Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, December 9, 2022

Wegbegleiterin der Minderheit

In der Oppelner Region gab es keinen anderen Wissenschaftler, der eingehender die nationale und ethnische Struktur der Bewohner der Region untersucht hätte. Danuta Berlińska galt daher als unbestrittene Kennerin der Thematik und wurde als solche auch über die Grenzen der Region und Polens hinaus geschätzt. Nach langer Krankheit ist sie am 24. November verstorben.

Danuta Berlińska stammte aus Inowrocław, studierte in Posen und kam nach Oppeln wegen der Liebe. Hier ist sie dann auch sesshaft geworden und war seit Beginn der 80er Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Oppeln und des Schlesischen Institutes Oppeln. In ihrer Arbeit stand die Untersuchung der ethnischen und nationalen Verflechtungen, der Identifikation und der damit einhergehenden Konflikte und Spannungen im Mittelpunkt. So war es nicht verwunderlich, dass sie von Beginn an Wegbegleiterin der deutschen Minderheit in Oberschlesien gewesen ist.

Dabei schlug sie von Anfang an einen anderen Weg ein. Denn während manch einer ihrer Kollegen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre die Existenz einer deutschen Minderheit in Oberschlesien gern als absurd abgetan hatte und höchstens geringschätzig von den DM-Deutschen sprach, die sich angeblich für eine handvoll Mark verkauft haben sollen, hat sie erkannt, dass dies nicht so einfach vom Tisch zu wischen ist. Sie versuchte die Beweggründe der Menschen, die sich zur deutschen Nationalität bekannt haben, zu untersuchen, zu verstehen und auch anderen verständlich zu machen. In den folgenden Jahren begleitete sie daher mit ihren wissenschaftlichen Untersuchungen, Publikationen und Kommentaren für lokale, regionale und polenweite Medien die Tätigkeit der Deutschen Minderheit und hatte großen Anteil daran, dass diese Volksgruppe in der Mehrheitsgesellschaft an Anerkennung gewonnen hatte. Auch für das Wochenblatt.pl stand sie immer gern Rede und Antwort und bestach in den Interviews mit klaren Aussagen und Analysen der jeweiligen Situation.

Als ausgewiesene Expertin war Danuta Berlińska auch als Beraterin für Minderheitenangelegenheiten für den einstigen Woiwoden Ryszard Zembaczyński und seinen Nachfolger Adam Pęzioł tätig. Doch sie selbst wollte nie aktiv in der Politik mitmischen, auch wenn ihr dies immer wieder angeboten wurde. Danuta Berlińska blieb ihrer Berufung – der Wissenschaft – treu.

Ihre Kollegen von der Oppelner Universität und dem Schlesischen Institut bedauerten, sie verlören mit Danuta Berlińska eine hervorragende Wissenschaftlerin, geschätzte Hochschullehrerin und Freundin. Die Deutschen in der Oppelner Region verlieren eine kritische Wegbegleiterin, die aus ihrer wissenschaftlichen Berufung heraus diese Volksgruppe nicht nach parteipolitischen Mustern in eine Schublade zwängen, sondern ihre Vielfalt, schwierige Geschichte und heutige Bedeutung bekannter machen wollte.

Rudolf Urban

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