Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Orzeł Zlönitz mit „Poldi“ in Belek

Orzeł Zlönitz ist ein Fußballverein, der in der Bezirksliga spielt, aber die Vorbereitungszeit für die Frühjahrsrunde dieser Saison in der berühmten türkischen Stadt Belek verbrachte! Ein Ort, an dem die stärksten europäischen Klubs und die reichsten Mannschaften der polnischen Ekstraklasa an ihrer Form feilen. Henryk Olsok, Eigentümer der Firma APN und Vereinsvorsitzender von Orzeł Zlönitz, erzählt im Gespräch mit Krzysztof Świerc, wie es dazu kam und was es sonst noch Interessantes über den Verein zu berichten gibt.

Wann wurde Orzeł Zlönitz gegründet, in welcher Wettbewerbsklasse spielt er derzeit und was ist der größte Erfolg des Vereins in seiner Geschichte?

Henryk Olsok (l.) vereinsvorsitzender des Orzeł Zlönitz und Eigentümer der Fima APN, in Begleitun des deutschen Weltmesiters von 2014, Lukas Podolski.
Foto: HO.

Der Verein wurde 1982 gegründet. Derzeit spielt die erste Mannschaft von Orzeł in der Oppelner Bezirksliga und die zweite Mannschaft in der Klasse A. Unser größter Erfolg war bisher, dass wir sechs Spielzeiten lang – von 2011 bis 2016 – in der vierten Liga gespielt und das Viertelfinale des polnischen Pokals erreicht haben. Ich möchte hinzufügen, dass wir in den letzten Jahren in diesem Wettbewerb wirklich gut abgeschnitten haben.

Was sind die Ziele des Vereins aus Zlönitz für die kommende Saison und die nächsten Jahre?

Das Ziel ist klar: Platz 1 bis 3 in der Tabelle am Ende des Spielzeit, aber mit Betonung auf dem ersten Platz. Derzeit sind wir unter den ersten Drei und ob wir am Ende der Spielzeit dortbleiben oder uns sogar noch verbessern können, wird die Zeit zeigen. Was die nächste Saison angeht, so werden die Liga und die laufende Saison unsere Pläne bestätigen. Wenn wir es jetzt schaffen, eine Stufe höher aufzusteigen, dann wird es in der kommenden Spielzeit unser Ziel sein, in dieser Wettbewerbsklasse zu bleiben, und wenn wir in der Wettbewerbsklasse bleiben, in der wir heute sind, dann wird der Plan natürlich sein, um den Aufstieg zu spielen.

Seit wann sind Sie Vereinsvorsitzender des Orzeł?

Ich wurde im Jahr 2000 Vorsitzender und bin es seither geblieben. Das ist auf die zuvor instabile Situation in Verein zurückzuführen. Der vorherige langjährige Vorsitzende, Henryk Zamojski, hat zwar gut gearbeitet, aber irgendwann hatte er die Nase voll, und in den nächsten zwei, drei Jahren wechselten die Vereinsvorsitzenden immer wieder. Das wirkte sich nicht gut auf die Entwicklung des Orzeł aus. Auch ich war irgendwann sauer auf den Verein, gab das Spielen auf und wurde Schiedsrichter. Aber es missfiel mir sehr, was im Verein vor sich ging. Ich war sehr traurig, dass mein geliebter Orzeł zur Halbzeit der Saison am Ende der Tabelle stand. Deshalb beschloss ich, obwohl ich erst etwas über 20 Jahre alt war, zu handeln und etwas dagegen zu unternehmen.

In Belek haben wir unter anderem den deutschen Weltmeister von 2014, Lukas Podolski, getroffen.

Und Sie haben es geschafft …

Ja. Ich machte zunächst Karten mit der Ankündigung: „Wem Orzeł Zlönitz am Herzen liegt, möge bitte zur Versammlung kommen“. Und es kamen tatsächlich recht viele Interessierte, u. a. mehrere Fußballer, darunter der ehemalige Spieler und bekannte Oppelner Sportjournalist Juliusz Stecki. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass er derjenige sein würde, der die Leitung des Orzeł übernimmt, da er für mich der Hauptanwärter auf diese Rolle war. Während des Treffens deutete Juliusz Stecki jedoch auf mich und meinte, dass ich derjenige sein sollte, der den Zlönitzer Verein leitet. Im ersten Moment habe ich das nicht ernst genommen. Ich glaubte, dass ein Vorsitzender Geld und das richtige Alter haben müsse, und beides hatte ich nicht. Unter Druck und nach kurzem Überlegen stimmte ich jedoch zu, Vorsitzender zu werden, allerdings nur für sechs Monate. Letztlich bin ich es aber bis heute geblieben bin – 24 Jahre. Das war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es bei Orzeł wieder aufwärts ging und auch mehrere Spieler zurückkehrten. Die Folge: In der Rückrunde der Saison, als ich bereits Vorsitzender des Vereins war, spielten wir nur zwei Mal unentschieden und konnten die anderen Spiele gewinnen!

