Am 20. April wurde die Burg in Heilsberg als eines der wertvollsten Baudenkmäler in Polen auf die Liste der Denkmäler der Geschichte des Präsidenten Polens eingetragen. Die ehemalige Residenz der Bischöfe von Ermland gehört heute zum Museum von Ermland und Masuren. Doch außer den Bischöfen und dem Museum diente sie auch – als Waisenhaus. Über das Leben seines Vaters Bruno Stuhrmann dort berichtete am 15. Juni in Heilsberg Manfred Stuhrmann-Spangenberg.

 

Manfred Stuhrmann-Spangenberg auf der Treppe, die sein Vater auf Händen hochlief.
Foto: Uwe Hahnkamp

 

 

„Zeiten des Waisenhauses auf der Burg in Heilsberg“ war die Veranstaltung betitelt, in deren Rahmen der frühere Professor für Humangenetik und heutige Reisebuchautor Manfred Stuhrmann-Spangenberg über seine Forschungen zu seinem Vater berichtete. Bruno Stuhrmann wurde am 5.12.1914 in Tollnigk, Kreis Heilsberg (heute Tolniki Wielkie) geboren. Sein Vater fiel 1915 im Krieg, die Mutter starb 1918 an der spanischen Grippe. „Durch sie sind mehr Menschen umgekommen, als im ersten Weltkrieg Soldaten gefallen sind“, erklärte Manfred Stuhrmann-Spangenberg, „insofern war ein Leben im Waisenhaus damals nichts Ungewöhnliches.“ Bruno Stuhrmann verbrachte so die Zeit bis 1928.

 

 

Die Burg in Heilsberg etwa in den 20er-Jahren Quelle: Archiv Manfred Stuhrmann-Spangenberg

 

Bischöfe, Kranke, Waisenkinder

Das Waisenhaus in der Burg in Heilsberg entstand aber bereits im Jahr 1857. Nachdem Bischof Ignacy Krasicki (1735-1801) die Burg 1795 als Residenz aufgegeben hatte, verfiel sie langsam. Das änderte sich erst unter Bischof Joseph Ambrosius Geritz, der zum 50. Priesterjubiläum 1856 ein Ehrenlegat für den Wiederaufbau erhielt. 10.000 Taler flossen in die Einrichtung des Kranken- und Waisenhauses unter der Obhut der Heilsberger Katharinenschwestern. „Damals wurden auch sanitäre Anlagen gebaut, die etwas umgebaut sogar bis Anfang der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts in Betrieb waren“, ergänzte der frühere langjährige Direktor des Museums von Ermland Edward Radtke, der bei der Veranstaltung zu Gast war. Während die Krankenstation bereits 1877 aufgelöst wurde, blieb das Waisenhaus bis ins Jahr 1932 in der Burg.

 

Die Burg in Heilsberg
Foto: Uwe Hahnkamp

 

Alltag in der Burg

Zur Zeit, als Bruno Stuhrmann dort lebte, waren die Kinder im dritten Stock des Nordflügels untergebracht. Sowohl der Schulunterricht als auch das religiöse Leben spielten sich in der Burg ab. „Kam man auf das Gebäude zu, standen links und rechts über dem Eingang die Figuren von Maria und Joseph. Gegessen wurde in der Waffenkammer hinter dem Eingang rechts“, schildert Manfred Stuhrmann-Spangenberg die Erinnerungen seines Vaters. Die ausgetretene Steintreppe links hinter dem Eingang ist vermutlich der Schauplatz einer der Anekdoten von Bruno Stuhrmann, so sein Sohn: „Er hatte gewettet, dass er diese Treppe auf Händen hochlaufen würde. Keiner hatte ihm das zugetraut; er hat es geschafft.“ Dank der regelmäßigen Andachten und Gottesdienste in der Burgkapelle kannte er auch bis ins hohe Alter noch viele Bibelzitate auswendig; an sein Leben in der Burg dachte er stets gerne zurück. Bruno Stuhrmann starb am 4.12.1980 in Berlin.

 

 

Uwe Hahnkamp