Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, December 6, 2022

Jahresrückblick 2021

Schlesien: 2021 hieß es für die Deutschen in Schlesien Versäumtes nachholen


Begegnungsstätten endlich wieder offen
„Es war weder gut noch schlecht, eher durchschnittlich“, so fasst Eugeniusz Nagel, der Vizevorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen in der Woiwodschaft Schlesien, das vergangene Jahr für die deutsche Minderheit zusammen.

Im Jahr 2021 hieß es für die Deutschen in Schlesien Versäumtes nachholen. Denn wegen der Pandemie konnte im Jahr zuvor nicht wie geplant das 30-jährige Jubiläum der SKGD in der Woiwodschaft Schlesien organisiert werden. Die Feier fand dieses Jahr in Ustron statt. „Die war auch sehr gelungen, viele Menschen sind gekommen und die Stimmung war gut“, meint der Vizevorsitzende. Ein kleiner Erfolg für die Deutschen in Schlesien war auch die Gründung der ersten Miro Deutschen Fußballschule in der Woiwodschaft, nämlich in Wieschowa. „Viele haben sich das seit Langem gewünscht und es freut uns, dass es geklappt hat“, sagt Eugeniusz Nagel. Die Bewahrung der Geschichte ist sehr wichtig für die Deutschen in Schlesien.

 

Anlässlich des 100. Jahrestages der Schlesischen Aufstände wurde eine Debatte in Königshütte veranstaltet. In Ruda dagegen hat man eine Konferenz zur Oberschlesischen Tragödie organisiert. Seit Jahren bemühen sich die Deutschen um ein Denkmal am Lager Zgoda. Ein Komitee wurde zu diesem Zweck gegründet. „Die Sache ist jedoch ins Stocken geraten. Das Komitee wird von den Stadtbehörden und dem Marschall marginalisiert“, beschwert sich Eugeniusz Nagel. Zum Glück konnten in diesem Jahr in den Ortsgruppen mehr Projekte durchgeführt werden. „Wir konnten unsere Begegnungsstätten endlich wieder für die Leute öffnen, es sind noch nicht alle zurückgekommen, viele haben noch Angst, aber trotzdem haben wir viele Projekte durchführen können“, freut sich Eugeniusz Nagel und hofft, dass es im kommenden Jahr noch besser werden wird.

Anna Durecka

 

 

Oppeln: Die deutsche Minderheit ist stolz auf ihr Kulturangebot

Kultur großgeschrieben

Das zu Ende gehende Jahr war für die Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln gelungen. Besonders im Bereich Kultur war diesmal viel los. Da konnte nicht einmal die Pandemie die deutsche Minderheit in ihrer Tätigkeit stoppen.

Musik wird bei den Oppelner Deutschen großgeschrieben, das weiß mittlerweile jeder. Für SKGD-Vorstandsmitglied Joanna Hassa war auch einer der Höhepunkte ein musikalischer. „Wir haben mit Zuzanna Herud ein eigenes, tolles Lied und Video produziert. Es ist als krönender Abschluss der Kampagne „Minderheit hat Wert“ gedacht und ich finde, es ist wirklich gelungen. Wir haben nur positives Feedback bekommen. Das Video hat mittlerweile über 8000 Aufrufe auf You Tube. Für uns ist es schon ein Hit“, so Joanna Hassa.

Foto: screenshot

 

Sowieso gab es in diesem Jahr ein reiches Musikangebot für die Fans deutscher Melodien. Die neue Konzertreihe „Musizieren der Minderheit“, die an drei verschiedenen Standorten geboten wurde, war sehr erfolgreich. Die Zuschauer konnten nicht nur vor Ort den Interpreten lauschen, sondern ebenso im Internet die Konzerte verfolgen. „Wir haben in diesem Jahr auch schon zum 18. Mal die Deutschen Kulturtage organisiert.

 

Wir haben mittlerweile viele verschiedene Partner, die sich an der Veranstaltung der Kulturtage beteiligen, aber es freut uns besonders, dass immer neue dazukommen“, so Joanna Hassa. In diesem Jahr wurde auch ein neues SKGD-Projekt ins Rollen gebracht, das dank der Unterstützung des deutschen Konsulats in Oppeln ermöglicht wurde. „Wir haben den DFKs vorgeschlagen, sie könnten kleine historische Objekte, Kulturdenkmäler, renovieren. Da wurde schon Tolles gemacht, wie etwa vom DFK Reinschdorf und Roswadze“, berichtet Joanna Hassa.

