Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, December 9, 2022

„Neues Outfit” begeisterte das Publikum

Wir fühlen uns hier so gut wie bei uns zuhause”: Das und Ähnliches waren immer wieder in den Gängen der Breslauer Jahrhunderthalle zu hören, als der österreichische Schlagerstar Andy Borg seinen Auftritt beendete. Borg begeisterte jedoch nicht stärker als die Dutzenden Interpreten der deutschen Minderheit, die dem Kulturfestival nun allmählich ein zunehmend junges und tatkräftiges Image verleihen.

Musikkenner meinen, dass die Stille im Publikum viel über den auftretenden Künstler sagt. Diese ganz besondere Stille wurde den jungen Künstlern der deutschen Minderheit, die den künstlerischen Teil des V. Kulturfestivals eröffneten, geschenkt. Zuzanna Herud, Maria Honka, Julia Ledwoch, Karolina Trela, Joanna Kostka und Artur Garbas standen nicht zufällig als Erste in der Reihe der fast 30 Auftritte – gerade junge Solisten werden jetzt als neue Gesichter der Musikszene der deutschen Minderheit bekannt. Immer mehr schnelle, energische Pop-Auftritte, immer weniger Volkslieder: Das V. Kulturfestival setzte einen neuen, frischen Trend, der die über 7.000 Zuschauer in der Jahrhunderthalle mitgerissen hat.

Doch auch die Fans des Traditionellen wurden nicht enttäuscht. So durften u.a. die sensationelle „Tworkauer Eiche“ und die Tanzgruppe Lenschczok aus der Woiwodschaft Schlesien ebenfalls nicht auf der Bühne fehlen. Ob seiner außergewöhnlichen Gelassenheit werden sich die Zuschauer an den Chef der slowakischen Deutschen, Jan König, erinnern, der in Jeans und T-Shirt einen kraftvollen Song darbot, ganz so, als ob er vor einem kleinen Grüppchen von Bekannten und nicht vor einem tausendfachen Publikum aufgetreten wäre. Als ein Hit entpuppte sich das Duo Maria Honka und Karolina Trela, die in ihren bayrischen Trachten als „Dirndl Duo“ bereits weitere gemeinsame Auftritte angekündigt haben.

Als um 18:00 Uhr die Moderatoren den Star des Abends ansagten, begab sich beinahe in Sekundenschnelle eine kleine Menschenmenge vor die Bühne. Andy Borg hat den Ruf eines Künstlers, den man entweder liebt oder hasst. Die deutsche Minderheit in Polen gehört eindeutig zu den Ersteren, doch sogar die Letzteren konnten sich vom gesanglichen Können des österreichischen Schlagersängers überzeugen. Mit geistreichen Witzen und einer gewaltigen Dosis Distanz von sich selbst sang der Interpret bekannte volkstümliche Schlager wie Adios Amor oder Die Fischer von San Juan, womit er – wie er selbst bemerkte – auch viele junge Gesichter für sich gewinnen konnte.

Der Mix aus jungen Interpretern mit modernen Songs, die heute Millionen Deutsche mitreißen, und dem sympathischen Spaßvogel Andy Borg war eine Glanznummer des neuen Outfits der deutschen Minderheit. In diesem präsentieren sich die Deutschen in Polen hervorragend. Und wenn die so eingeläutete Steigerung der Anziehungskraft sich in der jungen Generation auch ganz vollziehen soll, dann ist dieses Outfit genau das richtige, um diesen Weg zu gehen.

Łukasz Biły

 

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