptmann. Präsentiert wurde es am letzten Oktobertag im Schlesischen Museum zu Görlitz.

„Das Leben von Avenarius, sein künstlerisches Werk und menschliches Verhalten können auch für den Menschen unserer Tage als Beispiel dienen“, so der Autor des Buches „Heimat, halte Du mich! Johannes Avenarius und Görlitz“, Christian Henke. Er geht in seinem reich illustrierten Buch einem Lebensabschnitt von JoMa Avenatius, nämlich den Görlitzer Leidenschaften und Begegnungen des Künstlers, nach. Und die wohl wichtigste Begegnung des Kunstmalers Avenarius war die Begegnung mit Gerhart Hauptmann. „Er war einer derjenigen, die sich für die Popularisierung der Werke Hauptmanns stark machte. Und er war Gerhart Hauptmann auch deswegen so zugetan, weil auch die Sympathie von Hauptmann seiner Person gegenüber sehr stark war. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat ihm Hauptmann den Auftrag erteilt die Paradieshalle auszumalen. Aber es hängt auch mit einer Verehrungssucht zusammen, die Avenarius, so wie er selbst sagte, von seinem Vater geerbt hatte und die für den damals wohl größten lebenden deutschen Künstler zu Ausdruck gebracht wurde“, so Henke. Diese Verehrung hat JoMa Avenarius vor allem durch seine Illustrationen zu Werken Gerhart Hauptmanns deutlich gemacht. Was die beiden Künstler noch verband war ihre Liebe zu schlesischen Heimat. Der in Greiffenberg (Lwówek Śląski) geborene Avenarius hat auch Gedichte und Erzählungen in schlesischer Mundart geschrieben, doch dies missfiel dem großen Hauptmann, er riet Avenarius bei seiner Malerei zu bleiben. JoMa hörte auf den Meister und schuf weitere Kunstwerke in Schlesien – vorwiegend in Kirchen, wie zum Beispiel in Görbersdorf (Sokołowsko) bei Waldenburg und nach dem Krieg auch in Berlin.

Und sein Leben lang setzte er sich für Hauptmann ein. Nach der Vertreibung besonders stark in Görlitz. JoMa Avernarius wählte Görlitz ganz bewusst als Ort der Hauptmann-Verehrung, da es die einzige noch bei Deutschland verbliebene größere schlesische, wenn auch geteilte, Stadt war. Dank Johannes Maximilian Avenarius trägt die Görlitzer Bühne den Namen „Gerhart Hauptmann-Theater“. „Die Görlitzer und die Schlesier sollten aber auch JoMa Avenarius nicht vergessen“, dies möchte Christian Henke mit dem im Dresdner Neisse-Verlag erschienenen Buch erreichen.

Klaudia Kandzia

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