Annemarie Cordes von der Kreisau-Initiative e.V. war am sechsten September Gast bei den deutsch-polnischen Gesprächen in Potsdam. Sie berichtete von den schwierigen Anfängen des Vereins.

 

Annemarie Cordes von der Kreisau-Initiative e.V. und Wilmar Thiemann von der Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. Foto: Christian Schmidt

Die Stiftung Kreisau beschäftigt sich in ihrer Arbeit unter anderem mit sozialökologischen Themen, mit Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, Menschenrechten, europäischen Themen und Ökologie. Das in den Anfangsjahren beherrschende Thema der Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen spiele in der jetzigen Generation keine Rolle mehr – das zumindest sagt Annemarie Cordes, die von Anfang an Teil der Initiative Kreisau war, aus der später die Stiftung entstand. Über diese Entwicklung sprach sie bei den deutsch-polnischen Gesprächen in Potsdam.

 

Alles begann damit, dass Westberliner Linke, ostdeutsche Dissidenten, Polen, Amerikaner, Niederländer und Franzosen sich zu einer Konferenz im Juni 1989 in Breslau trafen. Diese 60 Vertreter wollten unter dem Motto „Gemeinsam Europa von unten aufbauen“ das Gut der Familie von Moltke in Kreisau (Krzyżowa) wiederaufbauen und der Zukunft Europas widmen. Das Treffen endete mit einem Brief an den polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki und den deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl. Es führte zu der in Polen bekannten Versöhnungsmesse der beiden Politiker am 12. November 1989. „Dadurch wurde aus der kleinen Initiative eine ganz große Perspektive“, so Cordes.

 

Die Kreisau-Initiative wurde eigentlich gegründet, um das nötige Geld zum Kauf des Objektes zu organisieren. Schneller als erwartet kamen durch Mitgliedsbeiträge und Spenden die notwendigen 10.000 DM zusammen. „Und, heute unvorstellbar: sie wurden in der Hosentasche im Zug nach Polen gebracht“, erzählt Annemarie Cordes. Der Grund: Der offizielle Transfer des Geldes wäre zu damaligen Zeiten mit enormen Kosten und Aufwänden verbunden gewesen.

 

Als dann die ersten Bauarbeiten auf dem Moltke-Grundstück begannen, hat das bei vielen Bewohnern Argwohn hervorgerufen. „Da hat es sehr geholfen, dass die Engagierten aus verschiedenen Ländern kamen und nicht nur aus Deutschland“, sagt Cordes. Zudem unterstützte der örtliche Pfarrer Kałuża das Projekt und predigte, um Vertrauen vor Ort zu schaffen.

 

Denn dass viele der Initiative misstrauisch gegenüberstanden zeigte sich auch dadurch, dass es beispielsweise nicht möglich war, Grabplatten derer von Moltkes dort in den Boden einzulassen –  und das, obwohl die Finanzierung geklärt war. Doch das war nicht das einzige Problem: Auch der gute Wille des deutschen Auswärtigen Amtes, eine Wasserleitung für das Gelände zu finanzieren, stieß damals auf Unverständnis, da der Ort Kreisau über keine gute Wasserversorgung verfügte. Die Idee, für den Ort Wasserleitungen zu verlegen, war dem deutschen Verwaltungsrecht fremd, da der genehmigte Finanzierungsgrund das Objekt der künftigen Begegnungsstätte betraf. Ein Konflikt, der nur schwer zu bewältigen war. Letztlich gelang es jedoch, so dass das Dorf eine neue Wasserversorgung erhielt.

 

Die Nachkommen derer von Moltkes, Freya von Moltke, unterstützte alle Pläne, hielt sich doch vollständig aus dem Projekt heraus, da sie nicht als ehemalige Gutsherrin wahrgenommen werden wollte. Später gründete sie die bis heute funktionierende Stiftung, durch die es möglich war, die laufenden Kosten des Gutes zu finanzieren.

 

Die monatlich stattfindenden deutsch-polnischen Gespräche in Potsdam sind eine Initiative der Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. Sie will damit das Thema Polen näher an die Potsdamer Bevölkerung herantragen und Interessierten die Möglichkeit geben, die vielfältigen Facetten Polens und des deutsch-polnischen Verhältnisses kennenzulernen.

 

 

Christian Schmidt