Eine polnisch-ukrainisch-deutsche Kajaktour im Ermland wirbt für Verständigung zwischen den Völkern. Alexander Bauknecht hat die Tour mit Gleichgesinnten vor 15 Jahren ins Leben gerufen. Für den Vizevorsitzenden der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit ein wichtiges persönliches Anliegen.

 

Deutsch-ukrainisches Team: Organisator Alexander Bauknecht und Roksana Churrem. Foto: Uwe Hahnkamp

 

 

Sonntag Morgen, ein letzter Blick in den Rucksack, ob noch etwas fehlt. Dann mache ich mich auf den Weg. Das Abenteuer beginnt einige Kilometer nördlich von Guttstadt im Ort Launau (Łaniewo). Neun Paddelfans haben sich an diesem zweiten September zur polnisch-ukrainisch-deutschen Kajaktour versammelt. Vor uns liegen zwischen 13 und 14 Kilometern Fahrt auf der „Alle“, das Ziel ist Heilsberg. Es wartet also Arbeit auf uns. Die ersten Meter sind ruhig, es gilt, im Kajak den Rhythmus zu finden. Ich sitze als einziger allein im Kajak und suche das Gespräch mit den anderen Paddlern. Alexander Bauknecht im Kajak neben mir erzählt von der Geschichte der Touren: „Die Idee dazu hatten 2003 die ‚Ermis‘, die Jugendgruppe der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit, bei der ich Mitglied war. Inzwischen sind wir eine über Facebook organisierte Gruppe von etwa 170 Personen.“

 

Blick auf das Stadttor von Heilsberg, im Kajak Anna Badowiec. Foto: Uwe Hahnkamp

 

 

Heimatkunde

Meist kämen mehr Paddler als heute, sagt er. So wie im Juli bei der Tour um Wartenburg, da waren es rund 20. Gefahren werde auf der Alle, auch mal beim Lansker See südlich von Hohenstein, aber vor allem im Landkreis Allenstein.

„Das ist Heimatkunde aus einer ungewöhnlichen Perspektive“, sagt Roksana Churrem, die sich mit Aleskander Bauknecht ein Kajak teilt. Er und die Ukrainerin kennen sich seit Jahren, aber nicht nur über die Touren, sondern auch durch die „Ermis“. Die Vertrautheit merkt man ihnen an, das Kajak treiben sie mit vereinten Kräften nach vorn. Zumindest dann, wenn es nötig ist.

 

Ende der Tour: Anlegestelle im Zentrum von Heilsberg zu Füßen des Turms der Peter-und-Pauls-Kirche. Foto: Uwe Hahnkamp

 

 

Integration

„Zum Glück ist die Strecke hier relativ einfach, nur ab und zu ein Baum oder etwas Gegenwind, da kann man es ruhig angehen lassen“, freuen sich Michał Janta und Anna Badowiec. Sie kennen sich auch durch die „Ermis“ und sind ein gutes Team: Einmal rudert sie, einmal rudert er. Auch für mich als „Einzelkämpfer“ bleibt Zeit, mich treiben zu lassen, die Stille zu genießen oder mit den Mitfahrern in den anderen Kajaks zu plaudern. Genau diese Integration macht die Touren so wichtig. Symbol dafür ist auch der Name „Lucyna Bauknecht“, den die Touren seit diesem Jahr tragen. Denn Lucyna Bauknecht, die Mutter von Alexander, hatte deutsche und ukrainische Wurzeln. Für Aleksander also ein wichtiges persönliches Anliegen.

 

Nach knapp vier Stunden Fahrt nähern wir uns dem Ziel: Heilsberg. Die Türme der Molkerei ziehen an uns vorbei, dann die Innenstadt. Am Steg unterhalb der Peter-und-Pauls-Kirche heben wir die Boote aus dem Wasser. Endlich wieder fester Boden. Die Arme schmerzen und auch der Hintern tut weh. Beim nächsten Mal nehme ich ein Kissen mit.

 

 

Im nächsten Jahr sind weitere polnisch-ukrainisch-deutsche Paddeltouren geplant. Wer daran teilnehmen möchte, kann sich an Alexander Bauknecht wenden, E-Mail: kplocharska@agdm.pl, Tel.: 89/523 69 90, 89/535 97 86

 

Uwe Hahnkamp