29. Juli 2018 – Wort zum Sonntag

17. Sonntag im Jahreskreis

1. Lesung: 2 Kön 4, 42-44
2. Lesung: Eph 4, 1-6
Evangelium: Joh 6, 1-15

 

Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski

 

 

Das tägliche Brot ist eine Grundnahrung. Wir holen uns dieses beim Bäcker vor Ort oder im Supermarkt. Mit den Worten „Unser täglich Brot gibt uns heute“ wenden wir uns mehrmals am Tag an Gott. Wir hoffen dabei, dass er unsere Bitte erhört. Nicht alle Menschen haben genügend zu essen. Folgt man den Angaben der Organisation „Deutsche Welthungerhilfe“ (WHH) erfährt man, dass etwa elf Prozent der Weltbevölkerung unter dem Hunger und seinen Folgen leidet. „Jeder neunte Mensch hat nicht die minimal erforderliche Nahrungsmenge zur Verfügung“ – heißt es im Bericht der WHH. „Jeder dritte Mensch gilt als fehlernährt. Das bedeutet: Zwei Milliarden Menschen sind unter- oder übergewichtig oder leiden an Mikronährstoffmangel. Insbesondere die Länder des globalen Südens sind davon betroffen. Vor allem Frauen oder Kinder leiden dort oft ihr Leben lang unter chronischer Unterernährung und Wachstumsstörungen, die sie nicht nur anfällig für Krankheiten machen, sondern ihre geistige und körperliche Entwicklung langfristig beeinträchtigen. Noch heute ist fast die Hälfte aller jährlichen Todesfälle von Kleinkindern unter fünf Jahren auf mangelnde Ernährung zurückzuführen“ – informiert das Bündnis deutscher Hilfsorganisationen.

 

Uns geht es verhältnismäßig gut. Wir brauchen nicht zu hungern und finden immer etwas, um uns am Leibe zu stärken. Im Evangelium, das wir am 17. Sonntag im Jahreskreis lesen, begegnen wir Jesus als demjenigen, der die Menschen ernährt. Mit fünf Broten und zwei Fischen konnte er fünftausend Männer ernähren. Als die Menschen ihn zu ihrem König machen wollten, zog er sich auf einen Berg zurück, um allein zu sein. Jesus wies mit diesem Rückzug darauf hin, dass ihm zwar am leiblichen Wohl der Menschen sehr liegt, aber vielmehr möchte er den menschlichen Geist stärken. Nicht das Weizenbrot, sondern die Eucharistie gibt den Menschen die Kraft fürs Leben. Nicht der irdische Besitz entscheidet über den Sinn des Lebens, sondern die innere Einstellung des Menschen, sein denken und handeln. Daher auch die mahnenden Worte des Apostels Paulus: „Führt ein Leben, das des Rufes würdig ist, der an euch erging: Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.“

 

Einige von uns sind im Urlaub auf dem Lande und sehen, wie die Landwirte sorgfältig das Getreide ernten und in die Speicher fahren. Wenn wir in andere Gegenden kommen, suchen wir nach regionalen Produkten, um etwas anderes kennen zu lernen. Das leibliche Wohl kommt auf seine Kosten. Dafür können wir hervorragend sorgen. Wir müssen fragen: Wie ernähren wir unseren Geist? Inwieweit versorgen wir unser Inneres mit nährbaren Informationen, Erfahrungen, Gebeten, Wallfahrten, Festen, Begegnungen und der nötigen Ruhe? Jesus, als der große Prophet, nimmt sich unser an! Und der Psalmist ist überzeugt: „Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit. (…) Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die zu ihm aufrichtig rufen.“