Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, December 8, 2022

Immer eine Musterschülerin

Heute wäre Cäcilie Böhm-Wendt vielleicht der Star in einem Forschungszentrum oder eine unermüdlich tätige Mitarbeiterin bei bahnbrechenden wissenschaftlichen Entde-ckungen. Die im schlesischen Troppau am 4. Mai 1875 geborene Wendt war einer der ersten Frauen, denen die Immatrikulation in Mathematik und Physik an der Universi-tät in Wien ermöglicht wurde. Auf eine wissenschaftliche Karriere verzichtete sie trotz ihres großen Potenzials.

Das Interesse für Wissenschaft und Forschung wurde Cäcilie Wendt in die Wiege gelegt. Ihr Vater war Ferdinand M. Wendt, Professor sowie Leiter der Lehrer- und Lehrerinnenbil-dungsanstalt in Troppau und Mitherausgeber der Frauenzeitschrift „Lehrerinnenwart“. Seine Tochter erhielt eine fundierte gymnasiale Ausbildung. Und sie hatte Glück: Nachdem sie jahrelang extern unterrichtet wurde, konnte sie letztendlich doch ihre Maturitätsprüfung ab-legen. Damit war sie die erste Frau Österreichs mit einer den Männern gleichgestellten, gleichwertigen Ausbildung. Später bekam sie wieder eine Chance. Ab 1897 durften Frauen zum Universitätsstudium in Wien zugelassen werden. Cäcilie Böhm-Wendt entschied sich für ein Studium der Mathematik und Physik. Schon im fünften Semester ihres Studiums veröffentlicht sie eine wissenschaftliche Arbeit in den „Monatsheften für Mathematik und Physik“. Bei allen Prüfungen, Kolloquien und Rigorosa war sie immer eine der Besten mit ausgezeichneten Noten. Als erste Frau überhaupt promoviert sie am13. Juni 1900 an der Universität Wien im Studienfach Mathematik.

Dem Studium folgte allerdings keine wissenschaftliche Laufbahn. Die Gründe dafür kann man nur erraten. Vielleicht wollte Cäcilie Böhm-Wendt es einfach so. Schließlich legte sie schon während des Studiums die Lehramtsprüfung für Mathematik und Physik ab, um Leh-rerin zu werden. Aus heutiger Perspektive mag das nicht besonders revolutionär, eher als eine sichere Wahl erscheinen. Doch man muss bedenken, dass mit Cäcilie Böhm-Wendt die erste weibliche Lehrkraft für Mathematik und Naturlehre an der gymnasialen Mädchenmit-telschule des Vereins für erweiterte Frauenbildung in Wien angestellt wurde. Im Jahr 1914 wurde Cäcilie Böhm-Wendt der Titel Professor – auf die Dauer ihrer Lehrtätigkeit – verlie-hen.

Anna Durecka

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