Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, December 1, 2022

Vier Regionen, eine Partnerschaft

Mit Jonathan Spindler, dem Geschäftsführer des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz/4er-Netzwerk, sprach Andrea Polański über die Partnerschaft zwischen der Woiwodschaft Oppeln, dem Bundesland Rheinland-Pfalz, der französischen Region Bourgogne-Franche-Comté und der Region Mittelböhmen in Tschechien.

Partnerschaften zwischen Ländern, Regionen und Städten gibt es schon seit Langem. Wie kam jene zwischen Oppeln, Mainz, Dijon und Prag zustande?
Seit schon 60 Jahren pflegen die Region Bourgogne-Franche-Comté und das Bundesland Rheinland-Pfalz eine vorbildliche Regionalpartnerschaft – die erste Partnerschaft Europas zwischen zwei Regionen! 2003, kurz vor dem EU-Beitritt Polens und der Tschechischen Republik, wurde diese bilaterale Partnerschaft um zwei mitteleuropäische Regionen erweitert: die Woiwodschaft Oppeln und die Region Mittelböhmen. Das 4er-Netzwerk ist einzigartig. Kein anderes Bundesland pflegt ein Netzwerk von vier europäischen Partnerregionen. Oppeln ist in dieser Partnerschaft immer sehr innovativ und engagiert. Wir haben schon viel erreicht, aber wir können noch viel mehr zusammen bewirken!

Wie hat sich diese Partnerschaft mit den Jahren entwickelt?
Ursprünglich wurde das 4er-Netzwerk auf politischer und institutioneller Ebene ins Leben gerufen. Es ist jedoch dank dem Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger in den vier Regionen sehr schnell im Herzen der Zivilgesellschaft angekommen – durch Städte- und Schulpartnerschaften, Sportprojekte oder Jugendbegegnungen. Das 4er-Netzwerk muss eine erlebbare Realität für alle aus allen Altersstufen und aus allen Ecken von Rheinland-Pfalz, Bourgogne-Franche-Comté, Oppeln und Mittelböhmen werden. Leider hat Corona unsere Vorhaben gebremst.

In den letzten Jahren waren die Mobilität und persönliche Kontakte durch die Pandemie stark eingeschränkt. Welchen Einfluss hatten diese Umstände auf die Partnerschaft?
Wir haben alle unter dieser Pandemie gelitten, doch es gab auch neue Anstöße. Ein wichtiger war hier die Digitalisierung, die es uns erlaubte, die ganze Partnerschaft noch einmal neu zu denken. Wir haben neue Wege der Zusammenarbeit gefunden, neue Formate entwickelt. Wir wollten diese Partnerschaften trotz Distanz weiter pflegen.

Ehrlich gesagt, wenn ich aus der heutigen Perspektive darauf schaue, waren einige Initiativen wie eingeschlafen; es wäre eine riesige Herausforderung gewesen, sie weiter zu organisieren. Diese wurden komplett neu gedacht, da es eine Chance war, unsere gemeinsame Tätigkeit zu revolutionieren. Das hat auch funktioniert – und es wurde einzigartig.

Jonathan Spindler, Geschäftsführer des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz/4er-Netzwerk
Foto: privat

Was macht so eine Partnerschaft aus? In diesem Fall kann man ja sogar über eine tiefe Freundschaft zwischen den Regionen sprechen.
Ganz genau, es ist eine Freundschaft. Diese Partnerschaft, das ist nicht nur eine Urkunde auf politischer Ebene zwischen Oppeln, Mainz, Dijon und Prag. Sie hat ihren Platz vor allem im Herzen der Zivilgesellschaft. Täglich gibt es Bürgerinnen und Bürger, die sich engagieren. Ob jung oder alt – sie ist einfach generationenübergreifend. Die Partnerschaft wird stets gepflegt, und das ist das Wichtigste daran.

Junge Menschen spielen in dieser Partnerschaft eine wichtige Rolle. Wie sah ihre Partizipation früher aus, wie ist es heute?
Projekte gab es auf jeden Fall auch schon im Jugendbereich, aber oft war es so, dass der Input von oben nach unten ging. Es freut mich sehr, dass sich das nun gewandelt hat und die Jugendlichen selbst mit Projektideen auf uns zukommen. Sie stellen uns ihre Erwartungen vor, sie wollen im Rampenlicht stehen, sie wollen diese Partnerschaft selbst gestalten – und natürlich ermöglichen wir dies ihnen. Als Institutionen sollten wir die Jugend unterstützten, da sie vielleicht bald nach und nach das Gestalten dieser Freundschaft der Regionen übernimmt.

Es finden zwischen den Regionen auch Programme für die jungen Menschen statt: Bildungsreisen, Praktika, Studienaufenthalte etc. Wie sieht hier die Resonanz aus? Nehmen die Jugendlichen gern daran teil?
Also, nach zwei Jahren Corona ist dieses Programm jetzt förmlich eskaliert. Ich arbeite schon lange an dieser Stelle und ich habe noch nie so viele Anträge für ein Praktikum in der Partnerregion bekommen wie dieses Jahr. Nach den Lockdowns merkt man diese Wertschätzung, dass man für eine längere Zeit ins Ausland gehen und dabei noch etwas lernen kann. Man sieht aktuell besonders gut, wie die Jugendlichen von diesem Netzwerk profitieren.

Wir hatten neulich das Projekt „Bei mir und bei dir“ mit Personen aus Oppeln, Mainz und Dijon. Es gab zwei Begegnungen, aber es soll nicht das nächste One-Shot-Projekt sein. Wir wollen aus den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Botschafter der Regionen, Botschafter der Partnerschaft machen – also gleichzeitig Multiplikatoren, die selbst mit Initiativen für dieses Netzwerk kommen.

Was sind die Themen, die Jugendliche in den Regionen interessieren und beschäftigen?
Alles mit Bezug zu Nachhaltigkeit, Ökologie und Klimaschutz, Jugendpartizipation in der Politik und auf kultureller Ebene sowie Toleranz und Minderheitenschutz. Es sind auch die Regionen und die Partnerschaft selbst, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Programme begeistern.

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