Benita Giele

Wenn man die Menschen danach fragt, was sie mit Weihnachten verbindet, kommen meist sehr schnell sehr viele Bräuche, die man aus der Kindheit kennt, oder die gar bis heute gelebt werden. Doch was ist mit Ostern? Es ist zwar das wichtigste kirchliche Fest, doch wie viele Traditionen und welche werden an diesen Tagen heute noch in den Familien gepflegt. Wir haben diese Frage Mitgliedern der Deutschen Minderheit, aber nicht nur diesen, gestellt.

 

 

Renata Zajaczkowska, Vorsitzende der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau: In meiner Kindheit in Gleiwitz war es immer das Ostereiersuchen. Das war das Schönste, denn wir hatten einen großen Garten und wenn das Wetter gut war, waren die Ostereier im ganzen Garten versteckt. Diese Tradition habe ich dann später nach meiner Heirat mit meinen Kindern gepflegt und sie haben es auch weitergeführt. Und jetzt in meinem Alter hat das Ostereiersuchen der Osterbabe Platz gemacht. Diese ist für mich jetzt das wichtigste und es muss eine schöne große Hefebabe sein. Daneben darf dann aber ein Käsekuchen ebenfalls nicht fehlen.

 

Bolesław Bernaczek, Vorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Grünberg: Als Kind war für mich natürlich das Ostereiersuchen wichtig. Aber wir haben auch selbst die Ostereier bemalt, was aus heutiger Sicht für mich vielleicht sogar noch ein bisschen schöner war. Und ich bin stolz darauf, dass wir immer – auch bis heute – die schlesischen Motive auf unseren Ostereier haben, denn auch wenn ich nun im Lebuser Land lebe, stamme ich aus dem schlesischen Waldenburg. Dabei muss ich betonen, dass wir bei uns zu Hause die Ostereier aber erst nach Plamsonntag bemalt haben.

 

Monika Krzenzek, Mitglied des Vorstandes des Verbandes der Deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren: Meine Familie und ich gehören der evangelischen Kirche an, weshalb es bei uns etwas anders als bei den Katholiken zugeht. So gibt es bei uns z.B. nicht die Tradition, dass wir die Osterspeisen in der Kirche weihen lassen. Das heißt nicht, dass wir uns als Familie nicht zusammensetzen würden und Ostern am reich gedeckten Tisch feiern. Das katholische Weihen fehlt einfach nur. Und für uns ist neben den Ostertagen selbst Karfreitag ein wichtiger Tag, an dem wir uns in der Kirche versammeln. Wir haben zwar keinen Kreuzweg, um die Leiden Jesu quasi nachzuspielen, aber dieser Tag gehört aus kirchlicher Sicht auf jeden Fall für uns zu Ostern dazu. Ansosten sind unsere Ostertraditionen nicht anders als die der anderen Bewohner unserer Region.

 

Benita Giele, Mitglied des DFK in Psychod: An Ostern ist der Auferstandene Jesus am wichtigsten und so bete ich in der ganzen Karwoche sehr viel. Ich beginne auch die Novene zur Barmherzigkeit Jesu an Karfreitag und diese Novene dauert neun Tage, bis sie am Samstag vor dem sog. Weißen Sonntag endet. In unserem Dorf fangen die Vorbereitung auf Ostern mit „Skoczki“ an: Am Karmittwoch wird in den Gärten im Dorf ein Feuer angezündet. Außerdem haben wir in den Wiesen und Feldern in der Nähe von Psychod eine kleine Kapelle des Heiligen Franziskus, daneben entspringt eine Quelle. In den frühen Morgenstunden am Karfreitag gehe ich immer mit meinem Mann und meinen Enkeln zu dieser Quelle, um von dort Wasser zu holen. Auf dem Hinweg darf man aber nicht sprechen, denn da betet man. Eine Nachbarin dachte deshalb einmal, meine Mutter sei böse auf sie, da sie ihr auf ihren Gruß nicht antwortete. Auf dem Heimweg darf man dann schon sprechen. Zu Hause, mit dem Quellwasser angekommen, waschen wir uns die Augen, ich trinke auch dieses Wasser. Ich erhalte noch die Tradition des Füßewaschens bei mir zu Hause. An Kardonnerstag waschen jüngere Familienmitglieder den Älteren die Füße. So ist bei uns der Brauch.

