Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, February 4, 2023

Zwei gegen 38 Millionen

Mit Józef Swaczyna, Landrat des Kreises Groß Strehlitz, sprach Krzysztof Świerc


Wie war das vergangene Jahr für den Kreis Groß Strehlitz?
Es war weder gut noch schlecht für uns. Man kann aber auch nicht sagen, dass es gerade richtig war, denn wir hatten mit verschiedenen Widrigkeiten zu kämpfen. An erster Stelle steht das Schuldenproblem unseres Kreiskrankenhauses, das übrigens nicht nur uns, sondern mehr als 200 Kreiskrankenhäuser im ganzen Land betrifft. Dies ist u. a. auf die Erhöhungen zurückzuführen, die das Gesundheitsministerium seit Juli letzten Jahres vorgenommen hat. Eine entsprechende Verordnung wurde erlassen, aber das Geld wurde nicht ausgezahlt und es gab ein Problem! In unserem Fall wurde ein Betrag von mehr als einer Million Zloty benötigt, aber wir erhielten nur 350.000 Złoty. So hatten wir ab Juli 2022 eine Finanzierungslücke von mehr als 700.000 Złoty pro Monat.

Dies war nicht das einzige Problem, mit dem Sie im Jahr 2022 konfrontiert waren.
Leider. Die Diskriminierung meiner Kommunalverwaltung und der Gemeinden im Kreis Groß Strehlitz war ebenfalls ein großes Problem. Ich spreche hier von der Polnischen Ordnung, unter der wir bei fünf Mittelvergaben nur zwei Mal Unterstützung erhielten. Drei Mal sind wir leer ausgegangen, was ich für einen Skandal halte! Darüber hinaus hat die sich verschlechternde Situation all unserer Kommunen auch Auswirkungen auf die Bildung. Insbesondere die Tatsache, dass wir wenig Geld hatten, bedeutete, dass wir den Lehrern nicht so viel geben konnten, wie wir wollten und wie sie es verdienen. Das sind die drei Grundprobleme, mit denen wir 2022 konfrontiert waren.

Józef Swaczyna, Landrat von Groß Strehlitz
Foto: Landratsamt Groß Strehlitz

Was konnten Sie von den zuvor aufgestellten Plänen verwirklichen?
Gemeinsam mit dem Marschallamt der Woiwodschaft Oppeln und der Gemeinde Groß Strehlitz sind wir mit dem „Bermuda-Dreieck“ in Groß Strehlitz am Ende der Straßen Kozielska, Dolińska und Mickiewicza fertig geworden. Dort wurde ein wunderschöner Kreisverkehrsplatz angelegt, der ein Beweis für die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Kommunen ist. Heute sind die Anwohner sehr froh darüber, dass das Chaos dort verschwunden ist, denn früher fuhren die Autos dort, wie sie wollten, und verursachten Gefahren. Ich möchte hinzufügen, dass wir für dieses Projekt verantwortlich waren, und das Vorhaben hat etwa drei Millionen Złoty gekostet. Eine weitere unserer Investitionen ist ebenfalls erwähnenswert, und zwar die erste Bauphase einer Straße zwischen Rosmierka und Grodisko, die anschließend nach Kadlub und von dort in den Kreis Oppeln weitergeführt werden soll. Das gesamte Projekt wird etwa fünf Millionen Złoty kosten. Zudem arbeiten wir bei gemeinsamen Straßeninvestitionen eng mit den Gemeinden zusammen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle allen Bürgermeistern und Gemeindevorstehern danken, die es trotz aller Schwierigkeiten immer wieder geschafft haben, Mittel aufzutreiben und zu gemeinsamen Investitionen beizutragen.

Es ist auch erwähnenswert, dass das Kreiskrankenhaus in Groß Strehlitz trotz finanzieller Probleme unter Ihrer Stabführung sehr effizient gearbeitet hat.
Es ist eine Tatsache, dass trotz der Verschuldung alle Abteilungen unseres Kreiskrankenhauses zu 100 Prozent ausgelastet sind. Hierzu möchte ich betonen, dass wir seit einem Monat ein brandneues Röntgengerät haben, den Mercedes unter den Röntgengeräten. Es ist wahrscheinlich das modernste in der Woiwodschaft Oppeln und hat 1.300.000 Złoty gekostet. Außerdem verfügt unser Krankenhaus über einen Hubschrauberlandeplatz, was eine Voraussetzung für jede Einrichtung mit einer Rettungsabteilung ist. Auch dafür haben wir 1.300.000 Złoty ausgegeben. Dabei handelte es sich um EU-Gelder, ohne die der Hubschrauberlandeplatz sicherlich nicht gebaut worden wäre. Deshalb sollte sich jeder Einwohner unseres Kreises der enormen Vorteile bewusst sein, die die Mitgliedschaft Polens in der Europäischen Union mit sich bringt.

Wird das nächste Jahr für den Kreis schwieriger sein als das vorherige, ähnlich oder leichter?
Wenn ich mir die Budgets und Aktivitäten der Kreisverwaltungen ansehe, glaube ich, dass 2023 und 2024 die schwierigsten Jahre seit 25 Jahren für sie sein werden! Also seit es wieder Kreise gibt. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich nehme regelmäßig an den Sitzungen des Polnischen Kreisverbandes teil, wo wir hitzige Diskussionen über die aktuelle Situation und die Zukunft führen. Ich möchte hinzufügen, dass viele der zurzeit „zusammengeschusterten“ Budgets als virtuell bezeichnet werden können, denn wir haben EU-Gelder bzw. Mittel aus der Polnischen Ordnung als Eigenleistung dazu beigesteuert. Apropos Polnische Ordnung: Ich nenne sie ein totales Chaos, denn die nächste Mittelvergabe müsste bereits erfolgt sein, was aber nicht der Fall ist. Das Gleiche gilt für EU-Gelder, aber das ist schon eine breitere Politik und auch darauf zurückzuführen, dass die Regierenden sich von den Bürgern Polens und deren Bedürfnissen abgewandt haben. Es ist sehr bedauerlich, dass zwei Herren 38 Millionen Menschen auf der Nase herumtanzen, weil es ihnen so beliebt. Leidtragende sind dabei vor allem die Kommunen, die bereits viele weitere Projekte, Unternehmungen und Investitionen hätten realisieren können, was aber aufgrund der Sturheit der beiden vorerwähnten Individuen nicht geschehen ist….

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