Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wort zum Sonntag von Pastor Wojciech Pracki

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07.07.2024 – 6. Sonntag nach Trinitatis

Lesungen: Jesaja 43,1-7; Matthäusevangelium 28,16-20

Predigttext: Apostelgeschichte 8,26-39


 Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser: „Er ist wie ein Schaf zur Schlachtung geführt; und still wie ein Lamm vor seinem Scherer, also hat er nicht aufgetan seinen Mund.“

Apostelgeschichte 8,32


Eine merkwürdige Zusammenkunft zwei Menschen aus unterschiedlichen Welten. Philippus: ein Diakon, Christ, Gottesdiensthelfer und Verkündiger des Evangeliums – und der Kämmerer aus Äthiopien, dessen Namen wir in der Apostelgeschichte nicht einmal kennenlernen. Was sie aber verbindet, ist der Kult des hebräischen Gottes Jahweh. Der Kämmerer ist sogar nach Jerusalem gepilgert, um im Tempel diesen Gott anzubeten. Er hat auch extra Hebräisch gelernt – in Wort und Schrift – um diesen Gott besser kennenzulernen und verstehen. Sehr untypisch. Philippus ist aber einen Schritt weiter und kennt das Handeln Gottes besser. Er ist ein Anhänger Jesu Christi – ein Judenchrist eben. Seine Aufgabe ist, Jesus Christus, den Sohn Gottes, durch seinen Dienst an ihm anderen Menschen näher zu bringen. Die Grundlage dieser Begegnung der zwei Männer, die unterschiedliche Welten der Antike repräsentierten, war ein Fragment des Buches des Propheten Jesaja, das oben zitiert ist. Dies ist für den afrikanischen Schatzmeister unverständlich gewesen. Philippus bot sich an, diesen Satz zu erklären. Er nutzte die Gelegenheit, um über Jesus, den leidenden Sohn Gottes zu sprechen. Jesus wird hier verglichen mit einem Lamm, das während seiner Qual schweigt. Das weist hin auf die Person des gefolterten Jesu. Ein Gott, dem Leid und Schmerz nicht fremd ist. Das war dem Kämmerer doch wichtig. Trotz seiner hohen Position, seines Reichtums und anderer Privilegien, litt er doch auch als Mann. In der Apostelgeschichte finden wir ein Schlüsselwort über ihm – er ist ein Eunuch gewesen. In seiner Kindheit hat man ihn unter Zwang kastriert und ausgebildet. In der Antike gab es in unterschiedlichen afrikanischen und asiatischen Königreichen viele Kastraten, die nicht nur die Harems ihrer Herren schützten. Viele wurden besonders gut ausgebildet und zu hohen Staatsdiensten entsendet. Mit so einer Person haben wir auch in dieser Geschichte zu tun. Hinter der wichtigen Person und ihrer gesellschaftlichen Position sind aber viel Leid und Trauma versteckt. Es handelt sich nicht nur um Begrenzungen im sexuellen Bereich. Die emotionalen sind ebenso wichtig. Er konnte keine Familie haben, wurde nicht als richtiger Mann betrachtet, seine Identität wurde ihm genommen – und das macht natürlich unglücklich. Auf dem Weg von Jerusalem nach Gaza erkennt er durch den Jesajatext und die Auslegung des neuen Wegbegleiters, dass sein Gott auch ein leidender Gott ist, dass auch ihm seine Identität und Würde durch Folterung genommen wurde. Es handelt sich dabei nicht um einen eins zu eins Vergleich, sondern um Ähnlichkeiten im emotionalen Bereich. Dieser Gott wird ihm viel näher als bevor. Diesem Gott wird er folgen und nimmt die Taufe an.

In unserer Lebenserfahrung kommt uns auch Leid entgegen. Oft nicht von uns selbst hervorgerufen.

Damit endet die Geschichte und wir wissen nicht, wie das Leben der beiden Gestalten weitergeht. Ich denke, dass die Begegnung einen großen Einfluss auf beide hatte. An diesem Punkt fängt aber unsere Geschichte an. Wir sind meistens als Kinder getauft. In unserer Lebenserfahrung kommt uns auch Leid entgegen. Oft nicht von uns selbst hervorgerufen. Wir aber haben einen Gott, der unser Leid kennt, der selbst gelitten hat. Wird uns dieser Gott durch seinen Sohn näher? Amen.

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