 

Sylwia Pietruszka aus Rzendowitz, Studentin der Universität Oppeln: Die Suche nach den Hasen. Eigentlich die Suche nach dem, was er mir gelassen hat. Ja, das war das Beste für mich, und bestimmt für die anderen Kindern auch. Am Samstagabend machte ich ein schönes Nest im Garten. Am Ostersonntag nach dem Frühstück, ging ich zum Garten, um das Geschenk, das der Hase dort gelassen hat, zu suchen. Ich bekam jedes Mal ein Geschenk, weil ich ein braves Kind war. Das war die beste Zeit, an die ich mich erinnere. Jetzt kommt der Hase zu den Kindern von meinen Geschwistern. Sie kommen jedes Jahr zu uns und machen, wie ich vor Jahren, die Nester. Diese Tradition ist in unsere Familie fest verankert. Mir haben das meine Eltern beigebracht und über dieser Tradition erzählt. Der Hase kam, seit ich ein kleines Mädchen war. Ich weiß schon nicht genau, wann das begann, aber ich habe viele Bilder davon, wie ich im Garten stehe.

 

Monika Neumann aus Krasków, Studentin der Universität Oppeln: Rund um Ostern gibt es eigentlich ziemlich viele Traditionen, die mir gefallen oder naheliegen. Aber eine, die mir am meisten gefällt und die ich am meistens aus der Kindheit kenne, fängt schon eigentlich mit dem Palmsonntag an, wenn die Osterpalmen in der Kirche geweiht werden. Die traditionellen, schlesischen Osterpalmen sind etwas anders als die in im übrigen Polen. Das ist eigentlich ein Strauß aus Weidenzweigen, etwas mit Dornen muss aber immer dabei sein. Und aus diesen Osterpalmen fertigen die Männer an Gründonnerstag immer Kreuze an. Ganz früh an Karfreitag, also am besten noch bevor die Sonne aufgeht, bringt man dann diese Kreuze die aus den geweihten Weidenzweigen aus den Osterpalmen gemacht werden, aufs Feld und sie werden dann in die Erde gesteckt, was angeblich die Ernte, die später dann im Sommer oder Herbst eingefahren wird, vergrößern soll. Die Tradition haben mir mein Opa und mein Vater  beigebracht.

 

Sylwia Krafczyk, DFK Guttentag: Ostern ist eine sehr schöne Zeit und wenn ich an Ostern denke, ist das Ostereierkratzen meine Lieblingstradition. Bei uns zu Hause sieht es so aus, dass wir ein oder zwei Monate vorher die Zwiebelschale einsammeln, damit wir die Eier dann in diesen Zwiebelschalen kochen können.  Nach dem Kochen kratzen wir dann die Ostereier nach verschiedenen Mustern. Diese Tradition hat mir meine Mutter beigebracht. Das machen wir auch jetzt noch zusammen und das bereitet uns wirklich sehr viel Spaß. Ich erinnere mich daran, dass ich als kleines Kind zum Garten ging und dann suchte ich nach solchen Eiern. Also einige Eier waren zum Osterfrühstück und einige Eier haben wir im Garten gesucht. Nun habe ich eine Tochter, die jetzt sieben Jahre alt ist und seit zwei Jahren setzen wir uns auch am Tisch zusammen und dann bemalen wir oder kratzen wir die Eier zusammen. Das ist immer an Karfreitag, damit wir dann ein Tag später an Karsamstag zur Kirche gehen. Wir können diese Eier dann weihen und am Ostersonntag zum Frühstück einige essen und einige kann meine Tochter im Garten suchen.

 

Ryszard Zmuda aus Kossorowitz, Student der Universität Oppeln: Meine Lieblingstradition? Der Ostermontag! Das eine ist die Tradition, dass Jungs die Mädchen mit Wasser begießen. Aber bei mir zu Hause war jedes Jahr der Ostermontag ein großes Familienfest. Zu uns kam die ganze Familie und wir machten dann einen großen Kampf, einen Wasserkampf Männer gegen Frauen, und alle hatten damals viel Spaß gehabt und wir waren alle bis auf die Knochen nass. Ja ich glaube, dass das meine Lieblingstradition ist.