Besonders stolz sind die Deutschen in Oppeln auf ihre Miro-Fußball-Schulen. „In diesem Jahr wurde die erste Miro-Schule in der Woiwodschaft Schlesien eröffnet, in Wieschowa. Es freut uns riesig, dass das Projekt so gewachsen ist“, meint Joanna Hassa.

Anna Durecka

 

 

Gdingen (Gdynia): Endlich wieder Leben in der „Bude“

Fast so aktiv wie eh und je

In Gdingen ist man zufrieden mit dem Verlauf des Jahres. Trotz anfänglichen Leerlaufs konnte die örtliche deutsche Minderheit in den vergangenen Monaten viele Veranstaltungen und Ausflüge realisieren. Mit der Gedenkfeier für die Todesopfer der 1945 vor der Küste Pommerns versenkten Flüchtlingsschiffe„Wilhelm Gustloff“, „Steuben“ und „Goya“konnte auch der wichtigste Termin des Jahres stattfinden.

„Wir haben immer viel zu tun“, sagt Benedikt Reschkevergnügt. Kein Wunder, dass sich der Vorsitzende des Bundes der deutschen Bevölkerung in Gdingen über die viele Arbeit und das wiedererwachte Leben in seiner Gesellschaft freut.Schließlich konnten zu Beginn des Jahrescoronabedingt überhauptkeine Veranstaltungen durchgeführt werden, sodass dieMitgliederin den letzten Monaten einiges nachzuholen hatten. „Seit April treffen wiruns wieder regelmäßig zwei- bis dreimal im Monat im Sitz unseres Bundes im Zentrum Gdingens – einem Raum, den uns die Stadtverwaltung freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat“, so der Vorsitzende. Während dieser geselligen Treffen wird immer ein bestimmtes Thema besprochen, zum Beispiel die Geschichte der Deutschen in West- und Ostpreußen oder – wie zuletzt – die Advents- und Weihnachtstraditionen in Pommern.

 

An die Toten erinnern: die Gustloff-Gedenkfeier an der Uferpromenade in Gdingen.Foto: Lech Kryszałowicz

Ausflüge, Jubiläen und Gedenkfeier
Aber auch abseits dieser festen Termine ist die 164 Mitglieder zählende Gdingener deutsche Minderheit immer aktivitäts- und vor allem ausflugsfreudig.Ob ein Tagestrip in die alte Kulturlandschaft des Danziger Werders (ŻuławyGdańskie) oder eine Bootstour auf dem Oberländischen Kanal gemeinsam mit der befreundeten deutschen Minderheit aus Elbing (Elbląg): In diesem Jahr nutzte man viele Gelegenheiten, um zusammen etwas zu unternehmen. Auch die Teilnahme an den Feierlichkeiten zu den 30-jährigen Jubiläen des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) und der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM) im Oktober in Köslin (Koszalin) beziehungsweise in Allenstein (Olsztyn) ließ man sich natürlich nicht entgehen.

Den Höhepunkt bildete jedoch – wie immer – die vom Bund der deutschen Bevölkerung in Gdingen organisierte Gedenkfeier zum diesmal 76. Jahrestag der Versenkungen der Flüchtlingsschiffe „Wilhelm Gustloff“, „Steuben“ und „Goya“in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges in der Ostsee, bei denen insgesamt mehr als 20.000 Menschenihr Leben verloren. An der feierlichen Zeremoniein der Seemannskirche des Heiligen Petrus in Gdingen mit anschließender Kranzniederlegung an der städtischen Uferpromenade nahmen unter anderem auch Vertreter des Deutschen Generalkonsulats in Danzig und des VdG sowie die Vorsitzenden zahlreicher deutscher Minderheitenorganisationen aus der Region teil.

