Der Automobilkonzern Volkswagen will in den nächsten fünf Jahren mehrere Milliarden Euro in die Elektromobilität, selbstfahrende Autos und Digitalisierung investieren. Vergangene Woche hat der Aufsichtsrat des Kraftfahrzeugherstellers aus dem niedersächsischen Wolfsburg auch schon die genaue Größenordnung der Investitionen in E-Mobilität, selbstfahrende Fahrzeuge, E-Mobilitätsdienstleistungen und Digitalisierung für die Zeit bis 2022 festgelegt.

 

Der Automobilkonzern Volkswagen will Milliarden von Euro in die E-Mobilität und selbstfahrende Autos investieren. Im Bild: ein erstes Modell des VW I.D. Vizzion Concept
Foto: www.autonews.com

 

Die Investitionen sollen sich auf 34 Milliarden Euro beziffern, was ungefähr einem Drittel aller für diesen Zeitraum geplanten Ausgaben entspricht. VW-Vorstandschef Herbert Diess sagte unterdessen, dass der Konzern sich derzeit auf zukunftsträchtige Investitionen rund um Mobilität konzentriert und diese Strategie konsequent verfolgt. Die finanziellen Mittel für diesen Zweck wolle Volkswagen mithilfe eines Sparprogramms in Milliardenhöhe selbst erarbeiten. Das Programm beziehe sich auf viele Fahrzeugmodelle. Oliver Blume vom VW-Vorstand bestätigte zuletzt, dass die Produktion an drei Standorten an die Herstellung von Elektroautos angepasst werden soll. Außerdem wolle man gleichzeitig ein neues Werk in Osteuropa bauen.

 

 

Blitzschnelle Profite

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zeigte sich seinerseits sehr stolz darauf, dass es „gelungen ist, die E-Mobilität weitgehend an Standorten in Deutschland anzusiedeln”. Westeuropa soll somit neben China und den Vereinigten Staaten von Amerika zu einem Vorreiter bei der Vermarktung elektrischer Kraftfahrzeuge werden. Dabei sollen die von VW hergestellten Elektroautos bemerkenswerterweise von Anfang an Gewinne einbringen. Laut Herbert Diess wird Volkswagen allein seiner Größe wegen der einträglichste Hersteller von Elektrofahrzeugen weltweit sein! In der Zeit ihrer Produktionsumstellung auf E-Mobilität wolle die Firma bis in die Mitte des kommenden Jahrzehnts ihren Geschäftsgewinn bei sieben Prozent aufrechterhalten. Elektrische Fahrzeuge sollen dabei innerhalb den nächsten sechs Jahre ein Fünftel der westeuropäischen Produktion erreichen! Zur Information: Volkswagen stellt aktuell sechs batteriebetriebene Fahrzeugmodelle her, ab dem Jahr 2025 sollen es aber 50 werden. Insgesamt will der Konzern 30 von 44 Milliarden Euro in die E-Mobilität investieren. Dabei will man sich allerdings nicht auf Investitionen bezüglich der Produktion einer europäischen Batterie festlegen.

 

 

Jahrzehnt des Beschäftigungsschutzes

Von den erhöhen VW-Investitionen sollen vor allem die Standorte Zwickau, Emden und Hannover profitieren. So soll in Zwickau bereits 2020 der Volkswagen ID als erstes Elektrofahrzeug der neuen Offensive vom Band rollen. In Emden werden ab 2022 Kleinautos und Limousinen produziert und in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover will man ab 2022 den I.D. Buzz – die Elektroversion des Lieferwagens – montieren. Den Beschäftigten in Emden und Hannover werde dann der Entlassungsschutz bis 2028 sicher sein. Parallel dazu will der Wolfsburger Konzern die Herstellung des Passat von Deutschland an den Škoda-Standort im tschechischen Kwasin verlagern und sucht gleichzeitig dringend in Osteuropa nach einem passenden Standort für die Produktion von Škoda und Seat. Allerdings kann die geplante Produktionsumstellung auf weniger komplexe Elektromotoren nur auf Kosten von Arbeitsplätzen geschehen. Wie der Konzern mitteilte, habe dieser nicht die Absicht, die zeitweise beschäftigten VW-Mitarbeiter in Hannover in Emden zu übernehmen, sondern diesen einen Standortwechsel anzubieten. Das Stammpersonal hingegen soll durch schrittweise Pensionierung reduziert werden.

 

 

Kooperation mit Ford

Sehr laut ist es in den letzten Wochen auch um die angekündigte Zusammenarbeit zwischen VW mit dem US-amerikanischen Ford geworden. Diese soll im Segment leichter Lieferwagen stattfinden und beiden Herstellern deutliche Einsparungen bringen. VW-Chef Herbert Diess hält in seinen Medienaussagen nicht hinterm Berg, dass er hierbei mit bedeutenden Synergieeffekten rechnet. Bei der Kooperation, die bis Ende dieses Jahres endgültig unter Dach und Fach gebracht werden soll, geht es im Einzelnen um die Herstellung verschiedener Modelle des VW-Transporter. In den Konzernkreisen ist zudem von einer möglichen Ausweitung der Zusammenarbeit bezüglich der E-Mobilität und selbstfahrender Fahrzeuge die Rede. Ford-Chef Jim Hackett kommentierte dies bis jetzt zurückhaltend und sprach gegenüber Reuters von einer schmalen Grenze, denn Ford und Volkswagen blieben nach wie vor Konkurrenten. Dies bestätigte auch Herbert Diess, betonte dabei jedoch, dass gerade deshalb die beiden Konzerne jeweils eine eigene Preis- und Marketingstrategie verfolgen würden. Was nun tatsächlich daraus wird, wird sich in der Praxis zeigen.

 

Johann Engel