Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, August 9, 2022

Zum Erfolg verdammt

Mit Benedykt Kocot, gebürtig aus Chronstau bei Oppeln, Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in München, Vizeweltmeister und Weltmeister sowie fünffacher polnischer Meister im Radsprint, sprach Krzysztof Świerc.


Es ist ein halbes Jahrhundert her, dass Sie 1972 in München eine olympische Medaille gewonnen haben. Das ist eine lange Zeit, was machen Sie heute?

Fünf Jahrzehnte sind eine enorme Zeitspanne, aber es fühlt sich immer noch an, als wäre es gestern geschehen. Wie schnell die Zeit vergeht. Heute lebe ich in Deutschland, genauer gesagt im Rheinland zwischen Düsseldorf und Köln, wohin ich 1987 mit meiner Familie zog. Meine Tochter und mein Sohn haben sich in diese Gegend verliebt, betrachten sie als ihre neue Heimat und wollen nicht mehr weg. Und da sich meine Familie dort sehr wohl fühlt, tue ich das auch.

Warum haben Sie sich gerade im Rheinland niedergelassen?

Das war kein Zufall. Im Rahmen eines Familientreffens wurden wir nach Paderborn in Westfalen geschickt, wo mein Bruder lebt, und es schien, dass ich dort bleiben würde. Dazu kam es aber nicht, denn ich verlegte meinen Wohnsitz nach Büttgen im Kreis Neuss bei Düsseldorf. Der Grund: Dort gab und gibt es eine wunderschöne Radrennbahn und ein Zentrum für Olympia-Vorbereitungen, und ich hatte Unterlagen dabei, aus denen hervorging, dass ich für den polnischen Radsportverband gearbeitet und die polnische Sprint-Nationalmannschaft geleitet hatte. Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich meine beruflichen Hoffnungen in diese Arbeit gesetzt habe – und ich habe mich nicht getäuscht. Ich war in dem bereits erwähnten Olympia-Vorbereitungszentrum in Büttgen beschäftigt. Ich bekam auch meine erste Wohnung und begann dort zu arbeiten. Speziell mit Jugendlichen, indem ich Junioren auf die Deutschen Meisterschaften vorbereite.

Benedykt Kocot wurde in Chronstau geboren, lebt aber seit langem ein glückliches Leben in Büttgen, Kreis Neuss bei Düsseldorf.
Foto: Patryk Namyślik

Wie fruchtbar war Ihre Arbeit?

Ich habe Grund, zufrieden zu sein. Die Erfolge stellten sich in kurzer Zeit ein. Die von mir trainierten Junioren haben bei den Deutschen Meisterschaften mehrere Medaillen gewonnen. Sie qualifizierten sich auch für die Nationalmannschaft und repräsentierten Deutschland später mit großem Erfolg bei den Weltmeisterschaften. Ich könnte noch viele weitere Radsportstars aufzählen, die aus meinen Händen hervorgegangen sind, die ich „poliert“ und an die Spitze geführt habe. Deshalb kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass es mir gelungen ist, meine sportlichen Erfahrungen durch meine Trainingsarbeit an die jungen Radsportler weiterzugeben, die sie zu großen, manchmal sogar spektakulären Leistungen gebracht haben.

Welche Ihrer vielen Erfolge schätzen Sie am meisten, und beziehen Sie sich in Ihren Gedanken, Gesprächen und Erinnerungen immer noch gerne auf sie?

Obwohl ich in meiner Karriere Weltmeisterschaften gewonnen habe, schätze ich am meisten die olympische Bronzemedaille, die ich 1972 in München errungen habe. Ich war damals erst 18 Jahre alt und als ich auf das Podium sprang, öffnete sich für mich die Tür zu einer großen Karriere und einer großen Welt. Der zweite wichtige Moment in meinem Leben fand nach dem Ende meiner Wettkampfkarriere statt, als ich die Möglichkeit bekam, als Bahnradsportlehrer beim LKS „Ziemia Opolska“ zu arbeiten. Dort stellte ich meine eigene Vision für diesen Volkssportverein vor, der damals aus 7 kleinen, über die ganze Woiwodschaft Oppeln verstreuten, Klubs bestand. Ich schlug auch eine zentrale Ausbildung von Radfahrern unter meiner Aufsicht vor und versicherte, dass wir auf diesem Weg den gewünschten Erfolg erzielen würden. Ich habe sogar die Geburt eines Olympioniken vorausgesagt!

Was sagte das Management dazu?