Gründung vor 25 Jahren
Die Gedenkveranstaltung zu den Schiffskatastrophen wurde auch verbunden mit einer kleinen Feier zum 25-jährigen Bestehender deutschen Gesellschaftin Gdingen. „Wir waren eigentlich schon drei Jahre früher in Danzig aktiv“, erzählt Benedikt Reschke. „Dann haben wir aber 1996hier in Gdingen unsere eigene Organisation gegründet, weil uns der Weg zu den Treffen nach Danzig zu weit war.“Benedikt Reschke wurde damals zum Vorsitzenden gewählt und führtden Bund bis heute– und ist noch immer voller Tatendrang.

Eine andere wichtige Veranstaltung konnte dieses Jahraufgrund der Coronapandemie allerdings nicht durchgeführt werden: die traditionelle Seminarfahrt nach Bad Kissingen zur Akademie Mitteleuropa, an der normalerweise um die 50 Personen aus Gdingen teilnehmen. „Nächstes Jahr soll das einwöchige Seminar für uns aber wieder stattfinden“, meintBenedikt Reschke hoffnungsfroh. Und auch die Deutschkurse sollen nach etwa zweijähriger Pause im Februar 2022 wieder anlaufen. Wenn die Pandemie diese Pläne nicht nochmals durchkreuzt, kann das kommende Jahr dann sogar noch besser werden als das jetzige.

Lucas Netter

 

Glatz (Kłodzko):Erneut kein einfaches Jahr

Oktoberfest und Tränen

Die Coronapandemie hat dem Deutschen Freundschaftskreis (DFK) in Glatz auch in diesem Jahr zu schaffen gemacht. Zwar konnten einige wichtige Veranstaltungen heuer wieder stattfinden, doch von Normalität kann keine Rede sein. Die schwierige Lage führt manchmal sogar zu Tränen.

Der Deutsche Freundschaftskreis in Glatz ist wirklich etwas Besonderes: Er ist nämlich der einzige DFK in ganz Polen, dessen Vorstandsmitgliederin Deutschland geboren wurden.Als Söhne von einst vertriebenen Deutschen zog es Horst Ulbrich, Heinz-Peter Keuten und Joachim Straubeum die Jahrtausendwendezurück in die alte Heimat ihrer Eltern – wo sie sich seitdem in den Reihen der örtlichen deutschen Minderheit engagieren. Seit 2010 stellen sie den Vorstandder Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Glatzund begannen damals sogleich mit einem Neustart der Vereinigung, der in zahlreichen Projektenund Veranstaltungen undbis heute 328 Mitgliedernmündete. Mit dem DFKKudowa gibt es sogar eine eigene Ortsgruppe des Glatzer Freundschaftskreises.

Trotz allem frohen Mutes: die Glatzer Sängerinnen und Sänger.
Foto: Horst Ulbrich / blog.grafschaft-glatz.de

Der Vorstandsvorsitzende Horst Ulbrichberichtet seit Februar 2010zudem äußerst aktiv in seinem Blog „Neues aus Schlesien“ (blog.grafschaft-glatz.de) über die umfangreichen Aktivitäten in seinem DFK. Die vergangenen Monatestanden dabei einmal mehr im Zeichen der Coronapandemie, wie er in seinem Jahresrückblick an alle Mitglieder und Freunde des DFKGlatz schreibt.

Frohmütiger Beginn, ernüchterndes Ende
Dabei startete man mit ganz vielFreude und Elan ins Jahr 2021:Die Deutschkurse für Jung und Alt liefen wieder an, der Chor traf sichregelmäßig, es gab deutschsprachige Gottesdienste und der beliebte Samstagstreff in der Geschäftsstelle konnte endlich wieder stattfinden.Doch die Freude über die vermeintliche Normalität währte nur kurz. Denn coronabedingt mussten die Karnevals-, Frühlings- und Sommerfeste zum großen Bedauern aller Mitgliederabermals ausfallen.

Erst im Herbst war geselliges Beisammensein im größeren Rahmen wieder möglich – rechtzeitig zu einem Highlight des Glatzer Veranstaltungskalenders: dem traditionellen Oktoberfest. Gemeinsam mit dem DFKWaldenburg (Wałbrzych) und dessen Chor wurde das Publikum mit einembunten Programm in Begeisterung versetzt und bis in die späten Abendstunden gemeinsam gelacht, gesungen und getanzt.

