Mit vielen Bezügen zum Hochfest der Geburt Johannes des Täufers fand in Werl die traditionelle Schlesierwallfahrt statt. Gastgeber waren zum letzten Mal die Werler Franziskaner, deren Kloster 2019 geschlossen wird.

 

Am Informationsstand des Sankt-Hedwigs-Kreises Werl (von links: Pfarrer Dr. Peter Tarlinski, Elisabeth Reiß, Vorsitzende des Werler St.-Hedwigs-Kreises Elisabeth Rasim, Dr. Bernhard Jungnitz (Holzwickede)
Foto: Johannes Rasim

 

Am letzten Junisonntag fand im westfälischen Werl die 72. Schlesierwallfahrt für Heimatvertriebene und Spätaussiedler aus Nieder- und Oberschlesien, aus dem Leobschütz-Branitzer Gebiet und aus der Grafschaft Glatz statt. Das Pontifikalamt in der Basilika leitete der Großdechant der Grafschaft Glatz, Prälat Franz Jung (Münster), in Konzelebration mit Konsistorialrat Walter Junk (Winterberg), Prof. Dr. mult. Hubertus Drobner (Paderborn) sowie weiteren Mitbrüdern im priesterlichen Amt.

In seiner Predigt sagte Pfarrer Dr. Peter Tarlinski (Oppeln) unter anderem: „Werl ist zu einem bedeutenden Ort des Glaubens geworden. Die Heimatvertriebenen haben hier ihren Begegnungsort gefunden, um wie zu Hause bei der Mutter Gottes zu sein und durch ihre Fürsprache Trost zu schöpfen.“ In Bezug auf das Tagesevangelium sagte Pfarrer Tarlinski weiter: „Wenn wir an Breslau denken, begegnen wir im Breslauer Dom Johannes dem Täufer als Schutzpatron. Am 2. April 1945 wurde durch einen Bombenangriff die Mutter aller Kirchen des Erzbistums Breslau „enthauptet“: Die Helme der Türme, die Dächer und die Gewölbe wurden zerstört. Und es kam noch schlimmer, denn durch die Vertreibungen wurde die Kultur in Schlesien im übertragenen Sinne ebenfalls enthauptet. (…) In der Präfektion heißt es eingangs: `Die Geburt des Johannes erfüllte alle mit Freude.´Das heutige Fest zeigt uns, dass Neugeburten möglich sind. Auf meine oberschlesische Heimat bezogen kann ich sagen, dass es neugegründete Werke gibt, die uns mit Freude und Hoffnung erfüllen, wie etwa die Seelsorge der Deutschen, das Zentrum für wissenschaftliche Forschungen oder die Joseph-von-Eichendorff-Zentralbibliothek mit ihren jungen Mitarbeitern. Das 2000 gegründete Haus wird derzeit modernisiert, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden und dadurch an die jungen Generationen besser heranzukommen.“ Pfarrer Tarlinski bedankte sich bei den in Westdeutschland lebenden Schlesiern für ihre Unterstützung, besonders bei Prof. Drobner (Konsistorium der Apostolischen Visitatur für die heimatvertriebenen Katholiken des Erzbistums Breslau) und Dr. Bernhard Jungnitz (Heimatwerk Schlesischer Katholiken).

 

1661, als das Gnadenbild Mariä von Soest nach Werl kam, wurde in Werl die erste franziskanische Niederlassung gegründet. Mit zwei Unterbrechungen (1836-1849 sowie 1875-1887) waren die Franziskaner die Hüter des Gnadenbildes und dann Gastgeber für die Wallfahrer. Mit der Schließung des Klosters 2019 wird diese Ära zu Ende gehen. „Wir bedanken uns bei den Werler Franziskanern für ihre Gastfreundschaft. Die Wallfahrten der Schlesier nach Werl wird es aber weiter geben. Zwar ist die Pilgerzahl kleiner geworden und die Erlebnisgeneration der Vertriebenen stirbt langsam aus, aber das zunehmende Interesse an den Werler Wallfahrten bei den Enkeln und Urenkeln sowie bei den Spätaussiedlern erfüllt uns mit großer Zuversicht“, bestätigte die Vorsitzende des Sankt.-Hedwigs-Werkes Elisabeth Reiß (Rietberg).

Johannes Rasim