Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, November 29, 2022

Künstlerin auf Eheferien

Marg Moll war keine Schlesierin. Und eigentlich hieß sie nicht Marg, sondern Margarethe. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde Schlesien ihr Zuhause, als sie mit ihrem Ehemann Oskar aus Paris nach Breslau gezogen war. Marg war Bildhauerin, Malerin und Autorin.

Als Margarethe Haeffner wurde Marg 1884 im elsässischen Mülhausen geboren. Schon sehr früh interessierte sie sich für Kunst. Ihre künstlerische Ausbildung begann sie am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main. Dort entdeckte sie die Bildhauerei für sich. 1905 nahm sie Unterricht bei dem Maler Oskar Moll, der später ihr Ehemann wurde. Eine der wenigen Abbildungen von Marg Moll ist ein Ölportrait, das von Lovis Corinth gemalt wurde. In Berlin hatte das Ehepaar Moll in seinem Atelier gearbeitet. Später wohnten die Molls ebenfalls in Berlin, wo Marg sich vor allem ihrem plastischen Werk widmete.

Grafik: Krzysztof Stręcioch

Nach dem Ersten Weltkrieg zogen Marg und Oskar nach Breslau um. An der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe wurde Oskar Moll erst Professor und anschließend Direktor. Doch Marg war keineswegs nur die Frau an seiner Seite. Ihrer Kunst fühlte sie sich genauso verpflichtet wie ihrem Mann. Vielleicht sogar noch mehr. Das ging so weit, dass sie beschloss, „Eheferien“ zu nehmen und für eine Zeit lang nach Paris zu ziehen, um an ihrer Kunst zu feilen.

Diese wurde mit der Zeit mehr und mehr abstrakt. Ihr moderner Stil fand keine Anerkennung, die nationalsozialistische Diktatur ächtete ihn gar als „entartet“. 1943 siedelten die Molls nach Brieg um, wo sie im Haus von Oskars Eltern wohnten. Nach dem Tod ihres Mannes 1947 zog es Marg nach Wales, London und Düsseldorf. Sie hielt Vorträge und arbeitete an ihren Skulpturen. 1977 starb sie in München. Auch ihre 1918 in Breslau geborene Tochter Brigitte wurde Künstlerin. Sie war Malerin und wurde unglaubliche 100 Jahre alt! Genau wie ihre Mutter hatte sie ein aufregendes Leben. Aber das ist schon eine ganz andere Geschichte…

Anna Durecka

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