Letzten Monat lud der Vorsitzende des BJDM in Tarnowitz, Oskar Zgonina, Jugendliche zum ‘Zocken’ ein. In der Jugendsprache bedeutet das, mit Spielkonsolen, Handys oder Computern zu spielen. Doch an diesem Tag mussten – ganz klassisch – mal wieder die guten, alten Spielkarten herhalten. In schlesischer Tradition wurde nämlich Skat gespielt oder, besser gesagt, gelernt, denn Skat gehört bei Jugendlichen nicht gerade zu den bekanntesten Spielen.

 

                                                                         Schon bald können die Jugendlichen richtige Skatspiele bestreiten.                                                                           Foto: Deutsche Minderheit Tarnowitz

 

Oskar Zgonina hatte es sich zum Ziel gesetzt, das in Vergessenheit geratene Spiel zu neuem Leben zu erwecken und es, nebenbei bemerkt, auch selbst zu lernen. Er musste nicht lange nach einem geeigneten Lehrer suchen.

 

 

 

 

Skat im Internet

Der Vize-Vorsitzende des DFK Tarnowitz, Roman Boino, erklärte sich bereit, den Jugendlichen Skat zu erklären. Mit einer ähnlichen Aktion für die „Salia Silesia“ war er schon einmal erfolgreich gewesen. Damals hatte sich sogar eine Mannschaft gebildet, die in der Liga tätig war. „Ich bin überzeugt, dass die Jugendlichen auch nach dem Kurs weiterhin spielen werden, denn auch das Internet bietet Möglichkeiten“, sagt Boino. Die Internetseite Kurnik zum Beispiel werde von vielen besucht. Sogar Europameister sowie etliche Deutsche, die ein derartiges Angebot in deutscher Sprache nicht hätten, seien dort unterwegs. Doch auch Anfängern bietet die Seite etwas, denn sie erläutert die Regeln und teilt die Spieler nach ihrem Können ein. „Das Skatspielen wird so überleben, denn an richtigen Turnieren nehmen immer weniger Spieler teil“, sagt Boino. Auch in seinem Verein merke man die sinkende Begeisterung für das ursprünglich aus Österreich stammende Spiel sehr deutlich. Von den 120 Mitgliedern, die der Verein zu Zeiten von Boinos Eintritt mit 14 Jahren zählte, seien nur noch wenige übrig. Neueintritte erwähnt er nicht. So ist es wohl auch nicht ganz uneigennützig, den Jugendlichen das komplizierte Kartenspiel beizubringen, um so neue Mitspieler zu gewinnen. Er selbst hatte Skat, wie so viele andere, von seinem Opa beigebracht bekommen. Da er deshalb hervorragend spielen konnte, wurde er von den erfahrenen Spielern akzeptiert. Andere, die nicht so gut im Skat waren, wurden von den Älteren „verscheucht“ und aufgefordert, erst noch ein wenig zu trainieren.

 

Einsteiger nicht ablehnen

Das Problem beim Skat ist nämlich, dass man abwechselnd zwei gegen eins spielt, weshalb sich der andere unbedingt auf den einen verlassen können muss. Die Erfahrung kam daher, dass man, wie ihm erzählt wurde, überall gespielt wurde; auf dem Weg zur Arbeit, in der Pause und manchmal, wohl eher heimlich, sogar während der Arbeit. Trotz seines Könnens teilt Boino diese ablehnende Einstellung gegenüber Einsteigern nicht. „Wie sollen junge Leute denn sonst lernen, wenn nicht beim Spiel mit den alten Erfahrenen“, meint Boino. Daher hat er sogar ein Buch über Skat geschrieben, um die Regeln in einfacher Sprache zu erklären. Das sei allerdings gar nicht so leicht, denn das Spiel habe viele Regeln. Außerdem beziehe es auch Mathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung mit ein.
Dass das Spiel so kompliziert sei, fand auch der 21-jährige Martin Potempa. Er war überrascht von der Wichtigkeit der Mathematik in dem Spiel. Allerdings hat er begonnen, Skat schätzen zu lernen. „Für mich sind besonders die beiden verdeckten Karten sowie das Spiel von zwei gegen eins interessant. Normalerweise spiele ich einfachere Karten- und auch Brettspiele, natürlich auch Videospiele, sogenannte ‘Couch-Games’, die man zusammen an einem geteilten Bildschirm spielt“, zählt Martin auf. Der Name ‘Couch-Games’ kommt vom gemeinsamen Sitzen auf einer Couch. Diese Spiele seien allerdings aus der Mode gekommen, weshalb er und seine Freunde immer nach neuen Alternativen suchen.

 

Nicht ums Geld

Auch der Großvater von Andrea Potempa spielte Skat. Sie kommt ursprünglich aus Deutschland, doch sie besuchte gerade ihre Familie in Schlesien, als sie von dem Skatturnier erfuhr. Sie hat ebenfalls keine Vorkenntnisse. „Einmal habe ich mich im Internet informieren wollen, doch gleich im ersten Satz bin ich einem Wort begegnet, dass ich nicht kannte. Das hat mich entmutigt“, sagt Andrea. Doch nun ist sie mit den anderen Jugendlichen anwesend, um Skat zu lernen. Dass Skat ursprünglich um Geld gespielt wurde, beunruhigt Spielleiter Boino nicht. Er sieht keine Gefahr, dass die Jugendlichen anfangen könnten, um Geld zu spielen. Wichtiger als das Zocken um Geld sei der Spaß und den scheinen die Teilnehmer zu haben. Ziel der Veranstaltung ist es, bei verschiedenen Treffen der deutschen Minderheit Alt und Jung beim und zum Skatspielen zusammenzubringen. Dass die Jugendlichen Spaß daran haben, macht das Gelingen dieses Projekts sehr wahrscheinlich.

 

 

Justus Niebling