Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, December 7, 2022

Sommer, Sonne, Minderheit!

Eines der Vorzeigeprojekte der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) ist jenes der Kinderfreizeiten. Diese richten sich an Kinder und Jugendliche aus der Region Oppeln. Das Sommerangebot wird ununterbrochen seit den 1990er-Jahren veranstaltet und erfreut sich bis heute einer großen Beliebtheit.

Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region Oppeln kamen dieses Jahr in Ziegenhals (Głuchołazy) zusammen. Im Gegensatz zum letzten Jahr waren es dieses Mal gleich zwei Durchgänge; bei jedem machten 66 Kinder mit. Daniela Gurok, Spezialistin für soziale Angelegenheiten bei der SKGD, ist für die Kinderfreizeiten verantwortlich: „Wir hatten schon letztes Jahr so viele Anfragen seitens der Kinder, dass wir beschlossen haben, dieses Jahr zwei Durchgänge zu beantragen. Wenn die Kinder mitmachen wollen, dann sollten wir sie nicht begrenzen“, sagt sie.

Hauptziel der Sommerwerkstätten der SKGD ist, dass sich die Kinder gegenseitig kennenlernen.
Foto: Manuela Leibig

Ausflüge und Sport
Im Programm beider Durchläufe stand das Erkunden von Ziegenhals. Bei Spaziergängen erfuhren die Teilnehmer der Sommerwerkstätten die Geschichte und Architektur des einstigen Goldgrubenstädtchens und späteren Kurortes Bad Ziegenhals. Deutsche Spuren wurden in der Stadt gesucht. Auch Ausflüge in die Sudeten wurden unternommen. „Wir gehen in die Berge, während eines Ausfluges haben wir 22 Kilometer zu Fuß gemacht. Wir machen auch viel Sport“, sagt die 10-jährige Melisa Maciejok aus Dambinietz (Dębiniec). Kacper Kluczny aus Klein Kottorz (Kotórz Mały) mag die Spaziergänge durch Ziegenhals am meisten – und die abendlichen Fußballspiele.

Mit Spielen, Puzzles, gegenseitigen Interviews und Schiller-Gedichten im Rap-Format wagten sich die Jugendlichen an die Begriffe Heimat und Indentität.
Foto: Manuela Leibig

Zugehörigkeitsgefühl
Wichtig ist der SKGD, dass der Nachwuchs der Mitglieder der deutschen Minderheit aus der ganzen Region zusammenkommt: „Das Hauptziel basiert darauf, dass die Kinder sich gegenseitig kennenlernen. Es ist wichtig, dass die Kinder dann eine Gruppe bilden, Freundschaften schließen; also, dass sie so ein Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Das ist etwas, worauf man in Zukunft aufbauen kann, finde ich“, sagt Daniela Gurok.

„Ich kam hierher mit meiner Freundin. Wir dachten uns, dass wir in einem guten Alter sind, um etwas Neues auszuprobieren. Hier haben wir auch viele neue Freunde gefunden. Es ist einerseits die Zeit mit Freunden und ohne Eltern, andererseits müssen wir hier gemeinsam Verantwortung übernehmen, das Bett machen, im Zimmer Ordnung halten und so weiter“, sagt die 12-jährige Alicja Gregarek aus Stöblau (Steblów).

 

 

Sie machen mit
Bei den Sommerwerkstätten werden auch Aktivitäten wie Ausflüge in die schlesischen Städte in der Umgebung, gemeinsame Spiele an der frischen Luft und viel Sport angeboten. Das Konzept scheint aufzugehen, denn die Teilnehmer wollen jedes Jahr aufs Neue bei den Sommerwerkstätten mitmachen, bestätigt die Betreuerin des Camps, Iwona Chudala: „Einige Kinder waren schon letztes Jahr dabei, sie haben sich untereinander schon im Vorfeld kontaktiert und verabredet, wer dieses Jahr wieder kommt“, sagt sie.

Zu den Kinderfreizeiten werden die Kinder von den DFKs angemeldet. Das Hauptauswahlkriterium für die Teilnahme ist, dass die Kinder auch bei vorherigen Projekten der deutschen Minderheit mitgemacht haben, zum Beispiel beim Samstagskurs oder dem Wissenswettbewerb über die deutsche Minderheit. So bleibt die Jugend im ständigem Kontakt mit der deutschen Minderheit und der deutschen Sprache. „Viele der Kinder kenne ich von anderen Projekten der deutschen Minderheit, Rezitationswettbewerben oder Märchennächten“, sagt die Deutschlehrerin Iwona Chudala, die in Proskau (Prószków) an der Grundschule unterrichtet.

Auch Wanderungen in die Sudenten wurden unternommen.
Foto: Manuela Leibig

Identität und Heimat
Nicht nur Ausflüge und Sport stehen auf dem Programm der Sommerwerkstätten der SKGD. Aufgeteilt in kleinere Gruppen, nahmen alle Kinder auch an einem Identitätsworkshop teil. Im Zentrum stand hier das Thema Heimat. Mit Spielen, Puzzles, gegenseitigen Interviews und Schiller-Gedichten im Rap-Format thematisierte Sebastian Gerstenberg das Thema Heimat und Identität. Nicht so starr wie vielleicht vor einigen Wochen in der Schule, sondern passend zum Sommer in leichter Form verpackt, aber konsequent in deutscher Sprache durchgeführt. „Man muss den Kindern bewusst machen, dass wir in einer speziellen Region wohnen. Hier liegen unsere deutschen Wurzeln. Je öfter die Kinder die Impulse bekommen, desto mehr sind sie sich ihrer Heimat und Identität bewusst“, sagt Sebastian Gerstenberg, Vizevorsitzender der Deutschen Bildungsgesellschaft und Leiter des Identitätsworkshops.

Viele Freizeitaktivitäten an der frischen Luft wurden angeboten.
Foto: Manuela Leibig

Viele der Freundschaften, die vom 16. Juli bis zum 5. August während der zwei Durchgänge der Sommerwerkstätten der SKGD geschlossen wurden, werden wohl die Probe der Zeit überstehen. Die Kinder und Jugendlichen versicherten zudem, dass sie weiterhin an Angeboten und Wettbewerben der deutschen Minderheit teilnehmen und auch Freunde dafür begeistern werden.

Natürlich wird die deutsche Minderheit in Oppeln auch im kommenden Jahr die Kinderfreizeiten organisieren, auch dann wieder in zwei Durchgängen, damit so viele Kinder wie möglich dieses Angebot wahrnehmen können. Ein ähnliches Projekt wird auch vom Verband deutscher Gesellschaften (VdG) veranstaltet; dieses richtet sich aber an etwas ältere Jugendliche. Schwerpunkt ist hier die deutsche Sprache.

Manuela Leibig

 

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Titelfoto: Manuela Leibig

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