Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, June 24, 2022

Vater des Abiturs

Die von außen eher unscheinbare Kirche der heiligen Hedwig in Wüstewaltersdorf, heute Walim im Landkreis Waldenburg, birgt ein Geheimnis. Oder eher: Es war ein Geheimnis bis zum Jahr 2014. Nun ist es eine spannende Geschichte, die den Erfinder des modernen Abiturs betrifft: Karl Abraham von Zedlitz.


Die heutige katholische Kirche der heiligen Hedwig ist als eine evangelische Kirche 1771 im barocken Stil gebaut worden. Sie wurde 1962 renoviert. Die Ausstattung des Inneren ist allerdings fast komplett original und stammt aus der Bauzeit der Kirche. 2014 hat der Journalist und Hobbyhistoriker Łukasz Kazek gemeinsam mit einem Wissenschaftlerteam die Familiengruft derer von Zedlitz in der Kirche entdeckt. Unter den Überresten befand sich auch die mumifizierte Leiche von Karl Abraham von Zedlitz, von dem man bisher gar nicht wusste, wo er begraben wurde.

Karl Abraham von Zedlitz
Quelle: Wikipedia

Karl Abraham von Zedlitz wurde am 4. Januar 1731 in Schwarzwaldau (heute Czarny Bór) in Niederschlesien geboren. Seine Schulausbildung absolvierte er an der Ritterakademie in Dom Brandenburg und war anschließend als Kammergerichtsreferendar tätig. 1759 wurde von Zedlitz Oberamtsregierungsrat in Breslau und fünf Jahre später Präsident der Regierung Schlesiens. Er war ein großer Befürworter des Volksschulwesens und Anhänger des Pädagogen Johann Heinrich Ludwig Meierotto, der sich für Reformen im Schulwesen ausgesprochen hatte. 1771 hatte Karl Abraham von Zedlitz als Minister nicht nur das Staats- und Justizministerium, das Kriminaldepartement, sondern auch das ganze geistliche Departement in Kirchen- und Schulsachen unter seine Fittiche genommen. In Zusammenarbeit mit Meierotto führte er dann in ganz Preußen die Reifeprüfung ein. Er wollte, dass nur diejenigen, die eine Reifeprüfung ablegen, später auch studieren dürfen. Das geistliche Departement musste von Zedlitz 1788 aufgeben. Er wurde Direktor der Ritterakademie zu Liegnitz.

Die Kirche der heiligen Hedwig in Wüstewaltersdorf
Foto: Wikipedia

Zedlitz starb am 18. März 1793 auf seinem Gut Kapsdorf (heute Czereńczyce, gmina Kąty Wrocławskie). Nun weiß man auch, dass er seine letzte Ruhe in der bescheidenen Kirche der heiligen Hedwig in Wüstewaltersdorf gefunden hat.

Anna Durecka

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