Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Sunday, July 3, 2022

Johann Benjamin Bilse: Liegnitzer Stadtmusicus

 

Er konnte Geige, Harfe, Waldhorn und Trompete spielen. Wie es sich für einen „Stadtmusicus“ gehört. Mit großer Wahrscheinlichkeit konnte Johann Benjamin Bilse sogar alle Instrumente in seiner Liegnitzer Stadtmusikkapelle spielen. Schließlich hatte er jeden einzelnen seiner Berufsmusiker persönlich ausgebildet.

 

Johann Benjamin Bilse kam am 17. August 1816 in Liegnitz zur Welt. Sein erster Musiklehrer war gleichfalls ein Stadtmusicus: Ernst Friedrich Scholz. Zwei wohlhabende Liegnitzer sollen das Studium des jungen Talents in Wien finanziert haben. Dort nahm Bilse Violinunterricht und studierte die Kunst des Dirigierens. Als Student spielte er übrigens die Erste Geige im Orchester von Johann Strauss. Nach seiner Rückkehr nach Liegnitz übernahm er 1842 das Amt des Leiters des Stadtkapelle. Als „Bilse’sche Kapelle“ wurde das zunächst bescheidene Ensemble bezeichnet, da Bilse alle Musiker selbst ausgewählt und ausgebildet hat. Weil der Magistrat zu Beginn nur sechs Konzerte des Orchesters bezahlte, hat Bilse seine Musiker aus seiner eigenen Tasche finanziell unterstützt. Nach der Fertigstellung der Eisenbahnstrecken begann die Bilse’sche Kapelle Konzerte in Breslau, Berlin, Görlitz, Leipzig und Dresden zu geben und wurde immer bekannter. Zwischen den Jahren 1867 und 1885 fanden im Berliner Concerthaus an der Leipziger Straße insgesamt 3000 der beliebten „Bilse-Konzerte“ statt. Gerhart Hauptmann, Peter I. Tschaikowski und Adolph Menzel waren regelmäßige Zuhörer. Quer durch ganz Europa tourte Bilse mit seinen Musikern. Er spielte in St. Petersburg, Riga, Warschau, Amsterdam und Brüssel. Als es zu einem Streit zwischen den Musikern und Bilse kam und sie das Ensemble verließen, meldeten sich aus der ganzen Welt 1000 andere Künstler, die für und mit Bilse spielen wollten.

 

Johann Benjamin Bilse
Graphik: Krzysztof Stręcioch

 

 

1884 kehrte Bilse im Alter von 70 Jahren in seine Heimatstadt zurück, wo er 18 Jahre später verstarb. Noch zu seinen Lebzeiten erhielten eine der Liegnitzer Straßen und ein Stadtplatz den Namen von Johann Benjamin Bilse. Eine Bilse-Straße gibt es in Liegnitz bis heute.

 

Anna Durecka

 

Die Veröffentlichung „Superhelden_innen Schlesiens“ wurde vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit herausgegeben und aus Mitteln des Goethe-Instituts Krakau finanziert. Man kann sie kostenlos unter www.haus.pl runterladen.

 

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