Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, December 5, 2022

Sehnsucht nach Schlesien

Die historische Kommission für den Kreis Neustadt organisierte dieses Jahr eine Studienfahrt. Die Strecke führte dieses Mal durch Glogau (Głogów), Grünberg (Zielona Góra), Militsch (Milicz), Kattowitz (Katowice) und Beuthen (Bytom).

Studienfahrten nach Schlesien unternimmt die historische Kommission alle zwei Jahre.

Natürlich durfte Neustadt (Prudnik) nicht fehlen, wo die 33 Reisenden zwei Nächte verbracht haben, um Freunde und Mitglieder der Kommission aus dem Kreis Neustadt zu treffen. „Während unserer Schlesienreisen versuchen wir immer, etwas zu verbinden, was neu für unsere Mitreisenden ist, weil es vielfach doch die gleichen Personen sind, die mit uns kommen“, erklärt Dr. Ralph M. Wrobel, Vorsitzender der Kommission. Dieses Mal war das Motto der Reise „Durch das wilde Schlesien“. Die Geschichtsliebhaber haben sich entlang der alten schlesisch-polnischen Grenze auf den Weg gemacht. „Einen kleinen Abstecher haben wir auch in die Gebirgsecke gemacht, die noch ziemlich wild ist“, so Wrobel.

 

Heimweh und Heimatliebe
Maik Gliese aus Hannover ist mit Schlesien sehr verbunden: „Meine Oma ist hier geboren, sie hat hier gearbeitet, hat meinen Opa geheiratet und mitten in der Kriegszeit ist sie von hier weggegangen, noch vor der Vertreibung. Doch sie hatte immer Sehnsucht nach Oberschlesien“, so Gliese. Diese Heimatliebe hat die Oma aus Oberschlesien an ihren Enkel weitergegeben. Vor 20 Jahren kam er das erste Mal nach Schlesien, in das Heimatdorf seiner Großmutter. „Als ich in dem Hof meiner Oma aus dem Auto gestiegen bin, hatte ich das Gefühl, dass ich hier nicht fremd bin“, erinnert sich Maik. Seitdem hat er ein neues Reiseziel für sich entdeckt: „Schlesien muss ich mindestens ein Mal im Jahr besuchen, es muss einfach sein. Wenn ich hier bin, dann betrachte ich mir die schlesischen Dörfer. Was mich anspricht ist diese Gepflegtheit. Egal, wo man hinkommt, die Dörfer sind gepflegt, die Kirchen sind herausgeputzt. Das ist da, wo wir jetzt wohnen, in Niedersachsen, nicht ganz so… Das begeistert mich einfach. Außerdem führe ich hier interessante Gespräche“, sagt Gliese. Erst vor vier Wochen war Gliese mit seiner Ehefrau in Schlesien und hat die Begeisterung für dieses Land bei ihr entfacht. Maik Gliese ist zum Ahnenforscher geworden: „Ich schreibe Familienbücher, mittlerweile weiß ich, dass ich 400 Jahre Geschichte hier in Oberschlesien habe“.

 

Studienfahrten mit Hintergedanken
Die Studienfahrten werden wir alle zwei Jahre organisieren. „Zum einen wollen wir gemeinsam in Schlesien zusammenkommen und zum anderen ist es eine Gelegenheit für den Verein, Geld zu verdienen. Auf diese Weise können wir ein paar Bücher drucken lassen“, verrät Wrobel. Mit besonderer Freude erfüllt den Vorsitzenden der Kommission, dass sich immer wieder so viele Personen finden, die mitreisen. „Es sind nicht nur Mitglieder der Kommission, sondern teilweise ganz Fremde, Menschen die vielleicht noch nicht einmal persönlich was mit Schlesien zu tun haben. Ihnen zeigen wir dann Schlesien und unseren Heimatkreis“.

 

Die Historische Kommission für den Kreis Neustadt/OS e.V. ist 1985 von Horst Zobel in Northeim (Niedersachsen), der Partnerstadt von Neustadt (Prudnik) gegründet worden. Seitdem beschäftigt sich die Kommission mit Geschichtsforschung in der Region des ehemaligen Kreises Neustadt, den heutigen Landkreisen Neustadt und teilweise auch Krappitz (Krapkowice). Gerne können alle Geschichtsliebhaber der Kommission beitreten. Weitere Infos: www.hkknos.eu/

 

 

Manuela Leibig

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