Christian Schmidt von der Potsdamer Gesellschaft für deutsch polnische Nachbarschaft hat die Andreasnacht in Breslau organisiert.
Foto: privat

Polnischer Disco-Polo trifft deutschen Schlager. Zu dieser besonderen Andrzejki-Feier sind am vergangenen Samstag (25.11.) rund 50 Gäste mit dem Kulturzug aus Berlin angereist.

 

In Deutschland kennt man sie kaum, die Andreasnacht. Nach altem Volksglauben ist die sogenannte Losnacht besonders dazu geeignet, den künftigen Ehepartner herauszufinden. Dies begründet sich darin, dass der hl.Andreas nicht nur Schutzheiliger der Fischer, sondern auch der Liebenden und des Ehestandes ist.

 

 

In Polen heißt die Andreasnacht Andrzejki und wird traditionell auf Tanzveranstaltungen samt üppigem Büffet ausgelassen gefeiert. Die Tradition wird mittlerweile auch von deutsch-polnischen Communitys in der Bundesrepublik aufgegriffen. So beispielsweise von der Potsdamer Gesellschaft für deutsch polnische Nachbarschaft. „In Polen feiert man häufig generationsübergreifend und die Menschen müssen sich nicht erst Mut antrinken. Das wünsche ich mir auch für uns,“ sagt Vereinschef Christian Schmidt (51). Mit dem Kulturzug, der wochenends zwischen Berlin und Breslau rollt, ist er mit rund 50 weiteren Gästen aus der deutschen Hauptstadt und dem Brandenburger Land in die niederschlesische Metropole gekommen, um eine Andrzejki-Nacht der besonderen Art zu feiern. Eine gewagte Mischung aus deutschem Schlager und polnischem Disco-Polo heizt den Feierwütigen ein. Die Tanzfläche im Hotel Europa bebt– der Name des Hotels ist dabei Programm. Unter die deutsch- und polnischsprachigen Gäste mischen sich viele weitere. „Einander Kennenlernen und gemeinsam feiern – das bringt uns zusammen und das ist, was zählt. Egal, welche politische Verhältnisse herrschen“, sagt Mario Heinemann (39) aus Potsdam, der zum ersten Mal in Polen ist und nach diesem Abend gerne wiederkommt.

 

 

Für Thomas Stechert (44) aus Bernau bei Berlin und die aus Krakau stammende Lebensgefährtin Agate Halac fügt sich die Andrzejki-Feier in das gemeinsame Lebenskonzept. Denn den internationalen Austausch leben beide Tag für Tag und haben sogar ein Forum für deutsch-polnische Paare gegründet. Zwei bis drei Mal im Jahr trifft man sich sogar persönlich auf der einen oder anderen Seite der Oder. Thomas Stechert wünscht sich, dass Deutsche und Polen in Zukunft noch enger zusammenrücken und freut sich schon auf die nächste gemeinsame Andrzejki-Nacht.

 

 

Natürlich durften an diesem Abend traditionelle Bräuche nicht fehlen. Hierfür sollten beispielsweise die Gäste ihre Schuhe ausziehen und in einer Reihe aufstellen. Wer seinen Schuh als letzter hinstellt, werde im kommenden Jahr heiraten, so der Glaube. Wie viel Wahrheit darin steckt, zeigt sich spätestens 2018.

 

 

Marie Baumgarten