Es gab auch einige interessante Preise.

Als ich das Amt des Vorsitzenden von Orzeł übernahm, versprach ich den Spielern, dass wir im Falle eines Aufstiegs in eine höhere Spielklasse in ein Trainingslager in warmen Ländern fahren würden. Nicht alle haben mir das geglaubt, aber ich habe ihnen versichert, dass ich keine Scherze mache. Und als wir den Aufstieg schafften, nahm ich die ganze Mannschaft und ihre Frauen mit auf die Tropical Island bei Berlin (Anm. d. Red.: Gelächter). An diesen Moment erinnere ich mich mit großer Freude, denn es war wirklich ein sehr erfolgreicher Abstecher. Danach organisierte ich Reisen für die Mannschaft zu Spielen der 1. Bundesliga und der polnischen Ekstraklasa und gleichzeitig war ich ständig auf der Suche nach einem spektakulären Ausflug. Irgendwann erfuhr ich, dass eine polnische Mannschaft, die in der Bezirksklasse spielte, zu einem Vorbereitungscamp in warme Länder fuhr. Da habe ich angefangen, mich sehr für das Thema zu interessieren, um diesen Traum auch für meinen Verein zu verwirklichen.

Das Ergebnis dieses Interesses ist überwältigend. Orzeł Zlönitz aus der Oppelner Bezirksliga weilte in der Vorbereitungszeit auf die Frühjahrsrunde der laufenden Saison in Belek in der Türkei, wo die stärksten Vereine aus ganz Europa und die stärksten der polnischen Ekstraklasa zu Gast sind!

Ich bin sehr froh, dass diese Reise stattgefunden hat, und ich denke, dass sich die Spieler von Orzeł Zlönitz noch lange daran erinnern werden. Ich möchte aber nicht, dass es nur ein einmaliger Trip bleibt. Deshalb beabsichtige ich, jede zweite Saison eine solche Reise zu organisieren.

Erinnern wir uns an Ihre erste Reise nach Belek. Sie sind in einem wunderschönen Transsystem-Bus zum Flughafen gefahren, der sogar ansehnlicher war als der Reisebus des bekannten polnischen Vereins Termalica Nieciecza.

Das stimmt. Wir sind sogar mit demselben Flugzeug wie Termalica Nieciecza nach Belek geflogen und vor Ort in der Türkei haben wir Legia Warschau getroffen, die zwei Hotels weiter untergebracht war. Es war ein sehr nettes, freundschaftliches Treffen, genau wie das mit einem anderen polnischen Spitzenverein – Górnik Hindenburg, der sich ebenfalls in Belek auf die Frühjahrsrunde dieser Saison vorbereitete. Außerdem haben uns der Hindenburger Trainer Jan Urban und die gesamte Mannschaft von Górnik zu ihrem Training eingeladen! Dabei gab es auch gemeinsame Gespräche und Fotos. Unter anderem mit dem deutschen Weltmeister von 2014, Lukas Podolski, der aktuell für den Hindenburger Verein spielt und zuvor u. a. die Farben von Bayern München, Arsenal London, Inter Mailand und des 1. FC Köln vertrat. In Belek trafen wir auch Waldek Sobota, einen ehemaligen Spieler des FC St. Pauli Hamburg, Club Brügge und Śląsk Breslau. Nach dieser Reise erhielten wir viele positive Informationen und Glückwünsche, dass ein so kleiner Verein wie Orzeł Zlönitz mit so berühmten Mannschaften und Spielern in Belek war.

Was ist Ihr größter Traum für den Verein aus Zlönitz?

Ich möchte, dass mindestens 70 Prozent der Spieler in der ersten und zweiten Mannschaft des Orzeł spielen, die mit Zlönitz und seiner Umgebung verbunden sind. Außerdem träume ich davon, dass in Zukunft zumindest eines unserer Eigengewächse ein so hohes Niveau erreicht, dass sein Weggang von unserer Mannschaft zu einem großen Verein so wertvoll ist, dass wir uns ein neues, noch besseres Stadion bauen können.

Das ist ein Traum, über den manche Leute vielleicht lachen.

Ich weiß, ich lache auch manchmal, aber gleichzeitig glaube ich immer daran. Ich möchte hinzufügen, dass wir einmal einen Spieler hatten, den ich dem FC Schalke 04 angeboten habe. Ich selbst wollte ihn zu Testspielen hinbringen, aber am Ende wurde nichts daraus. Heute aber sind seine Kinder in unserer Fußballschule mit dabei und sie sind extrem talentiert! Vielleicht schaffen wir es also dieses Mal? Ich habe ja inzwischen mehr Erfahrung und weiß, wo ich es versuchen kann und wie ich reden muss. Und ich weiß auch, wie man große Talente für einen großen Verein hervorbringt.

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