Nachdem sie sich mit meinem Trainingsplan vertraut gemacht hatten, betrauten sie mich mit der Funktion des Cheftrainers im Verein. Später wurde ich auch Leiter des Sportzentrums in Oppeln, wohin wir Radsportler aus der Woiwodschaft brachten, die ich auf Jugendspartakiaden und polnische Juniorenmeisterschaften vorbereitete. Darüber hinaus habe ich in den 1980er Jahren komplette Ausbildungspläne für Jugendliche ausgearbeitet und die Vereinsleitung des LKS „Ziemia Opolska“ hat alle diese Vorschläge akzeptiert.

Gab es auch Skeptiker?

Ja, es gab sie und ich konnte das verstehen, denn bis zu dem Zeitpunkt, von dem ich spreche, hatten die Radsportler aus der Region Oppeln sieben Jahre lang keine Medaillen bei Jugendwettbewerben und polnischen Meisterschaften in jüngeren Altersklassen gewonnen. Deshalb haben nicht alle geglaubt, dass wir plötzlich einen Olympioniken haben würden, und es war auch ihr gutes Recht, so zu denken. Ich musste also beweisen, dass ich weiß, wovon ich rede und was ich tun will.

Sobald Sie mit der Umsetzung Ihres Plans begonnen haben und sich die ersten Erfolge eingestellt haben, dürften die Skeptiker also verstummt sein.

Zuerst haben wir eine Medaille gewonnen, ein Jahr später drei, dann fünf und schließlich zehn Medaillen! Es war wunderbar und zu der Gruppe der Jugendlichen, die diese Medaillen gewannen, gehörte auch der berühmte Joachim Halupczok. In Anbetracht dieser Leistungen betrachte ich meine Ausbildungszeit als sehr erfolgreich und interessant. Ich habe mich als Trainer bewährt. Meine These, dass wir, wenn das von mir vorbereitete Ausbildungsprojekt zu mindestens 80-90% umgesetzt wird, die Ergebnisse erzielen werden, von denen wir geträumt haben, hat sich ebenfalls bewahrheitet. Außerdem hatten wir olympische Athleten, denn 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul hatten wir Joachim Halupczok, der auf der Straße und auf der Sprintstrecke antrat und Krzysztof Opala. Ich habe also mein Wort gehalten, mein Plan hat funktioniert.

Kommen wir noch zurück zu den Olympischen Spielen 1972 in München, von denen Sie nicht nur eine Medaille, sondern auch viele Erinnerungen mitgebracht haben. Auch solche, die einem das Blut in den Adern erstarren lassen. Die Olympischen Spiele in München haben sich auch wegen des Terroranschlags der Organisation „Schwarzer September“ auf israelische Sportler in das Bewusstsein der Allgemeinheit eingebrannt. Elf israelische Sportler wurden getötet, ebenso wie fünf palästinensische Attentäter. Und Sie waren mittendrin im Geschehen!

Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die olympischen Wettkämpfe, an denen ich im Radstadion teilnahm, fanden sehr spät statt. Das lag an den Fernsehübertragungen in Länder auf anderen Kontinenten, die erst spät in der Nacht zu Ende gingen. Bei diesem Wettbewerb habe ich die Bronzemedaille gewonnen, und zwar zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens. Deshalb sind wir gut gelaunt vom Stadion zum Olympischen Dorf zurückgeradelt. Als wir in unserer Unterkunft ankamen, entspannten wir uns geistig und die Trainer brachten uns jeweils ein Glas Rotwein. Mit nur einem Glas endete es dann allerdings nicht, was uns in einen sehr tiefen Schlaf fallen ließ. Doch das Aufwachen war für uns schockierend.

Wie sehr?

Als wir die Augen öffneten, bemerkten wir eine große Aufregung vor dem Fenster. Kreisende Hubschrauber, medizinische Dienste, Militär, Polizei, Medien usw. Wir fragten besorgt, was passiert sei. Wir erfuhren, dass nicht weit von unseren Fenstern entfernt in der Nacht geschossen worden war, Menschen starben, es gab Verwundete. Einen Augenblick später wussten wir, dass es sich um einen Terroranschlag handelte, der zwischen Mitternacht und 1 Uhr nachts auf der Straße stattfand, auf der meine Kollegen und ich vom schönsten Wettbewerb meiner Karriere zurückkehrten. Wir waren buchstäblich Minuten vom Tod entfernt! In diesem Moment wurde uns klar, was für ein Drama sich um uns herum abspielte, dass auch wir Opfer dieses Anschlags hätten werden können und dass wir Glück gehabt hatten. Es war auch der Moment, in dem die Freude an der Teilnahme an den Olympischen Spielen erlosch. Das Fest des Sports, der Freude, der Freundschaft und des Friedens wurde ausgelöscht.

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