Edyta Gładkowska, die Vertreterin der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein, organisierte das diesjährige Frühlingsseminar für die mittlere Generation der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren. Auf Schloss Karnitten (Karnity) in der Nähe von Osterode ging es um eine Weiterbildung der Aktiven und das deutsche kulturelle Erbe der Region.

 

Gruppenarbeit mit Mitgliedern aus einigen Gesellschaften der deutschen Minderheit (Lyck, Osterode, Lötzen, Bartenstein, Allenstein)

 

Der Frühling kommt, die Natur blüht auf und die Menschen entwickeln sich. Ein guter Moment, um die Mitglieder der mittleren Generation der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren zum Frühlingsseminar zusammen zu bringen. Standort der diesjährigen Veranstaltung war Schloss Karnitten am Kesselsee in der Region des Oberlands, das selber Teil des reichen regionalen deutschen Kulturerbes ist.

 

Deutsche im Untergrund. Element im Schlosspark in Döhlau

 

Minderheit als Nichtregierungsorganisation

Der erste Tag gilt bei dieser Veranstaltung stets der Erweiterung der Wissens der Mitglieder der deutschen Minderheit. „In diesem Jahr wollten wir die Minderheit aus dem Blickwinkel der rechtlichen Organisationsform beleuchten. Diese ist vielen, die sich im Alltag praktisch einsetzen, selten bewusst“, erklärt Edyta Gładkowska. Die Gesellschaften der deutschen Minderheit sind Nichtregierungsorganisationen NGOs. Praktische Bedeutung hat das vor allem bei der Finanzierung, so die Referentin Anja Czajkowska von der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Tannen“ in Osterode. Sie betreut seit Jahren kleine Projekte der Minderheit in der Region und beschäftigt sich mit Fragen der NGOs: „Eine NGO darf die Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, nur für Satzungszwecke ausgeben und zwar in einem Kalenderjahr. Überschüsse dürfen nicht erwirtschaftet werden.“

 

 

Diese Bestimmungen gelten auch für die Organisationen der deutschen Minderheit in der Region und erschweren ihre Arbeit. Für Projekte müssen Mittel von verschiedenen Sponsoren gewonnen werden – die Planungen dazu und die Formulierung von Anträgen waren Inhalt der Gruppenarbeit der Teilnehmer. In gemischten Gruppen mit Mitgliedern verschiedener Gesellschaften der deutschen Minderheit diskutierten sie über mögliche Finanziers, aber auch sinnvolle Projekte. Häufig ging es um Veranstaltungen für die mittlere Generation und die Jugend. „Das sind die wichtigen Gruppen für die Zukunft“, betonte Henryk Hoch, der Vorsitzende des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, der ein Impulsreferat zur Zukunft der deutschen Minderheit der Region hielt, „die mittlere Generation sollte jetzt die Weichen stellen und die Jugend mit anziehenden Projekten mobilisieren.“ Die lebhafte Diskussion mit einigen ersten Ideen bietet die Hoffnung, dass über solche Projekte eine neue Generation aktiver Mitglieder heranwächst.

 

Die Referenten Anna Czajkowska und Henryk Hoch

 

Regionale Landeskunde

Nach Meinung vieler Teilnehmer sollte man dabei in der Region kooperieren. Daher sind integrierende Treffen wie das Frühlingsseminar sehr wichtig. Außerdem erweitert das Seminar die Kenntnisse der Landeskunde. Am zweiten Tag besichtigten die Teilnehmer einige ehemalige Herrenhäuser, darunter das Gutshaus in Groß Pötzdorf und das Gut in Döhlau (Dylewo) mit seinem Park. Von diesem Meisterstück des Landschaftsarchitekten Johann Larass ist nicht mehr viel zu sehen, der Park beim Herrenhaus in Warglitten (Warlity), dem letzten Punkt der Rundfahrt, wurde aber wieder nach seinem ursprünglichen Plan gestaltet. Auch das Wissen darüber soll die mittlere Generation an die Jugend weitergeben.

 

 

Text und Fotos: Uwe Hahnkamp