Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, May 28, 2022

Wort zum Sonntag von Pastor Wojciech Pracki

2. Sonntag nach Ostern – Misericordias Domini
Lesungen: Ezechielbuch 34,1-16, I Petrusbrief 2, 21-25
Predigt: Johannesevangelium 21,15-19

Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben?“ Er spricht zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Spricht Jesus zu ihm: „Weide meine Lämmer!“
Johannesevangelium 21,15

Neuer Anfang und Auftrag
Ich liebe einfach die Geschichte, die uns der Evangelist Johannes als Einziger berichtet! Nach einer langen Nacht, ohne Erfolg im Fischfang merken die Jesusjünger, dass ihr Meister am Ufer steht. Er schlägt ihnen vor, ihre Netze an der rechten Seite ihres Bootes zu werfen. So fangen sie 153 Fische – alle Arten, die man im See Genezareth kennt. Als sie dann feststellen, dass es der Herr ist, wirft sich Simon ins Wasser und schwimmt, um dem Auferstandenen zu begegnen. Es erwartet ihn ein Frühstück – ein Brot und im Feuer gebackener Fisch. Jesus ist der Gastgeber.
Ein neuer Tag nach einer langen Nacht, ein Mahl zur Stärkung, um neue Kraft für den Tag zu gewinnen. Dazu, das absolute Highlight – Die Anwesenheit Jesu Christi! Und es kommt zum Gespräch, nachdem sie alle gefrühstückt haben: „Simon, liebst du mich? (…) Weide meine Schafe.“

Für Simon Petrus war das eines der schwierigsten und wichtigsten Gespräche seines Lebens. Nicht allzu lange ist es her, dass er total versagt hat. Gerade hat er Jesus geschworen: „Auch wenn dich alle verlassen, bleibe ich bei dir!“ Wir wissen, es ist nichts daraus geworden. Als er am Hof des hohepriesterlichen Palastes nach der Jüngerschaft gefragt wurde, war seine Antwort: „Ich kenne den nicht!“ Und jetzt steht er vor Jesus mit schlechtem Gewissen, hilflos und ratlos da. Es gibt keine Ausrede, keine Erklärung.

Kennen Sie auch das Gefühl? Schuldbewusst dazustehen, ohne Ausrede, ohne Grund zur Rechtfertigung? Mit Scham und tiefem Gefühl der Peinlichkeit?

Trotzdem fragt Jesus nach der Liebe: „Liebst du mich?“ Sogar drei Mal nacheinander. Und dann auch der Auftrag: Weide meine Schafe, nimm die Verantwortung auf dich. Du bekommst eine Aufgabe, auch wenn du mich enttäuscht hast. Du musst dich nicht vor mir fürchten.

Das ist die Rechtfertigung Gottes! Auch, wenn wir nichts zu unserer Verteidigung zu sagen haben, nimmt Er uns an und gibt den Auftrag, christliches Zeugnis abzulegen. Das ist Ostern, Evangelium, Leben und Freude – schuldbewusst vor Gott zu stehen und trotzdem zu erfahren, dass wir ihm wichtig sind und dass er unsere Liebe braucht! Diese Geschichte muntert mich auf, jeden Tag ein bewussterer Christ zu sein. Ich hoffe, Ihnen geht es ähnlich.

In den evangelischen Kirchen wird der Auftrag an Simon, die Schafe zu weiden, so verstanden, dass Petrus die Aufgabe übernommen hat, Bischof Jerusalems in den ersten Jahren des Christentums zu sein. Nach seiner Flucht aus dem Jerusalemer Gefängnis verschweigt die Bibel seine weitere Geschichte. Die Aufgabe des Weidens verwirklichte er in seiner Pfingstpredigt mit dem Erfolg, 2000 Seelen zu taufen. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass er mehrere Nachfolger in unterschiedlichen Orten hat. So wird er nicht als erster Papst verstanden und die Idee des Papsttums wird von den evangelischen Christen abgelehnt. Trotzdem können wir alle wie Petrus sein – versagend, aber trotzdem einen Auftrag von Jesus bekommend. Amen.

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