Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, August 9, 2022

Noch lange nicht fertig

Die Spieler und Trainer der Miro Deutschen Fußballschule (MDFS) sind nun in ihrer Sommerpause. Fußballschulen-Koordinator Mateusz Bachem schaut zurück auf eine Saison, in der alle Beteiligten so manche Herausforderung meisterten.


„Ich bin sehr froh und sehr stolz auf die Saison, weil ich glaube, wir haben im letzten Jahr wirklich einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Da sind einerseits die Spieler: Über 400 Kinder kicken an 11 Standorten, davon sind 10 Schulen in der Woiwodschaft Oppeln und eine in der Woiwodschaft Schlesien. Die Kinder haben häufiger Training als noch vor wenigen Jahren und spielen auf deutlich mehr Turnieren als in den vergangen Saisons.“ Die Miro Fußballschule betreibt ihr eigenes Ligensystem, in denen immer wieder drei oder vier Miro-Mannschaften in unterschiedlichen Konstellationen gegeneinander antreten. Außerdem spielen die Teams auch bei externen Turnieren gegen Mannschaften aus anderen Fußballschulen. Manchmal geht es sogar über die Landesgrenzen hinaus: Zuletzt nahm eine Auswahl der Miro-Kicker an einem internationalen Turnier in Prag teil (Das Wochenblatt berichtete). „Die Spieler haben sich richtig gut weiterentwickelt“, erzählt Bachem und ergänzt: „Aber die Trainer auch!“ Bachem erklärt, dass die Betreuer regelmäßig an Trainerschulungen teilnehmen. Die organisiert die MDFS selbst für ihr Personal, die Trainer absolvieren aber auch die international anerkannten UEFA-Diplomkurse für professionelle Trainerlizenzen.

Mateusz Bachem, Koordinator der Miro Deutschen Fußballschule
Foto:privat

Spielerisch Deutsch-Lernen
Positiv sieht Bachem auch die Entwicklung des mit dem Training verknüpften Deutschunterrichts. Die Fußballschule hat hier in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Krakau und einem breiten Netzwerk aus Sprachassistenen ein System entwickelt. „Am Anfang jedes Trainings begleitet ein Sprachassistent die Gruppe. Der verbindet das Deutsch-Üben mit dem Aufwärmprogramm“, erklärt Bachem. Dabei wird das Erlernen von Wörtern oder Sätzen spielerisch in die Trainingsübung eingebaut. So sollen die Kinder es deutlich leichter haben sich, mit Deutsch zu befassen. Schließlich ist der Fußballplatz um einiges reizvoller als Vokabeln-Büffeln am Schreibtisch.

Die Sprache des Balles
Verschiedene Sprachen waren in den letzten Monaten aber auch aus einem anderen Grund ein Thema auf dem Fußballplatz: Denn seit Russland Ende Februar die Ukraine angegriffen hat, kamen auch einige ukrainische Kinder in die Miro Deutsche Fußballschule. „Wir wollten sofort allen helfen. Ich glaube, fast jede Fußballschule in Polen hat ihre Hilfe angeboten. Und wir natürlich auch.“ Die Fußballschule öffnete ihre Tore für ukrainische Kinder, besorgte Ausrüstung und Schuhe für diejenigen, die keine zur Verfügung hatten und ließ die Kinder umsonst am Training teilhaben. Da Geflüchtete nun mal häufig länger brauchen, um den endgültigen Zielpunkt ihrer Flucht zu finden, herrschte unter den Kindern große Fluktuation. Am Ende der vergangenen Saison spielten noch 7 ukrainische Kinder an 4 Standorten in den Miro-Schulen. Die Sprachbarriere nahmen die Trainer dabei kaum als Problem wahr: „Klar, vor oder nach dem Training merkt man das natürlich. Aber sobald wir auf dem Platz waren, gab es gar keine Probleme. Da ist unsere Sprache der Ball und alle sind gleich. Ich glaube, der Fußball spricht für die ganze Welt“, findet Bachem.

Spieler und Trainer jubeln mit ihrem Pokal. Foto: Miro-Deutsche Fußballschule

Große Pläne
In der Sommerpause planen die Koordinatoren schon die nächste Saison. Mateusz Bachem hat ehrgeizige Pläne: „Anfang September fangen wir wieder mächtig an! Wir wollen uns nochmal qualitativ verbessern.“ Dazu sollen die Gruppen auf maximal 16 Kinder verkleinert werden, um die Bedürfnisse und Fähigkeiten einzelner Kinder besser berücksichtigen zu können. Gleichzeitig soll das Training noch mehr auf die fußballerische Ausbildung spezialisiert werden. „Na klar, die ganz Kleinen, also die Bambinis, die sollen immer noch einfach nur rumrennen und Spaß haben. Aber für die Älteren wollen wir ein deutlich verbessertes Trainingskonzept entwickeln“, erklärt der Koordinator. Dabei baut er auf die vielen professionellen Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen, die die 21 Trainer der Fußballschule in der vergangenen Saison besucht haben. Bachem wünscht sich auch für die kommende Saison eine zunehmende Professionalisierung des Trainerstabs. Von der Verkleinerung der Gruppen soll auch der Deutschunterricht profitieren, der zusammen mit dem Goethe-Institut Krakau ebenfalls weiter ausgebaut werden soll.
Bachem und sein Team sind also noch lange nicht fertig. Man darf gespannt sein, wie sich ihre Fußballschule weiterhin entwickelt.

Simon Imhof

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