Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, September 18, 2021

Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski

22. Sonntag im Jahreskreis – B

1. Lesung: Dtn. 4, 1–2.6–8

2. Lesung: Jak. 1, 17–18.21b–22.27

Evangelium: Mk. 7, 1–8.14–15.21–23

Wir alle sind von der Corona-Pandemie beeinflusst, geprägt, verunsichert, genervt, von vielen Vorschriften verwirrt, vor allem, wenn sie sich ständig ändern. Zahlreiche Hygiene-Konzepte versuchen Herr der Lage zu werden. Sich gegenseitig vor Infektionen zu schützen hat Priorität. Auf das Waschen der Hände wie auf die Sauberkeit insgesamt soll geachtet werden. Rein und Unrein haben nicht nur bei den Pharisäern und Schriftgelehrten zu Zeiten Jesu eine wichtige gesellschaftliche Rolle gespielt. Das Evangelium nach Markus führt uns eine Debatte vor Augen, in der Jesus sowohl den Führungskräften im Judentum als auch seinen Jüngern deutlich macht, dass es neben der äußeren Reinheit auch die innere gibt, die viel entscheidender sei. Jesus sagte: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.“

 

Die Gebote und Verbote, die Regeln und Gesetze bestimmen mehr oder weniger unseren Alltag, unsere Berufswelt und unser gesellschaftliches Leben. Werden sie nicht geachtet und eingehalten, hat das für den einzelnen wie für die Allgemeinheit negative Folgen. Die oben zitierten Worte Jesu richten sich „an seine Jünger und an alle Leute“. Sie sind als Warnung zu verstehen und als Hinweis darauf, den Geboten Gottes und nicht der menschlichen Überlieferung zu folgen. Jesus beruft sich auf die Aussage des Propheten Jesaja: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.“ Jesus deckt die gesellschaftliche Spannung auf, die zwischen dem menschlichen Denken und der göttlichen Weisheit entstand. Das Menschliche wurde über das Göttliche gestellt. Somit bringt der Mensch sich selbst an die Stelle Gottes und verliert sein Herz. Dieses wird unrein, das heißt: unmenschlich, Gottes nicht würdig und gesellschaftlich untauglich.

 

Jesus stellt sich in die Tradition der Weisungen, welche in der Thora niedergeschrieben wurden und die Mose dem Volk Gottes ans Herz legte: „Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide, die ich euch zu halten lehre! Hört und ihr werdet leben. (…) Ihr sollt die Gebote des Herrn, eures Gottes, bewahren und halten. Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker.“ Der Brief des Apostels Jakobus ermutigt zu derselben Haltung: „Nehmt in Sanftmut das Wort Gottes an, das in euch eingepflanzt worden ist und die Macht hat, euch zu retten! Werdet aber Täter des Wortes und nicht nur Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst!“ Rein wollen wir alle sein. Die Infektionen zu vermeiden ist uns wichtig. Das eigene Herz zu bewahren, sollte dem nicht nachstehen.

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