Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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„Ich hatte keine Angst“

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„Wir kamen aus dem Nichts. Wiedergeburt der Deutschen in Oberschlesien nach 1989“ lautet der Titel des neuesten Buches über die deutsche Minderheit. Der ehemalige Sejm-Abgeordnete Henryk Kroll spricht in dem Buch über seine Erfahrungen.


„Gerade wenn ich überlege, was für Fehler ich gemacht habe, hauptsächlich gegenüber meiner Familie, denke ich, das war nicht ganz ohne, was ich da gemacht hatte. Denn es war damals nicht so einfach zu sagen: Ich bin ein Deutscher. Damals war das gefährlich. Und zweitens, ich wollte nie in die Politik“, erinnert sich Henryk Kroll heute an die ersten Jahre seiner Tätigkeit für die deutsche Minderheit.

Das Autorentreffen mit Henryk Kroll wurde in der Eichendorff-Bibliothek in Oppeln organisiert. Foto: Eva Windirsch

„Ich sehe das Buch als eine Erinnerung an meine Tätigkeit. Ich hatte damals keine Angst, obwohl es verschiede Situationen gab, wo es einem unangenehm wurde. Am Ende der Wahlkampagne waren wir mit meiner Frau im Einkaufszentrum in Oppeln, und als wir die Rolltreppe schon hochgefahren waren, sahen wir, dass es unten zu einer Prügelei auf nationalem Feld gekommen war. Meine Frau sagte mir, dass wir schnell nach Hause müssen. So war ein Erlebnis“, sagt Henryk Kroll. Die Idee für das Buch hatte der Verleger des Senfkorn-Verlags, Alfred Theisen: „Das kam aus Gesprächen mit Freunden. Uns kam es darauf an, dass wir ein Buch über die deutsche Minderheit in Polen machen. Denn es gibt im Moment in Deutschland kein Buch, dass die Deutschen in Polen, ihr Schicksal, ihre Organisation vorstellt. Und so entstand die Idee, es am Beispiel von Heinrich Kroll darzulegen, weil er dieses Schicksal der Zwangspolonisierung erfahren hatte und den Kampf um die Erlangung der Minderheitenrechte miterlebte“, so der Verleger. Letzte Woche wurde das Buch den Leserinnen und Lesern in Oppeln in der Joseph-von-Eichendorff-Zentral-Bibliothek vorgestellt.

Unter den Besuchern des Autorentreffens war auch Maria Kwiecińska aus Dembiohammer: „Damals war das für uns keine Politik. Wir wollten einfach wir selbst sein, und bevor die Deutsche Minderheit als Organisation gegründet worden war, waren wir das einfach nicht. Ich bin stolz auf den Herrn Kroll, und ich bin ihm dankbar. Er hat für uns wirklich viel gemacht“, sagt die langjährige Vorsitzende des DFK Dembiohammer.

Das Buch ist im Senfkornverlag in deutscher Sprache, in der Auflage von 1000 Exemplaren, erschienen.

Manuela Leibig

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