Auch das vom DFKWaldenburg organisierte deutsch-polnische Chortreffen „BeatiCantores“im Kurtheater in Bad Salzbrunn (Szczawno-Zdrój), an dem immer auch die Glatzer Sängerinnen und Sänger teilnehmen, wurdegottlob wieder durchgeführt.

Kurz darauf folgte aber schon wieder die Ernüchterung: Aufgrund der sich weiter verschlechternden Coronalage konnte der jährliche Rezitationswettbewerb des DFK Glatz zu deutschsprachiger Lyrik nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden. Trugen 2019 noch über 70 Schüler von fast 20 Schulendeutsche Gedichte vor, nahmen dieses Jahr nur noch sieben Schulen und 26 Kinder und Jugendliche an der wichtigen Veranstaltung zum Erhalt der deutschen Sprache und Kultur in der Region teil.Was machen diese Widrigkeiten mit den Deutschen in Glatz?

Corona raubt dem DFK die Energie
„Es braucht in diesen Zeiten viel Kraft und Ausdauer, unseren Deutschen Freundschaftskreis beisammenzuhalten und überall dort zu helfen, wo es nötig ist“, erzählt Horst Ulbrichnicht ohne eine gewisse Bestürzung. „Wir haben auch Mitglieder in Quarantäne, für die wir einkaufen und denen wir dann die Einkäufe an der Tür übergeben, was manchmal zu Tränen auf beiden Seiten führt, denn umarmen sollte man sich nicht.“

Und obwohl in der Adventszeit noch ein Fest mit den Mitgliedern stattfinden konnte – inklusive Folkloreprogramm, Chorgesang und Tombola –, weiß Horst Ulbrich nicht so recht, was er von der näheren Zukunft erwarten soll. „Die ganze Situation betrübt uns sehr. Wir können nur auf bessere Zeiten im neuen Jahr hoffen“, seufzt er.

Lucas Netter

 

 

Köslin (Koszalin): Jubiläumsjahr für die „Pomerania“

30 Jahre – und (noch) keine Party

„Trotz der Coronapandemie konnten wir in diesem Jahr viele Veranstaltungen durchführen“, erzählt Peter Jeske, der Vorsitzende der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Pomerania” in Köslin. Ein Highlight: das Jubiläumskonzert in der örtlichen Philharmonie zum 30-jährigen Bestehen des Verbandes deutscher Gesellschaften in Polen.

Auch die „Pomerania“ selbst wurde dieses Jahr 30 Jahre alt; ihre eigenegroße Jubiläumsfeier musste sie aufgrund der Coronalage allerdingsauf 2022 verschieben – was Peter Jeske natürlich bedauert.Im Rahmen der Jahreskonferenz „Westpommersches Forum der nationalen und ethnischen Minderheiten“, die im Oktober in Prillwitz (Przelewice) bei Stettin (Szczecin) stattfand, wurde dem „Pomerania“-Vorsitzenden im Namen des Marschalls der Woiwodschaft Westpommern, OlgierdGeblewicz, aberimmerhin schon ein Gratulationsbrief zum rundenGeburtstagseiner Gesellschaft überreicht.

Minderheiten verbinden
Diese wichtigen Jubiläen waren für die etwa 160 Mitglieder der deutschen Minderheit in Köslin – von denen rund 60 zu den Aktiven gezählt werden können – in diesem Jahr aber nicht die einzigen Termine im Jahresprogramm. Auf der Agenda standen unter anderem auch ein Integrationstreffen in Stolp (Słupsk) und das traditionelle Sommerfest am See Chlewo in Porst (Porost) bei Bublitz (Bobolice). Auch ein Treffen mit der jüdischen Gemeinde in Stettin zum Chanukka-Fest und ein Festival für Grundschüler in Belgard (Białogard) zu deutsch- und englischsprachigen Liedern wurden organisiert.

Ein weiterer Höhepunkt: das jährliche Kulturtreffen im August auf dem Rathausplatz in Köslin – ein gemeinsames Fest der Deutschen, Ukrainer, Juden, Roma und Kaschuben aus der Region. Die Tanz- und Gesangseinlagen der jeweiligen Volksgruppen lockten dabei mehr als 3.000 Besucher an – und natürlich ihre leckerenSpezialitäten, die zur Verkostung angeboten wurden.

Lucas Netter

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