Dilettantismus
Die jüngsten Entscheidungen der US-Regierung in Bezug auf den Krieg in der Ukraine sehen kurz und bündig wie folgt aus. Erstens: Eine Rückkehr der Ukraine zu den Grenzen von vor 2014, als Russland die Krim eroberte, ist unrealistisch. Zweitens: Die Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato ist unrealistisch. Und drittens: Die Ukraine ist kein US-Problem, sondern ein europäisches. Wer die US-Medien in den letzten Monaten verfolgt hat, darf sich darüber nicht wundern, so die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Der deutschen Tageszeitung zufolge wurden derartige Vorschläge schon früher von US-Republikanern gemacht. Das Problem ist jedoch ernst, denn es handelt sich, wie die deutsche Tageszeitung schreibt, um einen scharfen Bruch mit der bisherigen Politik des Westens gegenüber der Ukraine und eine Annäherung an Wladimir Putin.

Foto: Gage Skidmore/Wikipedia
Auch die „Süddeutsche Zeitung“ kritisierte das Vorgehen von Donald Trump. Ihr Kommentator Hubert Wetzel erklärte, der US-Präsident habe Russland Zugeständnisse gemacht, bevor echte Verhandlungen begonnen hätten. Zudem habe er im Alleingang eine Telefondiplomatie mit Wladimir Putin begonnen, ohne seine europäischen Partner und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einzubeziehen, der erst nach dem Gespräch von Donald Trump informiert wurde. In der „Süddeutschen Zeitung“ heißt es weiter, dass der US-Präsident auf diese Weise in einem Zug das in den Sand gesetzt hat, was die Europäer seit drei Jahren Krieg in der Ukraine wiederholen, nämlich dass das Schicksal des Landes nicht ohne ihn und ohne die Europäer entschieden werden darf. Schlimmer noch: Dieses Vorgehen und diese politische Taktik sind einfach eine Aufwertung von Wladimir Putin.
Eine andere deutsche Tageszeitung, „Die Welt“, kritisiert die US-Regierung ebenfalls. Es sei noch zu früh, um zu sagen, ob Donald Trump in der Lage sein wird, Frieden mit Russland über die Ukraine zu schließen, aber eines sei sicher: „Die Art und Weise, wie die Amerikaner ihre Ziele und Pläne im Umgang mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin darlegen, zeugt von einem Dilettantismus, der atemberaubend ist“. Der Autor dieser Worte ist Jacques Schuster, der uns daran erinnert, dass die Kunst des Verhandelns darin besteht, den Gegner zunächst im Ungewissen zu lassen, und dass die gestellten Forderungen von harten Diskussionen und Verhandlungen begleitet werden müssen: „Stattdessen erfüllt die neue US-Regierung die meisten Bedingungen Russlands im Voraus – und lässt den ukrainischen Partner weitgehend im Stich. Wenn man so bereit ist, die Kriegsziele des Gegners zu verfolgen, kann auch der größte Narr in wenigen Tagen Frieden schaffen. War dies das Ziel?“, unterstreicht der Kommentator der „Welt“, der seine Meinung bezeichnend wörtlich ausdrückt. Liegt er damit etwa falsch…?

